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Hannover Pächter wehren sich gegen drohende Kündigung
Nachrichten Hannover Pächter wehren sich gegen drohende Kündigung
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19:31 15.03.2019
Kleingärtner der Kolonie Friedenau schildern Politikern aus Rat und Bezirksrat Nord, warum sie ihre Parzellen behalten wollen. Quelle: Samantha Franson
Hainholz

Die Pächter der 18 bedrohten Kleingärten an der Schulenburger Landstraße haben noch einmal Überzeugungsarbeit geleistet. Die Verwaltung will ihre Parzellen zum November 2020 kündigen und das Gelände für einen Radweg sowie Gewerbeansiedlung nutzen. Freitag haben die Kleingärtner, die zur Kolonie Friedenau gehören, Politikern aus Rat und Bezirksrat vor Ort im Vereinsheim von Transition Town ihre Sicht der Dinge geschildert.

So hat Jördis Samland erst im Januar 2016 den Pachtvertrag für ihre Parzelle unterschrieben. Für Haus und Gartengeräte hat sie ihr Erspartes geopfert und einen Kleinkredit aufgenommen. Knapp danach beschloss der Rat der Stadt sein Kleingartenkonzept, das die Aufgabe von rund 800 Parzellen überwiegend für den Wohnungsbau vorsieht. Dabei auch die 18 Gärten in Hainholz. „Ich fühle mich getäuscht“, sagt die 35-Jährige. Auch als der Beschluss gefasst war, erfuhren die betroffenen Pächter und der Vorstand des Kleingartenvereins Friedenau davon nichts.

Kleingärtner fühlen sich getäuscht

„Wir wurden nicht informiert“, berichtet Claudia Schneider. Die Nordstädterin hat im Lauf der Zeit rund 35.000 Euro in Haus und Garten gesteckt. Bevor sie vor zwölf Jahren ihren Pachtvertrag unterschrieb, hatte sie bei mehreren städtischen Behörden Erkundigungen eingeholt. Dabei erfuhr sie auch von dem bestehenden Bebauungsplan, der an der Stelle tatsächlich ein Mischgebiet und eine nie gebaute Straße, die Kabelkamptrasse, vorsieht. „Damals hieß es, dass zu meinen Lebzeiten dort nichts mehr passiert. Ich dachte, ich habe hier meine Oase“, erzählt Claudia Schneider.

Das Ehepaar Hutschenreiter lebt sogar auf seinem Gartengelände, ihr Haus bietet auf zwei Etagen rund 140 Quadratmeter Wohnfläche. Aus Sicht der Verwaltung ist das in einer Kleingartenkolonie nicht erlaubt, die Eheleute sind jedoch dort gemeldet, zahlen Grundsteuer und Abwassergebühren. „Die Stadt weiß das seit 19 Jahren und sagt jetzt, es sei illegal. Die Familie hat viel Geld investiert und steht jetzt vor dem Nichts“, sagt Claudia Schneider.

Auf den Parzellen standen schon lange Häuser

Peter Hutschenreiter setzt noch Hoffnung darauf, dass auf den Parzellen schon 1932 kleine Einfamilienhäuser standen, die nach Krieg und Zerstörung wieder aufgebaut und ans Stromnetz angeschlossen wurden. „Die Pläne entsprechen dem aktuellen Bestand.“ Die Größe der Häuser sei nicht durch illegale Erweiterung von Lauben zustande gekommen. Der 71-Jährige wehrt sich gegen den Vorwurf der Verwaltung, auf dem Gelände gebe es illegale Sickergruben. Eine Fachfirma leere die Klärgruben, die Verwaltung bekomme regelmäßig die Belege.

Aktivist Hans-Werner Penk, der generell gegen die Kündigung von Kleingärten mobil macht, spricht bereits von einer Klage, falls der Rat den 18 Pächtern kündigt. Eine der großen Parzellen nutzt der Verein Transition Town für Ökoprojekte, die Stadt überlässt ihm das Gelände pachtfrei. Auch die Vereinsleute wollen in der Kolonie bleiben.

Der Rat entscheidet im Frühjahr

Der Bezirksrat Nord entscheidet am 1. April über die Vorlage der Verwaltung zur Kündigung der Gärten. Dann ist der Rat am Zug. SPD-Ratsherr Henning Hofmann verspricht eine Prüfung. „Die Situation muss neu bewertet werden. Was dabei herauskommt, kann ich noch nicht sagen.“ Grünen-Ratsfrau Monika Neveling will das Thema ebenfalls in ihrer Fraktion beraten. Linke und Piraten im Rat haben sich bereits gegen die Kündigung ausgesprochen.

„Wir brauchen diese Grünschneisen“, sagt Edeltraut Geschke, Bezirksbürgermeisterin Nord. Sie regt an, dass der Rat sich insgesamt mit dem alten Bebauungsplan für die Kabelkamptrasse beschäftigt. Die nie gebaute Ringstraße betrifft auch andere Stadtbezirke.

Von Bärbel Hilbig

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