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Hannover Holcim erläutert Sondermüllverbrennung
Nachrichten Hannover Holcim erläutert Sondermüllverbrennung
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16:46 08.04.2019
Der Umweltbeauftrage von Renotherm, Bernd-Henning Reupke, blickt auf den Standort für die geplante Anlage. Quelle: Oliver Kühn
Anderten

Nicht alle Bedenken sind ausgeräumt, aber der große Aufstand ist ausgeblieben – so lässt sich das Ergebnis der Anhörung im Stadtbezirksrat Misburg-Anderten zur geplanten Renotherm-Anlage im Zementwerk von Holcim zusammenfassen. Das Werk steht auf dem Gebiet von Sehnde-Höver unweit der Stadtgrenze zu Anderten. Anders als vom Bezirksrat geplant waren weder Vertreter der Stadt Hannover noch des für die Genehmigung zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes im Misburger Rathaus erschienen. Rede und Antwort standen Werksleiter Erik Jansen, der Umweltbeauftragte Bernd-Henning Reupke sowie auf Seiten der Gegner Siegmar Grünewald, der eine Bürgerinitiative gegründet hat.

Sonderabfälle werden verfeuert

Die Pläne von Holcim sehen vor, im Frühjahr kommenden Jahres die Renotherm-Anlage in Betrieb zu nehmen, für die derzeit noch das Genehmigungsverfahren läuft. In ihr kommen Sonderabfälle ins Feuer, um Hitze für die Zementproduktion zu liefern. Reupke verweist darauf, dass Renotherm, ein Produkt des Entsorgers Remondis, im Schwesterwerk in Lägerdorf bereits seit Jahrzehnten problemlos eingesetzt werde. Grünewald lässt das nicht gelten: „Renotherm ist ein verharmlosender Begriff. Das Zementwerk wird zu einer Sondermüllverbrennungsanlage.“

Holcim verdient mit Ersatzbrennstoff Geld

Holcim führt für sein Vorhaben sowohl Umwelt- als auch Wirtschaftsgründe ins Feld. „Ohne den Einsatz von Ersatzbrennstoffen ist ein Zementwerk mit seinem hohen Energiebedarf nicht wirtschaftlich zu betreiben“, sagt er. In Höver etwa würden ohnehin schon etwa getrockneter Klärschlamm, Kunststoffreste oder Altreifen verfeuert. Renotherm soll unter anderem Teilmengen der rheinischen Braunkohle ersetzen, die derzeit in Höver angeliefert wird. Auf Nachfrage von CDU-Bezirksrat André Becker erklärte Jansen, dass Holcim für die Abnahme von Renotherm von Remondis bezahlt wird.

Anlieferung im luftdicht abgeschlossener Halle

Laut Jansen entstehen durch die neue Verbrennungsanlage keine zusätzlichen Emissionen; die entstehende Asche werde Bestandteil des Zements. Der Brennstoff gelange per Lastwagen ins Werk Diese würden in einer luftdicht abgeschlossenen Anlage entladen und das Material dann direkt in den Herstellungsprozess gegeben. Die dafür erforderlichen drei Fuhren täglich brächten keinen zusätzlichen Lastwagenverkehr mit sich: „Es entfallen ja auch Transporte anderer Brennstoffe“.

Was die Bürgerinitiative beunruhigt, ist die Zusammenseztung von Renotherm. Es enthält unter anderem Lackrückstände, Lösungsmittel und Klebstoffreste. „Schadstoffgrenzwerte müssen eingehalten und überwacht werden. Bei Verstößen muss es Sanktionierungen geben“, sagte Grünewald, der die Initiative inzwischen ins Vereinsregister eintragen lassen hat. Am liebsten wäre ihm aber, wenn die Pläne gestoppt würden. Die Initiative trägt den Namen „BI gegen Verbrennung gefährlicher Abfälle im Zementwerk Höver“.

Von Bernd Haase

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