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Hannover Klimaanlagen in privaten Wohnungen boomen
Nachrichten Hannover Klimaanlagen in privaten Wohnungen boomen
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21:42 26.07.2019
Andrè Garbe, Azubi-Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik, und sein Chef Eckhard Giesemann machen eine Klimaanlage einsatzbereit. Im Hintergrund türmen sich Anlagen, die demnächst in Gebäuden eingebaut werden. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Michael Stritzl kann wieder gut schlafen. Im Sommer vergangenen Jahres hat er in seinem Schlafzimmer bei Temperaturen um bis zu 30 Grad geschwitzt. „Das Zimmer liegt zur Südseite, da war eine Abkühlung auch nachts kaum möglich“, berichtet der Industriekaufmann aus Vahrenheide. In diesem Sommer ist das anders. Die Außentemperaturen sind zwar wieder tropisch, doch Stritzl kann sich bei angenehmen 21 Grad zur Nachtruhe begeben. Vor drei Wochen hat er in seinem Reihenmittelhaus aus den Sechzigerjahren für rund 2300 Euro eine fest installierte Klimaanlage einbauen lassen. „Ich kann jetzt schon sagen: Die Investition hat sich gelohnt.“

Mehr als drei Monate Wartezeit

Stritzl hatte vorgesorgt und bereits vor mehr als drei Monaten einen Termin mit dem Kältetechniker vereinbart, der die Anlage jetzt eingebaut hat. Wer sich dieser Tage wegen der Hitze spontan entscheidet, seine Wohnung auf gleiche Weise klimatisieren zu lassen, muss mit großer Sicherheit damit rechnen, enttäuscht zu werden. Die Fachfirmen sind am Limit. „Wir sind völlig ausgebucht und haben schon Termine bis in den Oktober und November vereinbart“, sagt Eckhard Giesemann, Geschäftsführer der Langenhagener Firma Kältech, die sich seit zwölf Jahren auf Klimaanlagen spezialisiert hat.

Sechs Termine am Tag arbeiteten seine Mitarbeiter im Stadtgebiet von Hannover und im Umland zurzeit ab – vom Beratungsgespräch über den Einbau der Anlage bis zur Wartung. 30 bis 40 neue Klimaanlagen würden im Laufe dieses Sommers jeden Monat installiert – „zu 90 Prozent bei Privatleuten“. Den gesamten Jahresumsatz von 2018 habe man in diesem Jahr bereits im Juli erreicht, sagt der Unternehmer.

Boomende Branche

Heftige Hitzeperioden, Temperaturen weit über 30 Grad und die Aussicht, dass dies auch künftig eher die Regel als die Ausnahme sein wird – da boomt das Geschäft mit der Kälte. Auch die Branche bundesweit zeigt sich zufrieden. In einer Umfrage des Verbandes Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) bewerten fast 60 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut; rund 70 Prozent machten im vergangenen Jahr einen Umsatz bis zu 2 Millionen Euro, ein Drittel der Betriebe erwirtschaftete mehr. Dabei ist noch viel Luft nach oben. Dem Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI zufolge sind derzeit nur 4 Prozent der deutschen Haushalte mit eingebauten Klimageräten ausgestattet. Bis zum Jahr 2030 könnten es laut Schätzungen schon 13 Prozent sein.

Kühlung und Kosten

Klimaanlagen basieren auf dem gleichen Konzept wie Kühlschränke: Ein zirkulierendes Kältemittel verdampft und kondensiert wieder. Wer sich nachträglich ein Klimagerät in seine Wohnung oder sein Haus einbauen lassen möchte, wählt in der Regel eine Split-Anlage. Sie besteht aus einem oder mehreren Geräten im Inneren und einem Gerät an der Fassade oder auf dem Boden vor dem Haus. Beide Teile sind über Kältemittelleitungen und eine Steuerung verbunden. Das Kältemittel transportiert die Wärme, die es im Inneren aufgenommen hat, nach draußen. Dort gibt es die Wärme an die Luft ab und fließt zurück.

Die Kälteleistung einer Klimaanlage bezeichnet die Wärmemenge in Watt, die einem Raum pro Stunde durch das Gerät entzogen wird. Im Wohnbereich wird meist ein Wandgerät mit einer Kälteleistung von etwa 2000 bis 2500 Watt eingesetzt. Diese reicht für einen Wohn - oder Schlafraum bis zu einer Größe von 30 Quadratmetern.

Klimaanlagen sollten von Fachbetrieben eingebaut werden. Die Gesamtkosten samt Montage für hochwertige Split-Anlagen in einem 30 Quadratmeter großen Raum liegen bei einer Summe ab etwa 2000 Euro. Sollten mehrere Zimmer klimatisiert werden, steigen die Kosten. Hinzu kommen Wartungskosten. Manche Firmen empfehlen Intervalle von zwei bis drei Jahren, andere raten zur jährlichen Wartung. Denn in Klimanlagen, die immer auch die Luftfeuchtigkeit regulieren, sammeln sich Bakterien an, die durch Desinfektion beseitigt werden sollten. Deutlich günstiger sind mobile Klimageräte, die für 100 Euro bis 800 Euro erhältlich sind.

Ob Klimaanlagen Stromfresser sind, ist umstritten. Manche Firmen werben damit, dass die zusätzlichen Kosten bei modernen Split-Geräten nur 20 Euro jährlich betragen sollen. Andere geben die Stromkosten bei einem täglichen Betrieb von vier bis fünf Stunden mit täglich 20 Cent an. Die hannoversche Firma Energieheld nennt auf ihrem Internetportal für eine Split-Anlage laufende Kosten von etwa 17 Cent pro Stunde, eine mobile Anlage liegt demnach bei etwa 24 Cent pro Stunde.

Immer mehr private Kunden

Dass immer mehr Privatpersonen sich bei steigenden Außentemperaturen in den eigenen vier Wänden kontinuierlich Kühlung verschaffen möchten, kann Giesemann bestätigen. Machten zuvor Firmen oder öffentliche Einrichtungen den Großteil seiner Kunden aus, habe sich das in den vergangenen drei bis vier Jahren zunehmend geändert. „Mit dem extrem heißen Sommer 2018 kam dann noch mal ein richtiger Kick. Schließlich haben die Leute im Auto eine Klimaanlage und meist auch im Büro. Da fragen sie sich, warum sie zu Hause schwitzen sollen.“ Der weit überwiegende Teil der Aufträge seien Nachrüstungen in bestehenden Gebäuden, vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern, sagt Giesemann. Es sei noch die Ausnahme, dass in Neubaugebieten von vornherein Klimaanlagen von den Architekten eingeplant würden.

Trotz der guten Geschäftslage hat Giesemann ein Problem. Er findet nicht genug Fachkräfte. 30 Angestellte arbeiten derzeit in dem Langenhagener Betrieb, 18 von ihnen kümmern sich allein um Klimaanlagen. Zwar hat der Unternehmer sein Team binnen drei Jahren schon verdreifacht. „Aber wir könnten noch deutlich mehr einstellen.“ Nun muss er seine Kunden mit einer Wartezeit von 14 bis 17 Wochen vertrösten.

Keine Fachkräfte verfügbar

Die Wülfeler Firma Köthe wäre froh, überhaupt erst einmal eine auf Kältetechnik spezialisierte Fachkraft einstellen zu können. Der Heizungs- und Sanitärbetrieb wollte in diesem Jahr mit einem neuen Geschäftsfeld durchstarten und auch den Einbau von Klimaanlagen anbieten. Den Internetauftritt hatte man bereits entsprechend geändert. Doch dann stellte sich heraus, dass kein Personal verfügbar ist. Auch Arbeitsamt und Jobcenter hätten nicht helfen können, sagt Mitarbeiterin Kristina Kordas. „Derzeit haben wir täglich fünf bis sechs Anfragen von Kunden, die eine Klimaanlage haben wollen. Aber die muss ich alle enttäuschen.“

Angenehmes Raumklima

Michael Stritzl fühlt sich wohl in seinem klimatisierten Schlafzimmer. Nach einem Versuch mit einer mobilen Anlage aus dem Baumarkt für immerhin 300 Euro ist er sicher, nun die deutlich bessere Lösung gefunden zu haben. „Die war laut und sah alles andere als schön aus. Außerdem musste ich die warme Luft mit einem Schlauch aus dem geöffneten Fenster ableiten – das hat alles nicht richtig funktioniert.“ Zudem sei der Stromverbrauch mit der fest installierten Variante, die vergleichsweise dezent an der Wand hängt, geringer. Die nächsten heißen Sommer können kommen: Der Hersteller hat eine Lebensdauer von 15 Jahren versprochen.

Von Juliane Kaune

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