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Hannover Im Erdgeschoss wohnen die Weihnachtshelden
Nachrichten Hannover Im Erdgeschoss wohnen die Weihnachtshelden
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00:16 24.12.2017
Die Hauspostzentrale: Nicola Al-Kaledi nimmt die Pakete ihrer Nachbarn an. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Sie sind eigentlich nur Hausbewohner wie alle anderen auch. Doch schon immer waren Menschen in Erdgeschosswohnungen die mit dem Sonderstatus. Nicht nur, weil sie die umstrittenste Etage ist, die als fußkalt, einbruchsgefährdet und gafferanfällig, aber auch als kniefreundlich, gartennah und sommerkühl gilt. Erdgeschossbewohner sind die Kommunikationszentrale und Informationsbörse des Hauses. Oft können sie mehr über das Haus und seine Geschichte erzählen als jeder andere, sie haben Mieter oder Eigentümer kommen und gehen sehen und waren die Konstante. 

Mittlerweile kommt ihnen aber auch eine ganz praktische Aufgabe als Poststelle des Hauses zu. Praktisch vor allem für alle anderen, praktisch für Lieferanten, gut fürs Hausklima. In Zeiten von Interneteinkauf, Prime-Kundschaft und Morning-Express-Lieferungen trifft man Paketboten häufiger im Hausflur als den guten alten Postzusteller. In diesen Tagen sowieso.  „Die meisten Paketboten und alle Nachbarn sind total dankbar, dass wir die Sachen annehmen und ihnen nicht noch mehr Stress machen“, sagt Nicola Al-Kaledi aus der Südstadt. 

So werden Erdgeschossler für berufstätige Hausbewohner zu entscheidenden Schaltzentralen der Geschenkezustellung, zu Hoffnungsträgern für das Last-Minute-Präsent. Die Hoffnung heißt: Bloß nicht bei der nächstgelegenen Poststelle abgeben! Sondern im Parterre! Da ist immer offen, notfalls sogar in der kniffligen Grauzone nach 22 Uhr. Manchmal helfen ein Fläschchen Wein und ein Tüte Kekse gegen leicht genervte Blicke der aus dem Bett Geholten. Nicht selten gibt es am Jahresende auch einfach so ein Dankeschön für die Hobbylogistiker, die ihren Wohnungsflur in ein improvisiertes, aber durchstrukturiertes Abhollager verwandelt haben, von dem sich mancher Kiosk oder manche Postfiliale eine Scheibe abschneiden könnte. 

Große Pakete könne er deshalb nicht immer annehmen, sagt Martin Michalski, „meine Wohnung ist klein und nicht immer ist es nur ein Buch, das geliefert wird.“ Auch schwere Pakete, Möbel, Weinkisten oder Katzenstreu kommen per Kurier ins Haus, einige der Pakete wiegen mehr als 20 Kilo. Auch die werden dann vom Paketfahrer lieber im Erdgeschoss abgegeben. Michalski hat dafür Verständnis: „Der eine hat schon vorher schlimm Rückenschmerzen gehabt, er musste auch eine Zeit lang Pause machen.“  

Verständnis, Hilfsbereitschaft, kein Bürokratismus, großzügige Öffnungszeiten – oder wie es Annemarie Beer aus der List formuliert: „Meine Poststelle ist täglich geöffnet“. Regelmäßig landen Pakete im Flur ihrer geräumigen Erdgeschosswohnung.  Die 74-Jährige nimmt alles an, in der Weihnachtszeit auch Sendungen für Bewohner aus den Nachbarhäusern. „Ich mache das gerne, und ich bin ja da.“ Zum Glück brauche sie noch keinen Mittagsschlaf, „die kommen ja meistens mittags“, sodass nur selten etwas retour gehe. 

Eine Anerkennung in Form von Blumen oder Pralinen für ihr postalisches Ehrenamt möchte Annemarie Beer nicht. „Das ist doch kein Problem.“ Außerdem könne man mit den Nachbarn ein paar Worte wechseln, wenn diese ihre Pakete bei ihr abholten. 

Dutzende an Päckchen und Paketen nimmt Beer im Laufe des Jahres für Nachbarn entgegen, im Advent sind es besonders viele. „In den oberen Etagen klingeln die Zusteller schon gar nicht mehr, das ist vielen zu hoch.“ Außerdem hätten die Männer ja auch wenig Zeit. 

Martin Michalski kennt die verschiedenen Fahrer der verschiedenen Bringdienste inzwischen. Der Angestellte lebt in Hannovers Oststadt im Erdgeschoss eines Hauses mit zehn Wohnungen, gleich die erste Wohnung rechts. Hierher müssen die Paketboten den kürzesten Weg von der Straße zurücklegen. Michalski ärgert das nicht. „Ich sehe das locker“, meint er. Denn natürlich landen nicht alle Pakete bei ihm und manchmal muss auch er seine Pakete von den Nachbarn abholen - und dafür dann die Treppen nach oben steigen. 

Klappt aber nicht immer: Annemarie Beer hat sich einmal auch geärgert. Sie erhielt selber ein Paket, war ausnahmsweise nicht da und sollte ihre Sendung bei einer Postfiliale abholen. Nach einem Marsch im Regen dorthin und langem Warten in der Schlange, teilte man ihr mit, dass das Paket an anderer Stelle gelagert werde. „Da wäre es schön gewesen, wenn jemand im Haus dagewesen und es für mich zwischengelagert hätte.“ 

Von Uwe Janssen

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