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Hannover Kläger belastet sich selbst in Aussage
Nachrichten Hannover Kläger belastet sich selbst in Aussage
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19:58 01.06.2017
Von Michael Zgoll
Unübersichtlich: Die Brabeckstraße war zum Unfallzeitpunkt eine Baustelle. Quelle: Frank Wilde (Archiv)
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Hannover

Es ist schon ärgerlich genug, wenn man mit seinem Auto in einen Unfall hineinschlittert. Doppelt ärgerlich aber, wenn man die Kosten vom Unfallgegner beglichen haben möchte, aber vor Gericht argumentativ derart ins Schlingern gerät, dass der nächste Schaden droht. Ein solch heikles Prozessmanöver war jetzt am Amtsgericht Hannover zu beobachten.

Schlenker wegen Baustelle

Ein Koch, 49 Jahre alt, hatte im März 2016 mit seinem Jeep Compass auf der Brabeckstraße Höhe Döhrbruch wenden wollen. Doch dabei krachte ihm eine 42-jährige Mercedesfahrerin in den linken Kotflügel. Die Frage ist, wer Schuld hat an diesem Allerweltsunfall. Stand der Koch in seinem Jeep oder rollte er kurz vor dem Wendemanöver? Und hatte er den Blinker betätigt, um seine Absichten kundzutun? Möglich wäre natürlich auch, dass die C-Klassen-Fahrerin dem Verkehrsgeschehen nicht die gebotene Aufmerksamkeit schenkte.

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Wie der Koch Amtsrichterin Susanne Lozinski schilderte, sei er aus dem Döhrbruch gekommen, wollte an jenem Sonntagmorgen kurz nach zehn Uhr Richtung Anderten fahren. Weil die Brabeckstraße im Vorjahr noch eine große Baustelle und in Teilen Einbahnstraße war, bog der Jeep-Fahrer zunächst nach rechts Richtung Bemerode ab, um hinter einer längeren Mittelinsel zu wenden und wieder Richtung Großer Hillen fahren zu können. Dabei passierte es: Der Mercedes krachte - mit geringer Geschwindigkeit – in den Kotflügel des Jeeps. Die Reparatur des Compass kostete 1777 Euro, zusammen mit den Gutachterkosten möchte der Koch nun 2150 Euro von der gegnerischen Versicherung erstattet bekommen.

Vor Gericht aber verblüffte der Kläger durch seine Ehrlichkeit – schonungslos sich selbst gegenüber. Er sei übermüdet gewesen, sagte der 49-Jährige, weil er die halbe Nacht bei seinem akut erkrankten Sohn im Kinderkrankenhaus Auf der Bult verbracht hatte. Auch habe er enorm unter Zeitdruck gestanden, weil er eigentlich schon um 10 Uhr seinen Dienst am Herd hätte antreten sollen. Die Frage der Richterin, ob er die Mercedesfahrerin überhaupt im Rückspiegel gesehen habe, verneinte der Koch. Und bei der Nachfrage, ob er wirklich links geblinkt habe, kam er ein wenig ins Trudeln: „Ich denke schon.“

Vor Wenden Blinker gesetzt?

Die Unfallgegnerin erklärte, der Jeep sei langsam auf der rechten Fahrbahnseite gerollt und dann völlig unerwartet - ohne Blinken - nach links ausgeschert. Ein dritter Autofahrer, der hinten den beiden herfuhr und am Donnerstag als Zeuge gehört wurde, konnte nur den Linksschlenker bestätigen, aber nichts Sachdienliches zur Blinkproblematik beisteuern.

Meist ist es so, dass derart strittige Fälle 50:50 ausgehen: Jeder Autofahrer trägt die Hälfte seines Schadens und der Reparaturkosten der Gegenseite. Ob sich der Koch mit seiner Klage einen Gefallen getan hat, darf jedoch bezweifelt werden. Gut möglich, dass ihm mit dem Urteil demnächst nur ein Drittel seines Schadens erstattet wird – oder sogar weniger.

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