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Hannover Wie die Jambo Brothers Hannover kennenlernen
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19:22 08.07.2019
Unterwegs in der Stadt – auch in der Markthalle: Die Jambo Brothers. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Der Taxifahrer hatte keinen guten Tag. Zum Neuen Rathaus sollte er seine fünf Fahrgäste bringen, doch der Mann fuhr zielsicher zum alten Pendant. Dann gab es auch noch einen Baustellenstau auf dem Friedrichswall. Trotzdem treffen die Gäste aus Kenia fast pünktlich am Trammplatz ein. „Alles kein Vergleich zum Verkehr in Nairobi – das ist dort ein echter Albtraum “, sagt Edwin Mang'ate.

Er und seine vier Begleiter haben eine weite Reise hinter sich. Aus der kenianischen Hauptstadt sind sie angereist, um drei Wochen in Hannover zu verweilen. Sie machen keine Ferien, sondern ihre Arbeit: Als Jambo Brothers werden die muskulösen Afrikaner beim Kleinen Fest im Großen Garten über die Bühne wirbeln, Handstand und Flicflac machen, sich zur Menschenpyramide auftürmen oder brennende Fackeln schlucken. Schon zum vierten Mal sind die Publikumslieblinge mit ihrer temporeichen Mischung aus Akrobatik und Slapstick bei dem Kleinkunstfestival dabei. Aber eine Sightseeingtour durch die niedersächsische Landeshauptstadt haben sie bisher noch nicht gemacht.

Bürgermeister Leibniz

Heute soll es so weit sein. John Odhiambo, Kevin Odera Odour, Daniel Kakuru Ngihia, Samuel Mutie Ngui und Edwin Mang'ate sind gespannt. Die fünf, die sich alle mit Vornamen vorstellen, lachen gern. Vor allem Edwin liebt es, Scherze zu machen. „Ist das der Bürgermeister?“, fragt er und deutet auf das überdimensionale Konterfei von Leibniz, das im Foyer des Neuen Rathauses aufgestellt ist. Dass eine solche Frage in diesen Tagen eine ganz besondere Komik hat, muss jemand, der in Kenia zu Hause ist, nicht wissen.

Beim Blick auf das Stadtmodell in der Rathaushalle zücken er und seine Kollegen begeistert die Handykameras. „Wo ist der Flughafen?“, will Edwin wissen. Der fehlt leider. Auch die Herrenhäuser Gärten passten nicht mehr auf die knapp 25 Quadratmeter große Platte, auf der die Modellbauer Hannovers Innenstadt im Maßstab 1:5000 abgebildet haben. Immerhin der Anfang der Allee, die zum Großen Garten führt, ist zu sehen.

Raschplatz als Ruheort für die Jambo Brothers

Edwin sucht nach einem anderen Ort: „Es gibt irgendwo so einen schönen ruhigen Platz zum Entspannen, der liegt, glaube ich, direkt hinterm Bahnhof.“ Sollte er den Raschplatz meinen? In der Tat. Dass der Platz im gemeinen Empfinden nicht unbedingt zu Hannovers Schokoladenseiten gehört, kann er nicht verstehen. „Hier ist es doch überall ruhig und sauber.“ Mit 500.000 Einwohnern ist Hannover nur ein Sechstel so groß wie Nairobi. Da ist das einfach eine Frage der Sichtweise.

Auf dem Weg in die Altstadt berichten die fünf, wie sie zu den Jambo Brothers wurden. Seit 2005 arbeiten die Artisten, heute zwischen 27 und 38 Jahre alt, bereits zusammen. „Wir kommen alle aus ganz einfachen Verhältnissen“, sagt Edwin, der sehr gut Englisch spricht und beim Goethe-Institut in Nairobi auch etwas Deutsch gelernt hat. Schon als kleine Jungs hätten sie davon geträumt, als Akrobaten umher zu reisen und ihre Kunststücke aufzuführen. Dieser Traum, sagt er, sei wahr geworden. Die Jambo Brothers treten heute in vielen europäischen Ländern auf, aber auch in Israel oder Russland.

„Eines der schönsten Festivals“

Zum Erfolg in Deutschland hat nicht zuletzt das Kleine Fest beigetragen – Organisator Harald Böhlmann vermittelt das Quintett bundesweit inzwischen auch an andere Veranstalter. „Das Kleine Fest ist und bleibt eines der schönsten Festivals, die es gibt“, schwärmt Kevin. Der direkte Kontakt zum Publikum, die Gartenkulisse und das Miteinander der internationalen Künstler ergäben eine unvergleichliche Atmosphäre.

Für ihre Auftritte im Barockgarten müssen die Profis nicht mehr allzu viel proben. Aber Fitness ist wichtig: „Wir haben einen Gymnastikraum im Hotel“, sagt John. Noch ist es der Truppe aber nicht gelungen, die Küche davon überzeugen, Ugali für sie zuzubereiten. Der nahrhafte Brei aus Maismehl ist ein in Ostafrika weit verbreitetes Gericht. Bei einem Abstecher in die Markthalle hält Edwin ergebnislos danach Ausschau. „Man kann auch Kartoffeln statt Maismehl nehmen“, erklärt er. Das will er den Köchen im Hotel jetzt vorschlagen.

Handstand vor den Nanas

Weiter geht es zur Marktkirche. Von der Größe des Sakralbaus sind die Gäste aus Kenia beeindruckt, ebenso vom Alter des Gebäudes. Die Jahreszahl 1340 ist auf einer Infotafel zu lesen. Wieder werden die Handykameras hervorgeholt. Am Leineufer dient eine andere hannoversche Sehenswürdigkeit als Kulisse für eine kleine akrobatische Kostprobe: Vor den Nanas zeigen die Jambo Brothers, dass sie bestens auf ihren Händen stehen können und auch als fünfköpfige Formation nicht aus dem Gleichgewicht kommen. Anerkennender Applaus erschallt. Eine Kindergruppe, die mit ihren Erziehern spazieren geht, würde das Ganze am liebsten gleich nachmachen.

„Was ist das für ein Gebäude?“, fragt Edwin, als die Artisten am Landtag vorbeikommen. Er erfährt, dass der Mann, der im Land Niedersachsen das Sagen hat, früher Oberbürgermeister von Hannover war. Aber mit Sicherheit nicht ins Rathaus zurückkehren wird. „Dann kann ich den Job auch machen“, sagt Edwin mit breitem Grinsen. Die Stadt kennt er jetzt ja schon.

Das müssen Sie über das Kleine Fest wissen

Das Kleine Fest im Großen Garten läuft vom 10. bis zum 28. Juli an 16 Abenden. Für jeden Veranstaltungstag wurden im Losverfahren 3500 Karten über den Vorverkauf vergeben. Aber auch diejenigen, die leer ausgegangen sind, haben noch eine Chance, das Kleine Fest zu besuchen. Für jeden der 16 Abende liegen 300 Tickets an der Abendkasse bereit; maximal zwei Karten pro Person werden abgegeben. Allerdings ist die Bereitschaft erforderlich, sich in die Warteschlangen vor der Kasse einzureihen.

Böhlmann weist darauf hin, dass Bollerwagen mit Picknickutensilien nach wie vor „erwünscht und erlaubt“ sind. Allerdings habe es in den vergangenen Jahren in Einzelfällen überdimensionierte, völlig überladene Wagen mit hohen Aufbauten gegeben. Diese würden nun nicht mehr zugelassen.

Karten für das Kleine Fest kosten 32 Euro, ermäßigt 17 Euro. Einlass ist immer ab 17.30 Uhr, das Programm beginnt eine Stunde später. Weitere Informationen gibt es unter www.kleinesfest-hannover.de.

Von Juliane Kaune

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