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Hannover „Viele finden es vielleicht einfach lästig“: Nur jeder Dritte will Grippeimpfung
Nachrichten Hannover „Viele finden es vielleicht einfach lästig“: Nur jeder Dritte will Grippeimpfung
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07:00 23.10.2019
Allianz für die Grippeimpfung: Marlene Graf vom Fachbereich Gesundheit (von links), Epidemiologin Silke Gerdes und Cora Hermenau, Gesundheitsdezernentin der Region, klären über die Gefahren der Influenza auf. Quelle: Navid Bookani
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Hannover

Trotz starker Grippewellen in den vergangenen Jahren lassen sich immer weniger Bürger gegen Influenza impfen. In Niedersachsen ist die Quote mit 38 Prozent im Bundesvergleich äußerst niedrig, Tendenz abnehmend. „In manchen Regionen ist die Prozentzahl sogar einstellig, die Impfquote sinkt eindeutig“, hat Marlene Graf, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover, festgestellt. „Die Impfmüdigkeit bei Grippe hat leider zugenommen“, bestätigte die Gesundheitsdezernentin der Region, Cora Hermenau, anlässlich der Vorstellung des 6. Gesundheitsberichts, der sich ausschließlich dem Thema Grippe widmet.

Senioren besonders gefährdet

Die Europäische Union empfiehlt eine Impfquote von 75 Prozent für Menschen über 60 Jahre, in Niedersachsen lässt sich allerdings nur jeder Dritte dieser Gruppe vorsorglich gegen Influenza impfen, vor acht Jahren war es noch jeder Zweite. „Da man mit einer Schutzimpfung nicht nur sich selber, sondern auch sein Umfeld nachhaltig schützt, befürworte ich durchaus, dass es feste Regeln für eine Impfung gibt, mit denen alle in der Bevölkerung erreicht werden“, betonte Hermenau. Allein bei medizinischem Fachpersonal liegt die Impfquote weit über dem Durchschnitt.

In den neuen Bundesländern werde weitaus häufiger gegen Grippe geimpft, „früher gab es dort die Impfpflicht, das hat heute noch Nachwirkungen“, so Graf. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jedes Jahr zwischen 10 und 20 Prozent der Weltbevölkerung. Ein Grund dafür ist, dass sich die Influenzaviren ständig verändern und somit neue Varianten entstehen, auf die das Immunsystem nicht vorbereitet ist.

2414 Fälle im Winter 2017/2018 in der Region

Besonders die Grippesaison 2017/2018 setzte unerfreuliche Rekorde: Mehr als 2400 bestätigte Fälle in der Region Hannover, 13.000 in Niedersachsen und mehr als 270.000 in Deutschland – 25.000 Patienten starben deutschlandweit an der Grippe. Vor zwei Jahren wurde noch der sogenannte Dreifachwirkstoff eingesetzt, seit dem vergangenen Jahr bekommen alle Patienten den Vierfachwirkstoff, der den wichtigen B-Virenstamm mit abdeckt. Allerdings bedeutet eine Grippeimpfung auch nur einen Schutz zwischen 50 und 80 Prozent, da bei der Produktion der Impfstoffe die wirklich kursierende Virenart noch nicht genau bestimmt werden kann.

„Eine echter Grippevirus lässt sich nur im Labor nachweisen“, betonte Epidemiologin Silke Gerdes. Es bestehe namentliche Meldepflicht. Gerdes vermutet aber, dass die Zahl der tatsächlichen Erkrankungen pro Jahr um ein Vielfaches höher liege, „einfach weil die Grippe nicht diagnostiziert wurde.“

Viren gefährden die Organe

„Eine Impfung vor allem für Kinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist dennoch wichtig, da eine Infektion dann weitaus schwächer ausfällt“, betonte Graf. Influenza sei eine hoch ansteckende und gefährliche Krankheit, vor allem, wenn es zu Komplikationen komme. „Die Viren stellen eine große Gefahr für Bronchien, Lunge, Kreislauf aber auch den Herzmuskel dar.“

„Viele finden es vielleicht auch einfach lästig“

Warum sich trotz dieser Informationen immer weniger Menschen impfen lassen, können die Expertinnen nur vermuten. „Die einen wollen sich in ihrer Entscheidung nicht einschränken lassen, fühlen sich fremdbestimmt oder haben Bedenken wegen etwaiger Nebenwirkungen“, sagte Dezernentin Hermenau. „Viele finden es vielleicht auch einfach lästig, das jedes Jahr wiederholen zu müssen“, so Marlene Graf. Dabei bedeute eine Impfung auch Verantwortung zu übernehmen „zum Schutz der Gesellschaft“, so Hermenau.

Fieber und Gliederschmerzen

Eine echte Influenza, die ihre Hochzeiten meist zwischen Januar und April hat, unterscheidet sich von einem grippalen Infekt. Die Grippe holt den Patienten gewissermaßen von jetzt auf gleich von den Beinen und geht mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und Schüttelfrost einher.

Dieses Jahr soll es keine Lieferengpässe geben

„Information ist der Weg gegen die Impfmüdigkeit“, betonte Hermenau. Alle sollten ein Interesse daran haben, dass sich solche Viren nicht ungehindert verbreiten. Einen Engpass an Impfstoffen wie im vergangenen Jahr soll es diesmal nicht geben. „Es wurde von den Pharmabetrieben zugesichert, die Anzahl der Dosen aufzustocken, um Lieferschwierigkeiten zu vermeiden“, so Hermenau.

Von Susanna Bauch

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