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Hannover Jobcenter baut sozialen Arbeitsmarkt auf
Nachrichten Hannover Jobcenter baut sozialen Arbeitsmarkt auf
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17:42 22.11.2018
Andrea Hanke, Heike Döpke und Michael Stier (von links) planen den sozialen Arbeitsmarkt. Quelle: Bernd Haase
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Hannover

Das Jobcenter der Region erhält vom kommenden Jahr an deutlich mehr Geld, um Menschen zu unterstützen, die bisher nicht vom florierenden Arbeitsmarkt profitieren. Grundlage sind erhöhte Zuwendungen vom Bund, der 21 Millionen Euro mehr überweist als bisher. Damit hat das Jobcenter 2019 insgesamt 84 Millionen Euro für sogenannte Wiedereingliederung zur Verfügung. „Das ist ein Geldsegen, der uns deutlich mehr Möglichkeiten eröffnet“, sagt Geschäftsführer Michael Stier. Ausgegeben wird es unter anderem in Form von Subventionen an Betriebe und öffentliche Arbeitgeber, die Hartz-IV-Empfänger einstellen und sozialversicherungspflichtig beschäftigen.

Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich zuletzt auch auf Langzeitarbeitslose und andere Hilfsempfänger ausgewirkt – allerdings noch nicht so, wie gewünscht. „Einige Gruppen wie Ältere, Alleinerziehende, Ungelernte oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen haben immer noch wenig Perspektiven“, sagt Heike Döpke, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Hannover. Laut aktueller Statistik sind im Raum Hannover mehr als 117.000 Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder auf Hilfen vom Jobcenter angewiesen, mehr als die Hälfte von ihnen schon seit langer Zeit. In die Kategorie der Langzeitarbeitslosen fallen mehr als 15.000 Personen.

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„Die Situation hat man jetzt auch auf Bundesebene als ernstzunehmendes Problem erkannt“, sagt Andrea Hanke, Sozialdezernentin der Region. Deshalb würden die Jobcenter jetzt finanziell deutlich besser ausgestattet, als das in früheren Jahren der Fall war.

Das Jobcenter gibt weiterhin Geld für Eingliederung, Weiterbildung oder Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) für seine Klientel aus. Neu hinzu kommt das gesetzlich verankerte Projekt „Teilhabe am Arbeitsmarkt“, in das die Verantwortlichen große Hoffnungen setzen. Es richtet sich an über 25-Jährige, die in mindestens sechs innerhalb der vergangenen sieben Jahre Leistungen nach Hartz-IV bezogen haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurz selbstständig oder abhängig beschäftigt waren. Bei Schwerbehinderten oder Eltern von minderjährigen Kindern werden nur fünf Jahre zugrunde gelegt.

Wenn ein Arbeitgeber jemanden aus dieser Gruppe sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zahlt das Jobcenter ihm über fünf Jahre Zuschüsse, für die entweder der gesetzliche Mindestlohn oder ein gültiger Tariflohn zugrunde gelegt werden. In den ersten beiden Jahren übernimmt das Jobcenter den Lohn komplett, danach sinkt er um jeweils zehn Prozent pro Jahr. Außerdem stellt es den Teilnehmern des Programms Betreuer zur Seite, die bei auftretenden Problemen helfen sollen. Und schließlich finanziert es Fortbildungen mit bis zu 3000 Euro pro Jahr.

„Das ist eine massive Subventionierung, aber es ist besser, den Menschen zu einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verhelfen als ihnen dauerhaft Unterstützung zu zahlen“, sagt Stier. Er ist ebenso wie Hanke und Döpke überzeugt, dass das Programm ein Erfolg wird. Die Zielmarke liegt bei 1400 Teilnehmern im ersten Jahr. „Dafür sind wir auf die Hilfe von Betrieben und öffentlichen Arbeitgebern angewiesen“, betont Stier. Es werde derzeit fleißig geworben mit dem Ergebnis, dass bisher 150 Arbeitgeber mitmachen wollen.

Von Bernd Haase