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Hannover Ihme-Zentrum: Windhorst lässt Eigentümer warten
Nachrichten Hannover Ihme-Zentrum: Windhorst lässt Eigentümer warten
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00:15 21.04.2019
Dauerbaustelle: Zumindest die Fassadenarbeiten an der Blumenauer Straße gehen weiter. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Den Termin hatte sich Peter Haverkamp fest im Kalender notiert. Schließlich haben er und viele andere Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum eine Menge Fragen an den Mann, der den Großkomplex nach rund einem Jahrzehnt Stillstand wieder beleben will. Doch Lars Windhorst, der neue Besitzer, ist am Mittwochnachmittag nicht wie angekündigt zu der geplanten Anwohnerversammlung erschienen. Er hatte am Vortag kurzfristig abgesagt und die Veranstaltung um eine gute Woche auf den 25. April verschieben lassen. Nicht nur Haverkamp wundert sich über das Hin und Her. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass Manager in dieser Größenordnung besser organisiert sind“, sagt der Wohnungsbesitzer, der seit drei Jahren im Ihme-Zentrum zu Hause ist.

Investor Windhorst sagt kurzfristig ab

545 Wohnungseigentümer gibt es im Ihme-Zentrum, etwa 200 von ihnen hatte Verwalter Torsten Jaskulski bei der Versammlung erwartet. „Die mussten wir schnellstmöglich informieren und ihnen den neuen Termin mitteilen – aber das hat gut geklappt“, sagt er. Spätestens am Mittwochmorgen habe jeder das Schreiben in der Post gehabt. Um sicherzugehen, dass nicht doch der eine oder andere es nicht gelesen hat, postierte sich Jaskulski am Nachmittag vor dem Eingang des historischen Stadtwerke-Gasspeichers an der Glocksee, wo die Veranstaltung anberaumt war. Windhorst habe überraschend ins Ausland reisen müssen, heißt es. „Er hat aber deutlich gemacht, dass er persönlich den Wohnungseigentümern gern Rede und Antwort stehen würde und darum um einen neuen Termin gebeten“, sagt Jaskulski.

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Aus Sicht der Betroffenen sei das sinnvoll, meint Wohnungsbesitzer Jürgen Oppermann, der dem Verwaltungsbeirat vorsteht: „Die Leute hier wollen den Menschen sehen, der angekündigt hat, das Ihme-Zentrum zu verändern, und nicht irgendeinen seiner Mitarbeiter.“ Wie berichtet, will Windhorst, Finanzunternehmer und Chef der milliardenschweren Sapinda-Holding, 83 Prozent der Immobilie vom derzeitigen Eigentümer Intown erwerben; Ende Mai ist der Stichtag für den Verkauf.

Oppermann war bereits in der öffentlichen Sitzung im Neuen Rathaus, in der Windhorst Politikern aus Stadt- und Bezirksrat Ende März seine Pläne vorgestellt hatte. Dort habe Windhorst von einer Investition von rund 50 Millionen Euro gesprochen, um die Gewerbeflächen wieder in die Vermietung zu bringen – die Gesamtsumme müsste aber viel höher sein, meint Oppermann. „Alle anderen Investoren haben Beträge von mindestens 120 bis 150 Millionen ins Spiel gebracht“, sagt der Verwaltungsbeirat, der seit 1993 im Ihme-Zentrum wohnt und bereits den vierten Investor erlebt. Außerdem weiche Windhorst mit seiner Aussage, auf rund 70.000 Quadratmetern brachliegenden Flächen ausschließlich Gewerbe unterbringen zu wollen, von den bisherigen Plänen ab.

Soll das Stadtarchiv ins Ihme-Zentrum?

Die Stadt sucht bis 2021 einen neuen Standort für Dokumente aus ihrem Archiv, die Magazine der Museen und das Depot der Stadtbibliothek. Ein solches Supermagazin soll an den Stadtrand verlagert werden, weil in der Innenstadt keine geeignete Immobilie zu finden sei. Thomas Ganskow, der für die Piraten im Bezirksrat Linden-Limmer sitzt, sieht das anders: Er schlägt das Ihme-Zentrum als möglichen neuen Standort vor. Der Großkomplex verfüge über 70.000 Quadratmeter Brachflächen, die noch nicht zu denen von der Stadt dort angemieteten gehörten, sagt Ganskow. Er sei zentral gelegen und biete perspektivisch genug Parkraum. „Das Stadtarchiv dorthin zu verlegen, wäre auch ein weiteres klares Bekenntnis der Stadt zum Ihme-Zentrum.“

Stadtsprecherin Anja Menge verweist auf eine Ausschreibung für einen neuen Archivstandort, an der sich jeder Interessierte beteiligen könne. Die bisherigen Planungen des Großeigentümers im Ihme-Zentrum sähen allerdings gewerbliche Nutzungen vor. Zudem seien die Anforderungen an ein Archiv „komplex“, zum Beispiel in Bezug auf die Klimatechnik. Ob die Flächen im Ihme-Zentrum entsprechend geeignet seien, sei „nicht bekannt“. jk

„Das versteht hier keiner“, sagt auch Anwohner Haverkamp. Gerade die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass das Ihme-Zentrum allein mit großflächigem Einzelhandel nicht wiederzubeleben sei. Intown hatte darum unter anderem Apartments in der ehemaligen Ladenpassage und Konzepte für betreutes Wohnen geplant. Auch Anwohner Thomas Ganskow ist skeptisch. Windhorst sei im Rathaus zwar sehr optimistisch und zupackend aufgetreten. Aber es habe schon oft vollmundige Ankündigungen von Investoren gegeben. „Die Realität hier im Ihme-Zentrum ist eine andere – die Anwohner geben inzwischen nichts mehr auf bunte Bilder und lustige Zahlen“, sagt der Wohnungseigentümer, der für die Piraten-Fraktion auch im Bezirksrat Linden-Limmer sitzt.

Fassadenarbeiten gehen weiter

Zumindest die bereits im Januar von Intown begonnenen Arbeiten an der Fassade zur Blumenauer Straße gehen weiter. In dieser Woche sind die Gerüste in Richtung Schwarzer Bär verlängert worden. Nun würden im letzten von drei Abschnitten die alten Bauteile am Sockelgeschoss abgehängt, danach solle die Betonsanierung vorbereitet werden, erklärt Verwalter Jaskulski. Er hofft, dass im letzten Quartal die eigentlichen Bauarbeiten für die neue Fassade starten können. Von Noch-Eigentümer Intown heißt es, man halte die „vertraglichen Verpflichtungen“ ein. Demnach müssen bis Juni 2021 rund 70 Prozent der Fassade fertig sein. Windhorst hatte im Rathaus angekündigt, das solle deutlich schneller gehen.

Von Juliane Kaune