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Hannover Kommentar zu Prämien im Rathaus: Unter dem Starrsinn leiden Mitarbeiter und Bürger
Nachrichten Hannover Kommentar zu Prämien im Rathaus: Unter dem Starrsinn leiden Mitarbeiter und Bürger
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11:44 31.08.2019
Zulagen mit der Gießkanne: Prämien für 8500 Angestellte im Rathaus waren rechtswidrig. Quelle: HAZ/M
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Wenn zwei Menschen vom Gleichen sprechen, ist es noch lange nicht dasselbe. Selten ist das so deutlich zu sehen wie in der öffentlichen Diskussion über die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im hannoverschen Rathaus, die diese Woche mitgeprägt hat.

Mitarbeiter und ihre Familien rechnen mit dem Geld – und sind nun verärgert

Auf der einen Seite stehen rund 8500 der Rathausbediensteten selbst. Ihnen haben die Gewerkschaft Verdi und die frühere Rathausspitze um Oberbürgermeister Stefan Schostok und seinen Personalchef Harald Härke 2015 zugesichert, dass sie eine pauschale Leistungsprämie bekommen. Ganz unabhängig davon, was sie wirklich tun. Oder lassen. Mit diesem Geld rechnen sie und ihre Familien – und sind nun nachvollziehbar verärgert, weil sich herausstellt, dass diese nicht einmal üppige Zahlung unzulässig ist. Sie erwarten die Zulagen umgehend zurück.

Auf der anderen Seite stehen jene Menschen, denen die Regeln und Denkweisen des öffentlichen Dienstes eher fernliegen. Sie fragen sich, wie man auch nur auf die Idee kommen kann, als leistungsbezogen beschriebene Zulagen mit der Gießkanne zu verteilen. Also nicht an einzelne Mitarbeiter, die Besonderes geschafft haben, nicht an Teams, die mal sonnabends für die Bürger da sind, oder an Fachbereiche, die hoch belastet waren – sondern schlicht: an alle.

„Weit von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt“: Blick ins Rathaus Hannover. Quelle: Thomas

Lässt sich der Riss noch kitten?

Beide Seiten verstehen einander kaum, nur ratloses Kopfschütteln eint sie noch. Das zeigt, wie weit sich der öffentliche Dienst der Landeshauptstadt von der gesellschaftlichen Wirklichkeit jenseits seiner Amtsstuben oder Fahrzeughallen entfernt hat. Oder andersherum: Wie weit wirtschaftliches (manche sagen: kapitalistisches) Denken die übrige Lebens- und Arbeitswelt mittlerweile durchzieht. Lässt sich der Riss noch kitten?

Es wartet viel Arbeit auf den neuen Chef im Rathaus

Ironischerweise liegt dem Streit ums Geld im Rathaus ein entsprechender Versuch zugrunde. Mit einiger Mühe haben sich Gewerkschaft und öffentliche Arbeitgeber bundesweit schon vor Jahren darauf verständigt, dass auch in den Behörden ein Teil der Einkommen nach Leistungskriterien bezahlt werden kann. Zaghaft, aber immerhin. Nur ist das in Hannover unter SPD-Oberbürgermeister Stephan Weil zu guten Teilen und später bei Stefan Schostok gleich ganz ausgesessen worden. Das sei zu umständlich, hieß es, und ja irgendwie ungerecht. Personalchef Härke, einst mächtiger Personalrats-Vorsitzender, assistierte gern. Als gäbe es keine zeitgemäßen Managementwerkzeuge, mit denen sich Leistungen bewerten ließen; als seien Teambewertungen oder klug einsetzte Prämien für Projektgruppen unbekannt.

Unter dem Ergebnis dieses Starrsinns leiden Bürger wie städtische Mitarbeiter nun gleichermaßen. Die einen, weil die Leistung eben nicht immer stimmt – und die anderen, weil das viel zu oft auch diejenigen zu hören bekommen, die engagiert ihren Job machen. Beides muss sich ändern. Auch hier wartet viel Arbeit auf den neuen Chef am Trammplatz.

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