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Hannover Kommentar zu autofreier City: Jetzt mal ohne Ideologie
Nachrichten Hannover Kommentar zu autofreier City: Jetzt mal ohne Ideologie
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10:58 02.11.2019
Keine Autos in der City? Beim autofreien Sonntag 2018 war das zuletzt in Hannover Realität. Quelle: Samantha Franson (Archiv)
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Hannover

Eine Mehrheit ist es noch nicht, aber hoch ist die Zahl schon: 43 Prozent der Hannoveraner sprechen sich laut einer repräsentativen Befragung des Forsa-Instituts im Auftrag der HAZ für eine autofreie Innenstadt aus. Kein privater Pkw mehr an der Markthalle, dem Marstall, am Steintor oder an der Oper. Was vor Jahren noch als Träumerei einzelner Interessensgruppen abgetan werden konnte, hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Zumindest in der Stadt selbst. Die Gesellschaft ist in dieser Frage gespalten – und das ist vielleicht gar nicht so schlecht.

Dass die Zahl der Menschen in den vergangenen Jahren gewachsen ist, die Autos in der Innenstadt ablehnen, hat erst mal mit der alltäglichen Erfahrung zu tun. Die Zahl der Fahrzeuge steigt stetig an, wie offizielle Statistiken zeigen, es wird also objektiv immer voller auf den Straßen. Wer in der Südstadt, in Linden oder der List wohnt, für den ist es bereits jetzt deutlich sinnvoller, beim Besuch in der Innenstadt auf das Auto zu verzichten und die Einkäufe mit Bus und Bahn oder dem Fahrrad zu erledigen. Kürzere Fahrzeit, keine Kosten für den Parkplatz in der City, keine mühsame Parkplatzsuche im heimischen Stadtteil – es ist schlicht vernünftiger, innerhalb der Stadt autofrei unterwegs zu sein.

Im Umland geht nichts ohne Auto

Anders sieht es im Umland aus. Busse fahren nicht so oft, wenn überhaupt. Fahrten mit dem Metronom sind nicht selten Glückssache. S-Bahn-Tickets für die Familie in die Stadt kosten deutlich mehr als die gleiche Fahrt mit dem Auto inklusive Parkhausgebühren. Und wer nicht so beweglich ist – ganz gleich, ob alt, gehbehindert oder mit kleinen Kindern unterwegs – der kommt hier ohne Auto gar nicht weiter. Wer außerhalb der Stadt oder vom Umland auf dem Weg in die Innenstadt stets ohne Auto unterwegs ist, der muss schon viel Idealismus mitbringen.

Auch in dieser Hinsicht ist die Gesellschaft gespalten. Es gibt keine einfachen Wahrheiten. Eine City, in der weniger Autos unterwegs sind, lässt mehr Platz für Fußgänger, Bummler, Flanierer und vermittelt eine entspanntere Atmosphäre, wie jeder autofreie Sonntag zeigt. Doch eine Verkehrsplanung, die den Innenstadtring als Burggraben gegen Verkehr von außen einrichtet, darf es nicht geben.

Politik muss Freiheiten nutzen

Das klingt verfahren, doch genau darin liegt die Chance für die Politik: Es gibt ihr die Freiheit, neue, pragmatische und unideologische Lösungen zu finden. Warum nicht die Fußgängerzonen schrittweise ausweiten? Warum nicht einige zentrale Parkhäuser schließen und andere konsequent als Häfen für Autos von außen einsetzen? Dass die Wählerschaft gespalten ist, gibt der Politik viel mehr Freiheiten, als wenn die Meinung klar pro oder kontra autofreie Innenstadt eingestellt wäre. Ja, man muss bei jedem Beschluss mit Widerstand rechnen – aber man kann auch auf eine gewisse Unterstützung hoffen. Es braucht nur ein bisschen Mut für neues Denken.

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