Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Kind massiv geschüttelt: Tagesvater muss sechseinhalb Jahre in Haft
Nachrichten Hannover Kind massiv geschüttelt: Tagesvater muss sechseinhalb Jahre in Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 01.06.2019
Viktor C. (l.) mit seinem Anwalt Vyacheslav Varavin. Quelle: Michael Zgoll
Anzeige
Hannover

Das Landgericht Hannover hat einen ehemaligen Tagesvater wegen schwerer Misshandlung eines Schutzbefohlenen und schwerer Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 31-Jährige hatte einen 13 Monate alten Jungen im März 2017 beinahe zu Tode geschüttelt – seither ist das Kind schwerbehindert.

Max (Name geändert) erlitt eine Hirnblutung und wird zeitlebens nur eingeschränkt laufen, sprechen und sehen können. „Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass Sie der Täter waren“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch, an den Tagesvater gewandt. Viktor C. , der den Jungen in seiner Wohnung in der hannoverschen Südstadt in Obhut hatte, schüttelte den Kopf; er hat die Tat stets bestritten.

Eltern ringen um Fassung

Während der einstündigen Urteilsbegründung zeigte der in der Kinderpflege fortgebildete Koch, selbst Vater eines siebenjährigen Sohnes, sonst kaum eine Regung. Die ganze Zeit sah er den Richter an – nicht die Eltern, die sich als Nebenkläger ihm direkt gegenüber an den Händen hielten und um Fassung rangen. Der Tag, an dem Viktor C. ihren Erstgeborenen so massiv schüttelte, dass der Junge krampfte und die Augen verdrehte, hat das Leben der Familie aufs Schlimmste verändert. „Sie haben am Morgen ein gesundes, lebhaftes Kind in Obhut gegeben“, hob der Vorsitzende Richter hervor. Mittags fanden die beiden nach einem Anruf von Viktor C. ihren Sohn fast leblos vor. Wenn der Tagesvater wenigstens einen Notarzt gerufen hätte, hätten die schweren gesundheitlichen Folgen vermutlich zumindest ein wenig gemildert werden können, meinen die Richter: „In so einer Situation legt man das Kind nicht ins Bett, da greift man zum Telefonhörer.“

Mehrere Fachärzte waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kind die Hirnverletzung an jenem Vormittag erlitt, als es von C. beaufsichtigt wurde. Die Mediziner hatten andere Ursachen, etwa einen Sturz oder eine gefährliche Vorerkrankung, übereinstimmend ausgeschlossen. Nicht zuletzt Blutergüsse am Oberkörper und Einblutungen in den Augen deuteten auf ein Schütteltrauma hin. Als einziger Erwachsener in der Wohnung komme nur C. als Verursacher infrage, sagte der Richter.

Ein versuchter Totschlag, wie in der Anklage angenommen, sei aber nicht zu erkennen. Der auch von anderen Eltern ansonsten als fürsorglich beschriebene Tagesvater habe vermutlich gehofft, Max’ Zustand werde sich von allein bessern. Was der Anlass für das Schütteln war, blieb offen. Auf jeden Fall muss es sehr heftig gewesen sein, denn mit 13 Monaten hatte der Junge schon recht kräftige Nackenmuskeln.

Tagesvater vorläufig auf freiem Fuß

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert, die Anwältin der Eltern für die lebenslange Pflege von Max ein Schmerzensgeld von 300.000 Euro verlangt. Auch das Schwurgericht kam zum Ergebnis, dass der Familie ein Schmerzensgeld zusteht. Über die Höhe soll ein Zivilgericht entscheiden.

C.’s Verteidiger Vyacheslav Varavin hatte auf Freispruch plädiert, weil keine wirklichen Beweise vorlägen und auch kein Motiv erkennbar sei. Der Anwalt kündigte nach dem Urteil an, wahrscheinlich Revision einzulegen. Vorläufig bleibt der Verurteilte auf freiem Fuß. Er sehe bei ihm keine Fluchtgefahr, sagte Richter Wolfgang Rosenbusch. Für den Vorsitzenden des Schwurgerichts war es nach mehr als drei Jahrzehnten an den Landgerichten Hildesheim und Hannover das letzte Urteil – der 65-Jährige verabschiedet sich in den Ruhestand.

Von Gabriele Schulte

Nach dem schweren Lkw-Unfall auf der A2 zwischen Lauenau und Bad Nenndorf war die Fahrbahn in Richtung Hannover am Mittwoch über Stunden gesperrt. Die Bergungsarbeiten zogen sich bis in die Abendstunden hin. Bei dem Unfall am Morgen starb ein Lkw-Fahrer.

29.05.2019

Bei einem Unfall auf der L 391 bei Wennigsen ist in der Nacht zu Mittwoch ein 18-Jähriger ums Leben gekommen. Zwei 16-Jährige und der 19 Jahre alte Fahrer trugen schwere Verletzungen davon. Sie waren mit einem Audi unterwegs, hatten sich mit dem Wagen überschlagen und waren in dem Fahrzeug in einen Bach gestürzt.

29.05.2019

Es gibt Gospelmusik und Open-Air-Messen: Hannovers Kirchengemeinden feiern Christi Himmelfahrt mit zahlreichen ungewöhnlichen Gottesdiensten – unter anderem im Gartentheater in Herrenhausen.

01.06.2019