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Hannover Das Freizeitheim Vahrenwald ist eine digitale Lernoase
Nachrichten Hannover Das Freizeitheim Vahrenwald ist eine digitale Lernoase
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15:00 25.01.2019
Ein Team: Manfred Weng und Leyla Duraj im Freizeitheim Vahrenwald. Quelle: Foto: Uwe Janssen
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Hannover

 Manfred lädt Bilder von der Kamera auf seinen Laptop. Er ist Wandersmann und Hobbyfotograf, beides mit Leidenschaft, sein mobiler Rechner ist dabei seit 2014 ein hilfreiches Arbeitsgerät. Wobei Manfred nicht gerade ein „digital native“ ist. Der agile Buchholzer ist 87, und die digitale Welt lässt er sich von einer 14-jährigen Schülerin erklären – jeden Montag um 10 Uhr im Freizeitheim Vahrenwald. Da schulen Schüler Senioren – das Projekt mit Neuntklässlern der IGS Büssingweg ist ein Erfolgsmodell. Leyla Duraj hat deutliche Fortschritte bei Manfred beobachtet. „Er macht sich gut“, sagt sie, „wir haben schon Bilder bearbeitet und Dokumente fürs Wandern erstellt.“ Die 77-jährige Helga Gerling aus Langenhagen hat dank Vanessa Beutner und Sina Buske ihre Angst vor Laptop und Internet verloren. Sie und ihre Freundin Helma haben den Schülerinnen mittlerweile das Du angeboten. Helga Gerling will nun ein Smartphone, Whatsapp reizt sie besonders.

Das Programm ist nicht nur ein Vorzeigeprojekt des Freizeitheims Vahrenwald, es steht auch für eine zentrale Philosophie des Hauses – und das in dreifacher Hinsicht: Es ist generationenübergreifend, es geht um moderne Medien und Digitalisierung, und es fördert das lebenslange Lernen. Nicht zufällig ist im Untergeschoss eine „Lernoase“ eingerichtet, die Kurse und andere Angebote für alle Altersgruppen bereithält. Sie heißen „Werkstatt Neue Medien“ oder „Miteinander digital“ oder „Office, Internet und Skype – wie geht das?“.

Es gibt natürlich auch „klassische“ Angebote wie Acrylmalerei, Volkstanz, Qi Gong für Frauen und Zirkus für Kinder. Oder Sprachkurse wie Deutsch und Polnisch. Selbst ein Arabisch-Kurs für Anfänger ist im Programm, hinter dem sich auch eine Leitidee des Hauses verbirgt: Eigenintiative. Denn der Kurs kam 2016 durch einen Facebook-Aufruf eines ehemaligen Arabisch-Studenten zustande, der die Sprache pflegen wollte. Es gab 70 Interessenten. Medienpädagogin Katarzyna Dec-Merkle wurde aufmerksam und organisierte einen Raum im Freizeitheim. Zehn Lernwillige sind geblieben, „sie können mittlerweile arabisch lesen und schreiben“, sagt Dec-Merkle. Der Kurs ist nun offiziell im Programmheft aufgenommen.

Ein Idealfall, aber so etwas kann auch mal schiefgehen – wenn unterschiedliche pädagogische Sozialisationen aufeinandertreffen. „Es wird schwierig, wenn Malen zum Selbstausdruck auf eine Erwartungshaltung trifft, Kunst als Handwerk vermittelt zu bekommen“, sagt Geschäftsführerin Claire Lütcke. Dieses Risiko geht eben ein, wer etwas ausprobiert. Ohne unkonventionelle Ideen und Improvisationstalent geht es sowieso nicht in einem solch heterogenen, sich schnell wandelnden Stadtteil wie Vahrenwald. Zumal in einem Haus, das selbst eine historische Zäsur erlebte: Zum 25-jährigen Jubiläum wurde das zweitälteste Freizeitheim der Stadt nicht gefeiert, sondern wegen massiver Asbestbelastung geschlossen. Neun Jahre lang machten die Mitarbeiter Stadtteilkulturarbeit aus einem Container auf der anderen Seite der Vahrenwalder Straße, während das einstige Vorzeigeobjekt wegen Geldmangels zur Wohlstandsruine wurde – einer Art Denkmal für den Stillstand.

Nach der Wiedereröffnung 1999 zeigte sich, wie elementar das Haus an dieser Stelle ist. Es ging rasch voran, mittlerweile wird das Freizeitheim nicht nur für Kurse und eigene Veranstaltungen genutzt, auch Messebetreiber schätzen die Räume, die technischen Möglichkeiten und die Lage. Die „World of Orient“ (im März) und die Comicmesse „NiCon“ (im Oktober) sind feste Größen im Jahreskalender. „Das Haus ist groß, aber wir müssen auch mal eine Anfrage ablehnen, weil nichts frei ist“, sagt Sascha Reinhardt, der für Betrieb und Service zuständig ist. Noch in diesem Jahr soll im Foyer eine „Toilette für alle“ gebaut werden, die auch für Menschen mit Mehrfach- und Schwerstbehinderung geeignet ist. Schließlich soll es auch ein Haus für alle sein.

Termine und mehr

Am Sonntag, 27. Januar, fällt der Startschuss zur Reihe „Vahrenwald in Bewegung“, die neue Angebote wie Clogging, Trampolin-Workout und Gedächtnistraining beinhaltet. Vorgestellt wird das Programm zwischen 15 und 17.30 Uhr im Obergeschoss des Freizeitheims. Am 28. März gibt es den Zukunftstag in der Lernoase – für Mädchen, die sich für den Beruf der Medienpädagogin interessieren. Informationen unter Lernoase-Vahrenwald@­hannover-stadt.de. Vom 8. bis 10. April findet die Osterferienaktion „Forschertage Natur in der Stadt“ statt.

Kontakt:

Freizeitheim Vahrenwald

Vahrenwalder Straße 92,

30165 Hannover

Telefon: (05 11) 16 84 06 09

E-Mail: FZH-Vahrenwald@Hannover-Stadt.de

Von Uwe Janssen

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