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Hannover Warum dieser Mann seinen Urlaub opfert, um ohne Lohn auf dem Maschseefest zu arbeiten
Nachrichten Hannover Warum dieser Mann seinen Urlaub opfert, um ohne Lohn auf dem Maschseefest zu arbeiten
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20:30 07.08.2019
Helfer an der Partymeile: Sascha Dubielzig (links) und sein Kollege Sebastian Römhild. Quelle: Manuel Behrens
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Hannover

Für die meisten Urlauber wäre dieses Feriendomizil das reinste Grauen – direkt an einer viel befahrenen Kreuzung gelegen, mit einer Partymeile auf der gegenüberliegenden Straßenseite und einem Club in der Nachbarschaft, aus dem Bässe wummern. Doch hier, nur einen Steinwurf vom Maschseeufer entfernt, verbringt Sascha Dubielzig seit zwölf Jahren seinen Urlaub – die gesamten 19 Tage des Maschseefests. Freiwillig. In dieser Zeit gehört er zum Sanitäter-Team der Johanniter beim Seefest, das sein Containercamp an der Kreuzung von Arthur-Menge-Ufer und Kurt-Schwitters-Platz aufgeschlagen hat.

Am Mittwochabend hat die HAZ im Madsack-See-Salon Helfer wie Dubielzig geehrt und sich für die Arbeit von Rettungs- und Sozialverbänden bedankt. Neben den Johannitern waren unter anderem auch das Technische Hilfswerk und die DLRG dabei. Dubielzig und viele andere arbeiten das gesamte Fest über komplett ehrenamtlich.

Der Dank anderer ist Lohn für die Arbeit

Am Ende des Fests wird der 41-Jährige nicht einen Cent für seine Arbeit bekommen. Essensmarken, ein Dank vieler Besucher und der Stadt – das war’s. Und das reicht dem Krankenpfleger auch, wie er sagt. Warum genau Dubielzig jedes Jahr für das Maschseefest aus Berlin zurück in seine Heimatstadt Hannover kommt, fällt ihm schwer in Worte zu fassen. „Das macht einfach Spaß“, sagt er. Und: „Ich habe halt ein Helfersyndrom, und ich mache einfach Urlaub auf dem Maschseefest.“ Auch beruflich liegt ihm der Dienst für andere nicht fern: Dubielzig ist Krankenpfleger auf der Notfallstation einer Berliner Klinik.

Das Johanniter-Lager am Maschsee sieht allerdings wenig nach Urlaub aus. Einige Container, in denen sich die Freiwilligen aufhalten, stehen auf dem Rasen, rundherum sind Bauzäune zur Absperrung aufgebaut. An der Ecke zur Culemannstraße müffeln auch noch Dixi-Klos vor sich hin.

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Das Einsatzgebiet ist der gesamte Maschsee

Wenn jeden Tag um 18 Uhr sein Dienst beginnt, ist ungewiss, was Dubielzig und die anderen Retter in den nächsten Stunden erwartet. Frauen, die sich in hohen Schuhen Blasen gelaufen haben, kommen dann, um sich ein Pflaster zu besorgen. Andere wurden von einer Wespe gestochen. „Einmal ist ein Betrunkener beim Pinkeln in den See gefallen, als gerade das Fackelschwimmen stattfand“, erinnert sich der Johanniter. Zudem gibt es Notfälle – etwa aufgrund von Verkehrsunfällen oder Schlägereien –, zu denen die Ehrenamtlichen im Rettungswagen ausrücken. Ihr Einsatzgebiet ist das gesamte Seeufer.

Das Fest sieht Dubielzig nur aus der Nähe, wenn er mit seinen Kollegen auf Streife geht. „Ich war hier seit Jahren nicht mehr privat unterwegs“, sagt er. Wie sein Einsatzleiter Benjamin Häselbarth findet auch er, dass es zuletzt ruhiger zugeht um das Ufer herum. „Es gibt weniger Vorfälle wegen Gewalt“, sagt Häselbarth. Das liege vor allem am doch recht teuren Gastronomieangebot der Stände, die ein eher gesetztes Publikum anlockten. Nervig seien allerdings Gaffergruppen, die den Helfern bei Einsätzen im Weg stehen. „Da mache ich mir dann aber sehr bestimmt den Weg frei“, sagt Dubielzig.

„Nach einer Woche beginnt es zu schlauchen“

Alles in allem ist der Erholungsfaktor im Sommerurlaub des Wahlberliners eher überschaubar. Vor allem der Schlafmangel macht sich bemerkbar: Unter der Woche ist meistens nicht vor ein Uhr früh Schluss, am Wochenende geht Dubielzigs Schicht etwa bis 4.30 Uhr. Und dann müssen auch noch die Rettungswagen gereinigt werden. „Nach einer Woche beginnt das schon zu schlauchen“, sagt der Sanitäter. Trotzdem will Dubielzig in seinem Urlaub noch einige Jahre auf dem Fest helfen. „Auch, wenn sich meine Freunde wundern, dass ich immer in Hannover Urlaub mache und nicht mit ihnen.“

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