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Hannover Kommentar: Wo bleibt die Lösung für den Lieferverkehr?
Nachrichten Hannover Kommentar: Wo bleibt die Lösung für den Lieferverkehr?
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16:05 06.07.2019
Ein Lieferwagen blockiert vorübergehend den Verkehr in einer engen Straße. Quelle: Horst Ossinge/picture alliance/dpa
Hannover

Vor zehn Jahren machte sich in Hannover Fideus auf den Weg durch die Bahnhofstraße und die Limmerstraße. Es war ein Wägelchen mit Elektroantrieb, das Paketanhänger hinter sich herzog und die beiden Straßen vom Lieferverkehr entlasten sollte. Fideus ist dann irgendwann still wieder von dannen gerollt. Das Problem aber, bei dessen Lösung er helfen sollte, ist nicht nur geblieben, sondern stetig gewachsen.

Angriff auf wildes Parken

Jetzt ist nicht nur die Limmerstraße, sondern ganz Linden-Nord mit seinen 16 .000 Einwohnern das Revier, in dem die Stadt erneut testet, wie der Lieferverkehr mitsamt den einhergehenden Verkehrs- und Umweltproblemen in den Griff zu bekommen sei. Es gibt dort demnächst 20 Umschlagpunkte, bestehend aus zehn Meter langen, markierten Haltebuchten, die tagsüber für Lieferfahrzeuge reserviert sind. Die eigentliche Zustellung auf der sogenannten letzten Meile übernehmen dann Boten mit Elektrofahrzeugen, Lastenrädern oder Sackkarren. Die Stadt will damit das wilde Parken der Lieferfahrzeuge auf Fuß- und Gehwegen, in der zweiten Reihe oder auf Grünflächen eindämmen. „Wir sind einen großen Schritt weiter gekommen“, sagt Stadtbaurat Uwe Bodemann.

Ein Fortschrittchen

Bei Lichte betrachtet ist es nach zwei Jahren Vorbereitungszeit eher ein Schrittchen. Es soll verhindern, was die Fahrer der Lieferfahrzeuge laut Straßenverkehrsordnung in der Regel ohnehin nicht dürfen. Außerdem entfallen auf Linden-Nord nur 3 Prozent der Paketmenge, die im Tagesdurchschnitt in Hannover zugestellt werden – vom gewerblichen Lieferverkehr, der Teil des Problems ist, ganz zu schweigen. Es ist also nicht der logistische Brennpunkt der Stadt.

Zur Ehrenrettung kann man anführen, dass unter dem nicht zuletzt vom Online-Einkaufen beflügelten Lieferverkehr alle Großstädte leiden – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Den Stein der Weisen hat noch keine gefunden. Aber andere haben früher an Problemlösungen gearbeitet und sind nun weiter.

Branchenverband fordert City-Hubs

Um den Verkehr auch bei steigendem Paketaufkommen zu entlasten, müssen die Lieferungen so gut es geht gebündelt und auf der letzten Meile nachhaltig ausgeliefert werden, rät der Bundesverband Logistik. Als Lösung gelten City-Hubs, also Verteilzentren in zentraler Lage, die möglichst von allen Transportunternehmen gemeinsam genutzt werden. Die markierten Parkplätze von Linden-Nord lassen sich selbst bei gutem Willen nicht als solche bezeichnen. Göteborg dagegen, das oft als stilbildend in Sachen City-Logistik angeführt wird, hat so etwas 2013 eingeführt. Andere Städte wie hierzulande Berlin probierten es mit Bento-Boxen, das sind Paketkästen mit mobilen Containern.

Wo bleibt die digitale Lösung?

Lösungen in Richtung City-Hub sind auch für Hannover schon angedacht worden; etwa in einem der innerstädtischen Parkhäuser als Standort. Was außerdem hilfreich wäre und in Linden-Nord fehlt ist eine digitale Steuerung der Paketfahrzeuge – in diesem Fall eine App, die anzeigt, welcher der 20 Umschlagpunkte gerade frei ist.

Es gibt viel zu tun, damit aus dem Schrittchen ein Schritt wird. Von selbst erledigen wird sich die Sache nicht. Ein Ende des Bestellwahnsinns im Internet, der verniedlichend E-Commerce genannt wird, ist nicht in Sicht – im Gegenteil.

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33.000 Pakete pro Tag in Hannover: Diese Lastenräder sollen die Probleme der Logistik verringern.

Von Bernd Haase

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