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Hannover Krise auf Hannovers Biermarkt? „Gilde macht sich selbst das Leben schwer“
Nachrichten Hannover Krise auf Hannovers Biermarkt? „Gilde macht sich selbst das Leben schwer“
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16:36 03.12.2019
Hannovers Bierbrautradition reicht in das Jahr 1526 zurück. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Jahrzehntelang dominierten drei Marken den Biermarkt in der Region Hannover: Gilde, Herrenhäuser und Lindener waren bisher die Sorten, bei denen die heimischen Biertrinker zugriffen. Inzwischen sind einige kleine Brauereien hinzugekommen – auch das ist eines der Probleme, mit denen die Gilde-Brauerei zu kämpfen hat. Vor wenigen Tagen wurde das Unternehmen zerschlagen. Dutzende Mitarbeiter müssen in neue Firmen wechseln.

Beispielsweise wird seit 1986 im Brauhaus Ernst-August Bier gebraut, ausschließlich in Bio-Qualität. Das Sudhaus der 2012 gegründeten Brauerei der Gaststätte Meiers Lebenslust befindet sich mitten in der Gaststätte.

Außerdem gibt es in jüngster Zeit immer wieder Neugründungen von sogenannten Craft-Brauern. Die „Mashsee“ Brauerei mit ihrem Sitz in der Südstadt nahe des Maschsees hat sich in der Stadt bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Auch in der Nordstadt gibt es ein eigenes Bier, unter dem Namen „Nordstadt braut“. In Sehnde-Rethmar wird seit dem Jahr 2015 „Das Freie“ hergestellt.

Aus Springe kommt das Robens Craft Beer, und seit rund zwei Jahren hat auch Burgwedel wieder eine eigene, kleine Brauerei.

Die Geschichte von Gilde ist weitaus länger: Die Brauerei ist Hannovers ältestes noch bestehendes Unternehmen – die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1526 zurück als Cord Broyhan sein neues Bier erfand. Wenige Jahre später schlossen sich die Brauer zu einer Gilde zusammen.

Die Großen teilen den Markt auf

Platzhirsche in Hannover sind weiterhin Gilde und Herrenhäuser, die sich den Markt in den Gaststätten nach Ansicht des Sekretärs der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Thomas Domke, ungefähr gleich aufteilen.

Vor einiger Zeit hätten sich die Gilde und Herrenhäuser noch einen Schlagabtausch geliefert. Domke erinnert an den Brauereiwechsel von Herrenhäuser zu Gilde der Traditionskneipe Plümecke. „Dafür hat sich dann Herrenhäuser von der Gilde die Hannover Indians geholt“, sagt er.

Jeder trinkt 102 Liter Bier im Jahr

Deutschland ist ein Land der Biertrinker – nur Österreich und Tschechien haben einen höheren Pro-Kopf-Konsum. Insgesamt ist bei den Deutschen die Lust auf Bier aber zurückgegangen. Vor 20 Jahren lag der Absatz der Brauereien in der Bundesrepublik laut Statistischem Bundesamt noch bei mehr als 100 Millionen Hektolitern. Bis zum vergangenen Jahr ist er auf knapp 80 Millionen gesunken.

Besonders in den Sommermonaten herrscht offenbar Durst – dann liegt der Ausstoß deutlich über denen im Winter. Der Pro-Kopf-Konsum von Bier ist laut Brauer-Bund auf gut 102 Liter (Jahr 2018) zurückgegangen.

Gewerkschaft: Kein Tarifvertrag bei Herrenhäuser

Nach Ansicht von Gewerkschaftssekretär Domke macht es sich die Gilde bei den Konsumenten durch den Tarifstreit derzeit „selbst das Leben schwer“. „Die verschenken durch ihr Verhalten Marktanteile“, glaubt er.

Während bei der Gilde-Brauerei ein Tarifstreit tobt, ist die Lage bei der Herrenhäuser dagegen ruhig. Allerdings gebe es dort auch seit ein paar Jahren keinen Tarifvertrag, wie Domke berichtet.

Dort würde die Gewerkschaft auch gern für einen Tarifvertrag streiten, allerdings sei es bei der Herrenhäuser Brauerei schwieriger zu mobilisieren, weil dort deutlich weniger Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert seien, als bei der Gilde. Die Herrenhäuser Brauerei gehört seit rund neun Jahren zu Wittinger aus dem Landkreis Gifhorn.

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