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Hannover Neue Theorie in einem der mysteriösesten Kriminalfälle Hannovers
Nachrichten Hannover Neue Theorie in einem der mysteriösesten Kriminalfälle Hannovers
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14:18 09.09.2019
Zog Sie die Fäden? Gräfin Clara Elisabeth von Plathen. Quelle: Sebastian Graf von Platen, Friedrikenhof / MatrixMedia
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Hannover

Es ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle in Hannovers Historie: Am Abend des 11. Juli 1694 verschwand Graf Philipp Christoph von Königsmarck im Leineschloss. Der Lebemann war zu einem Rendezvous mit seiner Geliebten unterwegs gewesen, der (verheirateten) Kurprinzessin Sophie Dorothea. Ließen die Welfen den Grafen wegen dieser skandalösen Affäre ermorden? Seit Generationen mühen sich Historiker, Licht in den Fall zu bringen. Als 2016 bei Bauarbeiten am heutigen Landtag menschliche Knochen auftauchten, schossen sofort Spekulationen ins Kraut – doch Untersuchungen ergaben, dass die Gebeine nicht von ihm stammten.

Mordmotiv Eifersucht?

Schon vor Jahrzehnten stieß der Historiker Georg Schnath im Reichsarchiv Kopenhagen auf teils verschlüsselte Dokumente zum Fall Königsmarck. Aus diesen ging hervor, dass vier Höflinge unter Federführung des zwielichtigen Italieners Nicolò di Montalban den Grafen in der Mordnacht gemeuchelt und die Leiche in die Leine geworfen hätten. Die meisten Forscher halten das heute für plausibel, doch wer hinter der Tat steckte, ist noch immer ungeklärt.

Jetzt hat der Autor Johann-Tönjes Cassens eine neue Theorie dazu vorgelegt. Cassens kennt sich aus mit dem Landtag und den Welfen; als niedersächsischer Kulturminister unter Ernst Albrecht verhandelte er einst über den Ankauf des Evangeliars von Heinrich dem Löwen. In seinem Buch „Mord aus Staatsräson“ (MatrixMedia Verlag, 86 Seiten, 20 Euro) nimmt er nun insbesondere das Beziehungsgeflecht der Frauen am hannoverschen Hof unter die Lupe. Als eigentliche Drahtzieherin des Verbrechens hat er dabei eine Dame aus besten Kreisen ausgemacht: Clara Elisabeth Gräfin von Plathen, die mächtige Mätresse von Kurfürst Ernst August.

Mord im Leineschloss: Illustration aus einer britischen Publikation von 1900. Quelle: Matrix Media

Fall bleibt mysteriös

Die Plathen hatte Königsmarck anfangs selbst umgarnt. Später versuchte sie, ihre Tochter mit dem Charmeur zu verkuppeln. Dieser lehnte jedoch ab, weil er schon mit der Kurprinzessin angebandelt hatte – ein Affront für die Gräfin. Getrieben von Rachegelüsten, so Cassens, intrigierte Gräfin Plathen fortan gegen die Liaison Königsmarcks mit Sophie Dorothea – und sorgte schließlich dafür, dass die vier Höflinge ihrem Ex-Geliebten nächtens im Leineschloss auflauerten und seine Leiche mit Löschkalk zersetzten.

Verschmähte Liebe und Eifersucht sind starke Motive, doch Beweise für seine These liefert Cassens nicht: Nach dem Tod der seltsamen Gräfin im Jahr 1700 soll zwar ein Schreiben in Umlauf gewesen sein, in dem diese eine Mitschuld am Tode Königsmarcks bekannte, doch das Papier ist verschwunden. Als Kronzeugen benennt Cassens den britischen Schriftsteller Robert Folkstone Williams. Dieser hatte die Quellen zu dem Fall gründlich studiert und 1847 einen literarischen Text veröffentlicht, in dem Gräfin Plathen als Hauptschuldige dastand. Doch das war eben ein literarischer Text und keine eidesstattliche Versicherung eines Augenzeugen. Und so wahrt der Fall Königsmarck auch weiter sein Geheimnis.

Das Buch wird am 17. Oktober, 17 Uhr, in der Leibniz-Bibliothek Hannover vorgestellt.

Von Simon Benne

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