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Hannover Kinder drehen Film mit Regisseurin Nermin Avlar
Nachrichten Hannover Kinder drehen Film mit Regisseurin Nermin Avlar
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00:16 02.07.2016
Von Bärbel Hilbig
Die jungen Schauspieler türmen für den Filmdreh aus dem „Internat“. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Das Streiten gelingt den Mädchen recht überzeugend. Ayda und Paula überhäufen sich mitten im Wald mit Vorwürfen und ziehen beide ein böses Gesicht. Gerade sind sie mit ihren Freundinnen aus dem Internat getürmt. Doch leider mussten die beiden Jüngsten, Marlon und Mara, zurückbleiben. Womöglich in den Händen einer bösen Lehrerin. „Wir haben es“, ruft Kameramann Norbert Peter. Auch Regisseurin Nermin Avlar blickt zufrieden. Die Kinder sind keineswegs Ausreißer, sondern lernen in einem Workshop das Geschäft des Filmemachens.

Als Internat dient der altehrwürdige Lister Turm. „Wir haben uns für unsere Geschichte an dem Ort orientiert“, erklärt die 14-jährige Sude schon ganz professionell. Das verzierte und verwinkelte Fachwerkgemäuer hat die Kinder stark an Schulen wie Hogwarts erinnert, wo Harry Potter zaubern lernt. Oder wie bei „Hanni und Nanni“, rufen die Mädchen. Internate gehen immer. „Aber vor allem wollten wir einen Film drehen, wo jemand spurlos verschwindet“, erläutert die zehnjährige Paula. Seit Montag lernen die Kinder innerhalb von vier Tagen im Schnelldurchlauf, was alles für einen Film wichtig ist. Sie haben sich eine Geschichte ausgedacht, spielen unermüdlich vor der Kamera und werden das Ergebnis bereits heute ihren Eltern vorführen.

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Regisseurin Nermin Avlar hat die Szenen vor dem Dreh bereits vor Augen. Bevor die Mädchen aus der Terrassentür des Lister Turms stürmen, gibt sie genaue Anweisungen. „Jemand hat die Tür einen Spalt offen gelassen. Sude öffnet sie weiter, blickt sich erschreckt um und ihr rennt die Treppe runter. Achtung! Und bitte.“ Die Kinder laufen zwei-, dreimal zur Probe, danach noch mehrmals für die Aufnahme, damit Kameramann Norbert Peter aus verschiedenen Perspektiven filmen kann. Fast wie bei richtigen Dreharbeiten.

„Hoh, jetzt ist mir warm“, stöhnt Ayda. Doch der Spaß ist der Zehnjährigen und ihren Mitspielern anzumerken.  Die Textstellen sitzen, die Mimik stimmt. Auch weil Kameramann Peter seine Anweisungen ausgesprochen ernst vorträgt. „Das ist Absicht, damit wir am Ende nicht lauter Aufnahmen mit lächelnden Schauspielern haben“, verrät Nermin Avlar. Seit Januar leitet sie Stagecoach Hannover, einer Tanz-, Gesangs- und Schauspielschule für Kinder.

Die 40-Jährige hat selbst eine Schauspielausbildung gemacht und bisher mehrere eigene Kurzfilme für die Berlinale und das Filmfest München produziert. Gerade sucht die Regisseurin Sponsoren, damit sie ihren ersten Spielfilm drehen kann. Neben ihrer Arbeit bei Stagecoach gibt Nermin Avlar Schauspielkurse für Erwachsene und unterrichtet Deutsch für Anfänger. Auch dabei helfen pantomimische Fähigkeiten.

Ihre Workshops für Kinder sieht Avlar als eine Art unmerkliche Erziehung, die vor allem Spaß machen soll. „Ich möchte dass sie aus sich herauskommen und selbstbewusster werden.“ Die Mädchen im Filmkurs liebäugeln nun aber fast alle, wenig verwunderlich, mit einer Zukunft als Schauspielerin. Nur der siebenjährige Marlon protestiert entschieden. „Ich will Fußballer werden.“

Jörn Kießler 02.07.2016
Simon Benne 02.07.2016
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