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Hannover Hier sägen die Hannoveraner ihren Weihnachtsbaum
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00:18 23.12.2017
Der Herr der Tannenbäume: Heinz Scharnhorst auf seiner Weihnachtsbaumplantage Tannenland in Neustadt-Bordenau. Quelle: Samantha Franson
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Hannover/Neustadt

Bis Sonntag herrscht hier noch Hochbetrieb, aber mit Heiligabend ist hier Schluss, Feierabend, Saisonende. Was Heinz Scharnhorst bis dabin nicht verkauft hat, das wird er nicht mehr los, das muss bis zum nächsten Jahr stehen bleiben. Scharnhorst betreibt mit seiner Familie bei Neustadt den Betrieb Tannenland – sechs große Plantagen, auf denen rund 200 000 Weihnachtsbäume wachsen. 

Ein Geschäft, das aus mehr besteht als einfach nur die Bäume wachsen zu lassen. Die einen wüchsen schlecht, den anderen mache Trockenheit zu schaffen, den nächsten seien die Engerlinge an die Wurzeln gegangen, meint Scharnhorst. „Das hatten wir grad auf der Plantage in Lu­the“, sagt der Seniorchef: „Wir mussten flächendeckend Bäume für 10 000 Euro nachpflanzen und liegen dort jetzt um ein Jahr zurück.“ Die Engerlinge wurden von Hand aus dem Erdreich gepult, „eimerweise“, wie einer der polnischen Helfer sagt. Wer glaubt, dass Weihnachtsbaumunternehmer außerhalb der Adventszeit nichts zu tun haben, der irrt offenbar. „Das ganze Jahr über sind zwei Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Scharnhorst

Wie kommt man auf die Idee, Weihnachtsbaummanager zu werden? Scharnhorst, jetzt 75 Jahre alt, ist gelernter Landwirt und hat schon früh festgestellt, dass mittelgroße Betriebe kaum noch Überlebenschancen haben. Also wurde er im Hauptberuf Außendienstmitarbeiter für Düngemittel und blieb Landwirt im Nebenerwerb. Zunächst baute er Getreide an, doch dann kam er schnell auch auf Tannenbäume. 

Inzwischen ist das Unternehmen kräftig gewachsen, es zählt neben dem Weihnachtsbaumbetrieb Nö­thel aus Isernhagen zu den größten der Region. Vor zehn Jahren hat Tochter Tanja die Geschäftsführung übernommen. „Ich bin jetzt nur noch ein Relikt im Betrieb – der Tannenbaumflüsterer“, sagt Scharnhorst

Jeder Baum kostet 29,90 Euro

Von Marketing versteht der 75-Jährige etwas. Statt komplizierte Meterpreise aufzurufen und verschiedene Sorten anzubieten, gibt es bei ihm ausschließlich Nordmanntannen – und alle zum Festpreis. Egal ob mittelgroß oder groß: Jeder Baum (außer den ganz kleinen im Topf) kostet 29,90 Euro. Das spart Rechnerei und sorgt überdies dafür, dass die kleineren Bäumchen geschont werden, verrät ein Mitarbeiter. „Die Kunden wollen fürs gleiche Geld immer eher einen größeren.“ 

Im Tannenland gibt es kostenlosen Glühwein zur Selbstbedienung und, weil viele Kunden das – neun Prozent Alkohol! – Getränk tagsüber doch eher scheuen, inzwischen auch Glühpunsch. Einzelne Zweige und Weihnachtsschmuck werden vermarktet, und auf dem Areal in Neustadt-Bordenau steht eine große Scheune, nach der neuen Chefin liebevoll Tanjas Hütte genannt. Bis zu 150 Besucher passen an Bierzeltgarnituren hinein, vier Heizpilze wärmen, am Tresen gibt es Glühwein, draußen wird gegrillt. An den vergangenen Wochenenden waren die Mitarbeiter von Daimler-Nutzfahrzeuge, der Spedition Seidensticker und jetzt gerade eben die Apotheker- und Ärztebank zu Besuch. Die Gäste könne ihre eigenen Bäume schlagen.  

„Mein Job war Belastung, die ständige Fahrerei im Auto, das enge Zeitkorsett“, sagt Scharnhorst und atmet tief durch. Die Arbeit im Freien auf der Plantage dagegen tue ihm gut, sagt er: „Bäume halten jung.“ 

Bäume wachsen neun Jahre  

Nun zählen Weihnachtsbäume, ähnlich wie Schnittblumen, zu den wenigen Naturprodukten, die als reine Wegwerfartikel gezüchtet werden. Das Tannenland kauft vierjährige Setzlinge aus Baumschulen, danach dauert es fünf Jahre, bis sie eine halbwegs akzeptable Höhe erreicht haben – große Bäume brauchen noch mal ein paar Jahre länger. Nach zehn oder mehr Jahren kommt also ein Kunde, greift zur Säge, lädt den Baum aufs Auto und stellt ihn für zwei Wochen ins Wohnzimmer. Zwei Wochen, dann hat der Baum seinen Zweck erfüllt, aus ihm wird Kleinholz gemacht. Man kann solchen Umgang mit Bäumen fragwürdig finden. Man kann aber auch sagen, dass es gut ist, dass heutzutage noch so viel Geld für Traditionspflege ausgegeben wird – quer durch alle Altersgruppen und Schichten. 

Die neue Chefin ist studierte Gartenbauerin mit einem Masterabschluss in Umweltschutz. Pestizide, wie sie vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) jetzt in einer Studie an etlichen Weihnachtsbäumen festgestellt wurden, verwende man überhaupt nicht, beteuert Scharnhorst. Allerdings setze man im Frühjahr Insektizide ein, wenn an Baumgruppen Befall festgestellt wird. Gedüngt werde nicht flächendeckend, sondern ganz punktuell: „Bei jungen Bäumen werden 10 Gramm Stickstoff jährlich an die Wurzeln gegeben, bei mittleren 20 Gramm, bei den älteren 30 bis 40 Gramm.“ Mit der Einzelbaumdüngung schaffe es der Betrieb, weniger als die Hälfte der vorgesehenen Düngemenge einzusetzen. 

Verlangsamtes Wachstum

Jährlich werden die älteren Bäume an der Spitze gekerbt, um ihr Wachstum zu verlangsamen. Besonders in feuchten Sommern wie in diesem Jahr treiben die Bäume extrem in die Höhe, ihnen fehlt dann aber die notwendige Fülle. „Die Kunden wollen schlanke, gleichmäßig gewachsene Bäume“, sagt Scharnhorst. Bei ihm können sie aussuchen – unter rund 200 000 Exemplaren. Noch bis Heiligabend.

Von Conrad von Meding

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