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Hannover „Hannover hat noch viel Potenzial“: Interview mit Tourismuschef Nolte
Nachrichten Hannover „Hannover hat noch viel Potenzial“: Interview mit Tourismuschef Nolte
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00:16 25.10.2018
“Wir verdienen für Hannover richtig Geld“: Hans Nolte vor der Herrenhäuser Galerie. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Hannovers Marketinggesellschaft HMTG wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Sie hat Herrenhausen und das Maschseefest zu neuen Erfolgen geführt – trotz niedrigem Budgets. Ein Interview.

Herr Nolte, 2008 wurde Hannovers kommerzielle Marketinggesellschaft HMG mit der Tourismusorganisation zur HMTG verschmolzen. Zum Zehnjährigen gab es keinen Festakt und keine Grußworte. Ist das Datum nichts, worauf man stolz sein kann?

Doch, stolz sind wir schon auf das Erreichte. Aber wir sind kein Selbstzweck: Unsere Aufgabe ist nicht, uns zu feiern, sondern den Standort zu vermarkten. Deshalb haben wir zwar die Mitarbeiter zu einem Frühstück eingeladen, den Termin aber sonst nicht an die große Glocke gehängt.

Ok, dann dürfen Sie jetzt mal kurz aufzählen, was alles gut gelaufen ist – das Marketing beherrschen Sie ja von Berufs wegen ...

In Hannover war der Tourismus über Jahrzehnte ein Anhängsel im Windschatten des Messegeschäfts. Wenn es viele Messetage gab, dann war alles gut. Ich denke, wir haben es geschafft, dem Tourismus breiter aufgestellt ein Gesicht zu geben. Wir stärken über Standortmarketing ganz gezielt das Kongressgeschäft, wir haben Erlebnispakete für Stadttouristen geschnürt, wir haben Hop-on-hop-off-Busse nach Hannover geholt, die es in jeder Großstadt gab, nur hier nicht. Wir haben Herrenhausen gestärkt, natürlich immer in Zusammenarbeit mit den dortigen Akteuren: Früher gab es dort 180 000 Besuche im Jahr, also mit Doppelzählungen von Jahreskartenbesitzern. Heute sind es mehr als 600 000 Besucher, also Einzelpersonen. Allein der Feuerwerkswettbewerb hat sich rasant entwickelt. Als wir ihn übernommen hatten, zählte er durchschnittlich 23 000 Besucher pro Saison, heute sind es ausverkaufte 55 000. Und nicht zu vergessen das Maschseefest, das wir mit unserer Tochtergesellschaft HVG seit 2011 managen: In diesem Jahr hatten wir 2,4 Millionen Besucher, und das trotz eines Totalausfalltags wegen Starkregens.

Ihr Budget ist lächerlich, wenn man es mit dem anderer Großstädte vergleicht ...

Wir bekommen 880 000 Euro im Jahr. Richtig ist: Damit sind wir die Nummer elf im Bundesvergleich. Schon die Nummer zehn bekommt das Vierfache, und in einigen Metropolen sind es zweistellige Millionenbeträge. Aber ich will mich da überhaupt nicht beklagen. Mir wurde diese Aufgabe angetragen mit einem Budget von damals einer Million Euro, und ich habe gesagt: Ich mache das. Dass der Betrag dann haushaltsbedingt auf 880 000 Euro gekürzt wurde, ist vielleicht misslich. Aber wir schaffen das, was wir uns vornehmen, dank einer effizienten Organisation und weil wir die Veranstaltungsgesellschaft HVG gegründet haben. Die erwirtschaftet mit Projekten wie dem Feuerwerkswettbewerb, Turmauffahrten oder dem Flohmarkt Geld für uns. 1,68 Millionen Euro beträgt dadurch unser Gesamtetat. Wir sind zwar Subventionsempfänger, aber wir verdienen für Hannover richtig Geld.

Eine Hoffnung war ja, dass mit einem intensiverem Marketing das deutschlandweite Image von Hannover als graue Maus verschwindet. Ist das gelungen?

Die, die Hannover als graue Maus betrachten wollen, werden wir nicht zu Fans machen. Aber in den letzten fünf, sechs Jahren ist eine Entwicklung zu beobachten: In Berichten über Hannover ist oft die Headline ein dummer Spruch. Im Text selbst folgt dann die Antithese: dass Hannover irgendwie doch cool ist, eine lebendige Szene hat und über die urbane Szene in den Stadtteilen mit sich wirbt.

Reicht das für einen Imagewandel?

Ach wissen Sie, wenn sich das Gesamtimage nicht stark verändert hätte, dann würden wir aktuell nicht diese gewaltigen touristischen Investitionen in die Stadt erleben. Zehn neue Hotels wollen in den nächsten Jahren eröffnen.

Das Messegeschäft ist ja seit Jahren rückläufig. Verträgt die Stadt 2500 neue Hotelzimmer mit 5000 neuen Betten?

Wir haben bis 2011 gebraucht, um bei den Übernachtungszahlen die Zahlen aus dem Expo-Jahr zu überflügeln. Aber jetzt haben wir weniger Gästebetten als vor fünf Jahren, weil viele Hotels geschlossen haben. Wenn wichtige Messen sind, dann buchen wir für unsere Kunden Hotels im Umkreis von 200 Kilometern, also in Bremen, Bielefeld, Kassel und Magdeburg. Aber richtig ist auch: Mit den neuen Hotels werden wir gegenüber dem Ist-Zustand bis 2021 einen Kapazitätsausbau von einem Drittel erleben. Da werden wir uns zwischen den großen Events etwas einfallen lassen müssen mit Kongressen, Freizeitangeboten, Stadttourismus.

Oder werden wir einen massiven Verdrängungswettbewerb erleben?

Ich glaube nicht, dass die Kleinen grundsätzlich verlieren. Sie haben ihre Nischen – und die großen Hotelketten bringen ja Frequenzen mit, weil sie Veranstaltungen bei ihrer spezifischen Klientel anlocken. Sie sind wichtige Imageträger. Und vergessen Sie nicht: Hannover hat ein großes touristisches Potenzial. In Metropolen wie Berlin oder Hamburg spricht man schon vom Overtourismus, dort gehen die Besucher den Einwohnern auf die Nerven. Davon sind wir in Hannover weit entfernt.

Was sagt denn der Marketingexperte: Wie wirken sich die Querelen an der Rathausspitze auf das Stadtimage aus?

Politik ist ein Feld, aus dem ich mich konsequent heraushalte. Wir wahren Neutralität. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußere.

Und die Querelen mit der Kulturhauptstadt? Das ist ja eher Kultur als Politik ...

Glauben Sie mir: Was wir da jetzt erleben erlebt jede andere Bewerberstadt im Kern ganz ähnlich. Der Begriff weckt Begehrlichkeiten, als ob ein Füllhorn ausgeschüttet werden könnte. Und so versucht jetzt jeder sein Projekt, für das er brennt, im Themenkreis Kulturhauptstadt unterzubringen – und ist enttäuscht, wenn nicht sofort Hurra geschrien wird. Das ist genauso förderlich wie beschädigend, denn es verwässert das Thema. Ich würde sagen: Lasst die jetzt mal arbeiten. Am Ende geht es bei Kultur nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Entwicklung.

Hannover ist Messestadt, Kongressstadt, grüne Stadt, Sportstadt, Hörregion, City of Music, Expo-Stadt sowieso und künftig vielleicht auch noch Kulturhauptstadt. Ist das sinnvoll unter dem Aspekt einer Markenbildung?

Wir brauche Treiber in verschiedenen Segmenten. Natürlich sind Messe und Kongresse wichtig als Wirtschaftsfaktoren. Aber eine Markenbildung in Kulturfragen ist nicht minder wichtig für das Image. Wir wollen attraktiv für Fachkräfte sein, wir wollen die besten Studierenden in der Region halten. Niemand lässt sich dort nieder, wo kulturelles Niemandsland vermutet wird.

Und dann ist Hannover ja auch noch Einkaufstadt. In der Innenstadt aber gehen die Besucherfrequenzen zurück. Müsste die HMTG sich nicht stärker für die Innenstadt engagieren?

Wir werden ja leider daran gehindert. 2004 haben wir zusammen mit der City-Gemeinschaft den ersten verkaufsoffenen Sonntag in Hannover inszeniert. Das war ein Riesenerfolg, gegen anfänglichen Widerstand der Kirchen. Jetzt kämpfen die Innenstadthändler mit steigenden Mieten, mit der Konkurrenz des Internets – und mit dem Widerstand der Gewerkschaften gegen offene Sonntage. Ich verstehe, dass das Mehrarbeit für das Personal bedeutet, aber erstens wird sie vergütet, zweitens ist es ein Stück aktive Arbeitsplatzsicherung. Es ist schade, was da gerade passiert.

Wagen Sie doch mal einen Ausblick: Wie wird 2019 für Hannover?

2019 wird touristisch ein überragendes Jahr werden. Bei den Freiluftveranstaltungen lässt sich der Erfolg zwar schwer vorhersagen, das ist Glücksspiel unter offenem Himmel. Aber wir erleben mindestens drei Großkonzerte im Stadion und auf dem Messegelände, das ist toll für Hannover. Dann sind die ungeraden Jahre ohnehin immer starke Messejahre: Die Industriemesse ist dann größer, wir erwarten die Ligna, EMO und Agritechnica. Und dann werden wir im Frühsommer zur Bildungshauptstadt Deutschlands: Die Cebit erlebt ihr zweites Relaunchjahr als Sommermesse, im gleichen Monat erleben wir die Ideen-Expo, die wissbegierige Schüler aus allen Bundesländern anlockt. Hannover wird ein starkes 2019 erleben.

Von Conrad von Meding

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