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Hannover Zwischen Tradition und Erneuerung: Das Stadtteilzentrum Nordstadt
Nachrichten Hannover Zwischen Tradition und Erneuerung: Das Stadtteilzentrum Nordstadt
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15:00 12.05.2019
„Alles ist für alle da, das war für uns immer selbstverständlich.“: Ulrike Brink (l.) und Sabine Schultz vor der Bürgerschule Nordstadt. Quelle: Foto: Clemens Heidrich
Hannover

„Wir sind total flexibel“, sagt Ulrike Brink im Brustton der Überzeugung – und muss dann selbst schmunzeln. Denn die Flexibilität, die sie meint, ist vor allem der Not geschuldet. Mit ihrer Kollegin Sabine Schultz hat sie die anspruchsvolle Aufgabe, die Bürgerschule, eines der geschichtsträchtigsten Stadtteilzentren Hannovers, zu managen.

Das stellt sich im Groben so dar: Ein großes Haus mit vielen Räumen und vielen Fest- und Gelegenheitsnutzern, mit Kursprogrammen, mit Veranstaltungen, einem heterogenen Publikum in einem heterogenen Stadtteil, mit einem Gemisch aus gewachsenen Strukturen und dem Drang nach stetiger Erneuerung. Dazu organisatorische Aufgaben, Troubleshooting und das Stopfen von akuten Personallücken. „Manchmal“, sagt Brink, „ist man auch Hausmeister.“

Sieben Mitarbeiter, davon nur der tatsächliche Hausmeister mit einer Vollzeitstelle, halten das Kulturzentrum im Betrieb. Brink und Schultz haben reduzierte Stellen, zwei 450-Euro-Kräfte betreuen die Veranstaltungen. Von der Stadt kommt institutionelle Hilfe, weiteres Geld muss über Vermietungen und Eintrittsgeld reingeholt werden. Es funktioniert. „Wir kommen nie in die roten Zahlen“, sagt Brink, „aber natürlich wäre es schön, wenn mehr da wäre und wir mehr anbieten könnten.“

Die Zeiten haben sich ein wenig geändert auf dem Gelände, das schon Schulgelände war, Fabrikgelände, ein Ort des Widerstands gegen Abriss und Hauptschauplatz der Chaos-Tage. Der Geist der damaligen Zeit sei noch zu spüren, sagt Brink, aber es sei ruhiger geworden. „Heute kann es schon mal sein, dass sich Bewohner aus den ehemals besetzten Häusern der Kofferfabrik beschweren, wenn es bei uns im Café abends zu laut ist.“

Ein Gang durch die Flure lässt die Schulvergangenheit erahnen. Hinter den Türen sind die Volkshochschule, der Künstler Pit Noack mit seinem Labor für Kunst und Technik, das Gut Adolphshof mit einem Depot oder andere Vereine und Initiativen aktiv. Manchmal landet man auch in einer anderen Welt – zum Beispiel in der von Walter Koch. Er sitzt – oft mit Diskussionspartnern – in der Hannah-Arendt-Bibliothek im ersten Stock, durch die hohen Fenster fällt das Sonnenlicht herein. Der Historiker ist schon lange hier, er sei „auch schon über Barrikaden gestiegen“, um an seinen Arbeitsplatz zu kommen, sagt er.

„Integration ist ein Selbstläufer“

Hinter der nächsten Tür werden junge Migranten auf einen Schulabschluss vorbereitet. Die Integrationsarbeit läuft, diese Art Vorbereitungskurse sind voll, aber trotzdem ist Integration „kein großes Thema“, wie Sabine Schultz betont. Grund: Es gehört hier einfach zum Alltag. „Das ist in der Nordstadt ein Selbstläufer. Der Stadtteil ist sowas von gemischt – das Leben hier kann man nur integrativ handhaben.“ Sie finde es „blöd, dass das noch erwähnt werden muss. Alles ist für alle da, das war für uns immer selbstverständlich.“ Kunst- und Musikprojekte beispielsweise seien immer gemischt. Multikulti, das einstige Zauberwort der Migrationskultur, wirkt in der Nordstadt bis heute nach und hat auch den Umgang mit der Flüchtlingswelle erleichtert.

Raum für aktuelle Themen

Die räumlichen Kapazitäten in der Bürgerschule sind nahezu erschöpft, kleine Terminlücken an manchen Tagen gibt es aber noch. Bei allem Organisationsdruck haben die Mitarbeiter trotzdem den Ehrgeiz, auf aktuelle Themen reagieren zu können – wie beispielsweise die Diskussion um das Bumke-Gelände. Nicht nur die offizielle, überfüllte Bürgerveranstaltung sollte in der Bürgerschule stattfinden, sondern auch zusätzliche, die sich die Bürger wünschen. „Dafür Raum zu schaffen, ist uns wichtig“, sagt Brink.

Bei aktiven Senioren ist sogar noch Luft nach oben. Besucher über 60 kommen zu Veranstaltungen, aber nutzen weniger die Kurse „Viele haben ein bisschen Schwellenangst.“ Dabei läge hier ein Mitmachpotenzial. Brink und Schultz suchen nicht nur Ehrenamtliche für die Vereinsarbeit, sondern auch Menschen, die sich einfach einbringen.

Ein weiterer Wunsch: Die vielen Nutzer des Hauses sollen sich wieder mehr zu Gemeinschaftsprojekten zusammentun. In den Mietverträgen und in der Satzung ist zwar Initiative im Haus verankert, aber das sei mit der Zeit ein bisschen eingeschlafen, sagt Schultz.

Zudem würden die Kulturarbeiterinnen gern das in die Jahre gekommene Theater sanieren. Und: „Eine zweite Hausmeisterstelle würde uns sehr helfen.“ Damit sie bei aller Flexibilität nicht selbst hausmeistern müssen.

Von Uwe Janssen

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