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Hannover Ihme-Zentrum soll bis 2022 fertig sein
Nachrichten Hannover Ihme-Zentrum soll bis 2022 fertig sein
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00:17 04.06.2017
Von Conrad von Meding
Das Ihme-Zentrum in Linden. Quelle: HAZ-Archiv
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Hannover

Die Großeigentümerin des Ihme-Zentrums, die Berliner Intown, hat erstmals einen Zeitrahmen für die Arbeiten an der Immobilie genannt: Bis 2022 wolle man die Sanierung und Modernisierung des Komplexes am Ihme-Ufer abgeschlossen haben, sagt Deutschlandchef Sascha Hettrich im HAZ-Interview. Man habe langfristige Pläne und wolle sich nicht wieder schnell von dem Gebäude trennen, verspricht er. Es ist das erste Mal, dass das Unternehmen sich ausführlich äußert.

Bei den Wohnungseigentümern wächst die Hoffnung. „Wir verspüren endlich eine Ernsthaftigkeit“, sagt Beirätevertreter Jürgen Oppermann. Allerdings läuft der Gemeinschaft die Zeit davon: Bis Monatsende gilt das Ultimatum der Stadt, die mit einem Ende der Büromietverträge droht. Vorher müssen die Bauanträge eingereicht sein - das ist nicht zu schaffen.

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„Kein Interesse an Leerstand“

Nach eigenen Angaben will Intown den Gebäudekomplex mit hohen Millionenbeträgen revitalisieren. Die Handelsflächen will man auf ein Drittel der ursprünglichen Größe reduzieren, stattdessen mehr Flächen für studentisches und Betreutes Wohnen einrichten. „Wir können kein Interesse daran haben, dass die Büros und Handelsräume langfristig leerstehen“, sagt Intown-Manager Hettrich. Das Unternehmen, das zur weltweit aktiven Investorengesellschaft von Amir Dayan aus Israel gehört, habe noch nie eine Immobilie weiterverkauft und sei daher auf kontinuierliche Mieteinnahmen angewiesen.

Ohne Stadt nicht wirtschaftlich

Allerdings wird das bereits einmal verlängerte Ultimatum der Stadt nicht mehr zu halten sein. Sie hatte gefordert, dass bis zum 28. Juni der Bauantrag zumindest für den ersten Bauabschnitt vorliegt - sonst will sie ausziehen. Dem Bauantrag muss allerdings die Wohnungseigentümergemeinschaft zustimmen, und die hat 21 Tage Ladungsfrist. Wegen des Pfingstfeiertags müsste die Einladung zur Versammlung heute rausgehen. Offenbar muss aber das Baukonzept jetzt doch noch einmal in einem Detail verändert werden. „Wir sind in der finalen Abstimmung mit der Bauaufsicht der Stadt“, sagt Verwalter Torsten Jaskulski. Er sei zuversichtlich, dass die Stadt zu ihren Mietverträgen stehen werde. Ohne die Einnahmen aus den Bürovermietungen wäre die Immobilie für den Großeigentümer kaum noch wirtschaftlich.

Das riesige Gebäude am Ihme-Ufer rottet vor sich hin, weil der Vorinvestor 2006 eine Sanierung begonnen, 2009 aber Pleite gemacht hatte. 1400 Menschen leben darin, viele in Eigentumswohnungen. Intown hat Anfang 2015 bei einer Zwangsversteigerung 83 Prozent der Immobilie erworben.

Kommentar: Ein Fünkchen Hoffnung

Wie hoch ist die Chance, dass nun bald alles gut wird im Ihme-Zentrum? Optimisten haben bisher stets auf maximal 30:70 getippt. Die Vergangenheit hat zu oft gezeigt, dass von den blumigen Ankündigungen der Investoren nur wenig blieb. Das ließ die Hoffnung schwinden.

Immerhin scheint der aktuelle Großeigentümer begriffen zu haben, dass zu großen Bauprojekten auch eine offene Kommunikation gehört. Er zeigt sich ansprechbar, beantwortet Fragen, denkt angeblich sogar über neue Formen der Bürgerbeteiligung nach. Gut so.

Doch darf man sich nicht blenden lassen. Intown ist ein knallhart operierender Betrieb, der für die Dollarmilliarden seiner Anleger Renditen erwirtschaften muss. Aber ein bisschen scheint es, als setze sich die Erkenntnis durch, dass ein saniertes Ihme-Zentrum mehr erwirtschaftet als eine Ruine. Vielleicht wachsen die Chancen auf 50:50.  

  

Von Conrad von Meding

HAZ exklusiv: Das komplette Interview mit Intown-Deutschlandchef Sascha Hettrich lesen Sie hier. 

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