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Hannover Rechnen Krankenhäuser oft falsch ab?
Nachrichten Hannover Rechnen Krankenhäuser oft falsch ab?
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11:05 29.07.2019
Der leitende Arzt des Medizinischen Dienstes, Jan Liebeneiner (links) undTeamleiter Henner Bechtold. Quelle: Mathias Klein
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Hannover

Warum rutschen Hannovers Krankenhäuser immer tiefer in die roten Zahlen? Nachdem mehrere Kliniken Kritik an den Krankenkassen geübt hatten, machen die Kassen nun im Gegenzug den Medizinmanagern Vorwürfe: Patienten müssten tagelang auf Operationen warten oder würden stationär behandelt, obwohl das gar nicht vorgesehen ist. Die Folge der Debatte: Immer mehr Abrechnungen in Hannovers Krankenhäusern werden beanstandet, die Krankenkassen weigern sich daher immer öfter, die Rechnungen zu zahlen.

Zahl der Beanstandungen steigt

Im Jahr 2017 lag der Anteil der Beanstandungen an den überprüften Rechnungen noch bei 51,2 Prozent, in den ersten sechseinhalb Monaten dieses Jahres ist er nach Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), der im Auftrag der Kassen prüft, auf 55,7 Prozent gestiegen, erläutert MDK-Teamleiter Henner Bechtold. Meist geht es nach Angaben des leitenden Arztes des MDK Niedersachsen, Jan Liebeneiner, um überhöhte Abrechnungen, welche die Kliniken den Krankenkassen vorgelegt haben sollen.

Besonders viele ihrer Ansicht nach falsche Abrechnungen aus hannoverschen Krankenhäusern hat der MDK in den Bereichen Chirurgie und Innere Medizin ausgemacht. Nach Angaben von Liebeneiner hängt das auch damit zusammen, dass in diesen beiden Bereichen besonders häufig Patienten mehrere Tage stationär im Krankenhaus behalten werden, obwohl nur eine ambulante Behandlung vorgesehen ist. Laut Liebeneiner gibt es in Hannover bei den geprüften Fällen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die meisten beanstandeten Abrechnungen. Die Quote liege bei 66 Prozent, rechnet er vor.

Aus Sicht der MHH ist die Beanstandungsquote niedriger, sie liege bei 59 Prozent, meint Sprecher Stefan Zorn. Er ergänzt: Wegen der vielfach schwierigeren Behandlungsfälle in der MHH sei ein Vergleich mit den anderen Krankenhäusern in Hannover nicht möglich.

Kritik der Krankenkassen

Wie berichtet, hatten die drei großen Krankenhausunternehmen der Stadt, die MHH, Diakovere und das Regionsklinikum KRH, die strengen Prüfungen des MDK für teils gravierende finanzielle Probleme mit verantwortlich gemacht. Besonders betroffen davon ist die MHH, die nach wirtschaftlich besseren Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht ist: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat sich dort bereits ein Defizit von 12 Millionen Euro angesammelt. Die Kürzungen von Rechnungen führe dazu, dass die MHH Rechnungen für erbrachte Leistungen nicht bezahlt bekomme, sagt Sprecher Zorn. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres seien der Medizinischen Hochschule dadurch 5,5 Millionen Euro verloren gegangen.

Die Krankenkassen spielen den Ball zurück: Die Krankenhäuser könnten sie nun nicht für die Verluste verantwortlich machen, sagt der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Niedersachsen, Jörg Niemann. Denn auch in den Jahren mit einem Überschuss seien Rechnungen geprüft und falsche Rechnungen gekürzt worden. „Wer positive Finanzergebnisse als Erfolg für sich reklamiert, sollte bei Defiziten nicht die Schuld bei anderen suchen“, betont Niemann.

Prüfer werden freier

Die MHH wie die anderen Krankenhäuser setzen jetzt auf eine von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Gesetzesänderung: Demnach soll der MDK künftig organisatorisch von den Krankenkassen getrennt werden. Dem MDK Niedersachsen gefällt etwas anderes an den Berliner Plänen: Sie sehen auch Sanktionen für die Krankenhäuser vor, die besonders häufig falsche Abrechnungen vorlegen.

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Von Mathias Klein

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