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Hannover MHH-Professor: „Besonders Kinder vor der Sonne schützen“
Nachrichten Hannover MHH-Professor: „Besonders Kinder vor der Sonne schützen“
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07:30 28.07.2019
Eine Kopfbedeckung ist das mindeste: MHH-Professort Gutzmer rät zu mehr Sonnenschutz gerade auch für Kinder – dazu gehört lange Kleidung und Sonnenschutzmittel mit Faktor 50. Quelle: Silvia Marks/dpa-tmn
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Herr Professor Gutzmer, wir erleben wieder einen sehr sonnigen Sommer. Freuen Sie sich eigentlich über die Sonne? Gehen Sie selbst auch mal vor die Tür?

Ich suche die Sonne nicht, sondern setze mich ihr nur aus, wenn es sein muss wie beim Spaziergang mit dem Hund. Auf jeden Fall vermeide ich die Mittagssonne zwischen 12 und 15 Uhr, denn je dünner die Ozonschicht und je mehr Sonne hier scheint, desto größer ist das Risiko für Hautkrebs. UV-Licht ist einfach schädlich.

„Zahl der Neuerkrankungen an Hautkrebs steht seit Jahren“

Hautärzte berichten, dass sie viel mehr Patienten mit Hautkrebs behandeln als vor ein paar Jahren. Hören Sie das auch?

Vorsorge, Behandlung und Nachsorge von Hautkrebs macht inzwischen einen Großteil der Arbeit der niedergelassenen Kollegen aus. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt seit Jahren deutlich. Seit 1970 ist die Zahl der Erkrankungen mit schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, um mehr als das Fünffache gestiegen. Beim hellen Hautkrebs gab es von 2005 bis heute bundesweit einen Anstieg von 30 Prozent. Das ist ein echtes Problem. Wenn man beide Krankheitsformen zusammennimmt, macht Hautkrebs in Niedersachsen ein gutes Drittel der Krebsneuerkrankungen aus.

Woran liegt das? In früheren Zeiten haben die meisten Menschen auf dem Feld in der Sonne gearbeitet.

Sie sind aber nicht so alt geworden wie wir heutzutage. Das Risiko für hellen Hautkrebs steigt, je länger wir im gesamten Leben der Sonne ausgesetzt sind und je heller unsere Haut ist. Der aggressivere schwarze Hautkrebs ist eher auf die Sonnenbrände in den ersten zehn bis zwölf Lebensjahren zurückzuführen.

Professor Ralf Gutzmer. Der Dermatologe leitet das Haut-Tumor-Zentrum in der Klinik für Dermatologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Quelle: MHH

Trifft heller Hautkrebs also vor allem Menschen, die im Straßenbau oder Gartenbau arbeiten?

Tatsächlich ist heller Hautkrebs für bestimmte Berufsgruppen als Berufskrankheit anerkannt, und ich frage meine Patienten nach ihrer beruflichen Vorgeschichte. Die meisten Betroffenen haben seit 40 oder 50 Jahren viel Freizeit in der Sonne verbracht und waren im Sommer gerne in Italien oder Spanien. Oder sie waren häufig im Solarium.

„Vermeintlich gesunde Bräune gilt als Zeichen für Wohlstand“

Eine der Ursachen liegt also in unseren Lebensgewohnheiten?

Es hat viel mit dem Schönheitsideal gebräunter Haut zu tun, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat. Die Menschen können es sich leisten, in den Urlaub zu fahren. Die vermeintlich „gesunde Bräune“ gilt als Zeichen für Wohlstand.

Wie unterscheiden sich heller und schwarzer Hautkrebs?

Schwarzer Hautkrebs ist deutlich aggressiver und führt sehr schnell zu Metastasen. Relativ häufig bekommen ihn auch jüngere Menschen. Der helle Hautkrebs ist dagegen meist nicht lebensbedrohlich. Er tritt vornehmlich an größeren Hautpartien auf, die im Laufe des Lebens viel Licht abbekommen haben, an Kopf, Hals, Unterarmen und Händen. Der Krebs wächst lokal in Breite und Tiefe. Durch eine frühzeitige Operation ist er meist zu stoppen, aber viele Patienten haben einen langen Leidensweg mit Schmerzen und Einschränkungen über Jahre.

„Hoher Sonnenschutzfaktor auch im Winter“

Und wenn wir doch Radfahren und wandern wollen? Was raten Sie zum Schutz vor der Sonne?

Vor allem sollte man auch in Hannover nicht in der Mittagszeit von 12 bis 15 Uhr in die Sonne gehen und schon gar nicht ins Solarium. Ich rate außerdem zu Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt: Hut, Kappe, lange Ärmel, lange Hosen. Als drittes und am wenigsten wirksames Mittel empfehle ich Sonnenschutzcremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 50 im Sommer und 20 bis 30 im Winter. Die Creme muss dick aufgetragen werden, sonst ist sie weniger wirksam.

Können Sie eigentlich noch mit ansehen, wenn Menschen sich in die Sonne legen?

Vergangenes Jahr habe ich auf Usedom beobachtet, wie Eltern ihr Kind ohne Schutz in der prallen Mittagssonne spielen ließen. Also ohne Sonnenschirm und Kleidung, die die Haut bedeckt. Dabei müssen besonders Kinder geschützt werden. Meine Frau hat mich gebremst, als ich mich einmischen wollte.

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