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Hannover Betreiber im Interview: „Ist Hannovers Markthalle zu beliebig?“
Nachrichten Hannover Betreiber im Interview: „Ist Hannovers Markthalle zu beliebig?“
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15:19 27.07.2019
„Hannover ist keine Schickeria-Stadt“: Bernhard Wedler, Sprecher der Markthallen-Gesellschafter (li.), und Geschäftsführer Gerhard Schacht. Quelle: Conrad von Meding
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Herr Wedler, Herr Schacht, ist Hannovers Markthalle zu beliebig in Angebot und Gestaltung?

Wedler: Unsinn. Man darf Hannover nicht immer mit Berlin, Hamburg oder München vergleichen, was den Glamour und die Kaufkraft der Kundschaft angeht. Nicht ohne Grund gibt es hier kaum noch erstklassige Feinkostgeschäfte. Die meisten haben sich nicht gehalten. Dollberg, Backhaus, Lüssenhop, alle sind geschlossen. In der Innenstadt haben wir eigentlich nur noch die Feinkost-Abteilung im Kaufhof. Wenn unsere Markthalle sich auf Feinkost und ausschließlich hochwertigste Ware spezialisieren würde, gäbe es auch sie wohl nicht mehr lange.

Schacht: Wir hören oft den Vorwurf, es sei zu viel Gastronomie und zu wenig Verkauf in Hannovers Markthalle. Aber wenn man die Kunden dann fragt, was ihnen persönlich fehlt, fällt ihnen nichts ein. Und: Von den 1900 Quadratmeter Gesamtfläche sind nur 706 Quadratmeter Gastronomie, der Rest ist Verkauf. Da bietet die Markthalle eine große Vielfalt und Qualität.

Trostloser Anblick: Die Markthallen-Stände von der Galerie aus gesehen. Quelle: Michael Thomas

In anderen Städten passiert aber mehr. In Rotterdam ist eine großartige Markthalle neu entstanden, die als Touristenmagnet fungiert, Oslo hat sich ein Markt-Markenzeichen gesetzt, Berlin mit der Markthalle Neun ganz frische, junge Konzepte ausprobiert.

Schacht: Ja, aber dann schauen Sie mal, was Sie da für ein Rindersteak bezahlen, das von drei Leuten hinter einer Glasscheibe für Sie zubereitet wird. Das ist eine Art von Selbstdarstellung, die zu Hannover nicht passt.

Wedler: Hannovers Markthalle soll eine Jedermann-Markthalle bleiben, wo sich Promis genauso wohlfühlen wie Arbeiter. Dort sollen Menschen Blumen kaufen können oder ein Brötchen zur Mittagspause oder das Gemüse für zu Hause. Diese Mischung wollen wir behalten. Und es gibt wirklich exzellente Waren bei uns: Solchen Käse, solches Fleisch oder Obst muss man suchen.

Aber wenn man dann so von oben auf die trostlosen Dächer der Buden schaut – müsste nicht doch dringend mal investiert werden?

Schacht: Die Verkaufsstände gehören den Pächtern ...

Trotzdem könnten Sie mit einer Gestaltungsvorschrift dafür sorgen, dass vieles nicht so vernachlässigt aussieht.

Wedler: Natürlich könnte man viel. Was uns ärgert ist, wenn es dort verdreckt aussieht oder etwas draufliegt.

Schacht: Deshalb gibt es jetzt viermal im Jahr eine Kontrolle der Dächer.

Vielen kommt das Innere der Markthalle in Teilen ramschig vor. Man muss ja nicht alles einheitlich machen, aber könnte es nicht etwas mehr gute Gestaltung geben?

Wedler: Genau da mischen wir uns nicht ein, denn dann wären wir beim Prinzip Shopping-Mall. Dort wird den Händlern im Detail vorgegeben, wie sie was zu machen haben. Dann sieht es irgendwann aus wie in der Ernst-August-Galerie. Wir lassen uns immer dann Pläne für neue Stände zeigen, wenn es einen Pächterwechsel gibt. Das reicht.

Wie lange wird es denn noch so weitergehen in der Markthalle, bevor mal alles neu gemacht werden muss?

Schacht: Die Halle steht unter Denkmalschutz, und sie funktioniert. Wenn irgendwo ein Stand schließt, dann suchen wir etwas Neues. Jetzt hat das Café am Sparkasseneingang geschlossen, dort kommt ein toller Philippiner rein. Der neue Mexikaner hat uns ganz andere Kunden beschert, und der Argentinier ist kein Gastronom, sondern ein Händler mit Probierstand. Es ist viel im Wandel.

Wedler: Außerdem investieren wir ja ständig. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Toiletten im Untergeschoss komplett erneuert sind? Und auch der Fußboden in mehreren Teilen der Halle?

Schacht: Den neuen Fußboden haben wir jahrelang getestet. Das war sehr aufwendig, weil er ja extrem trittfest sein muss. Er wurde über Pfingsten drei Tage und drei Nächte lang eingebaut. Wenn er sich bewährt, wollen wir ihn auf die ganze Halle ausdehnen.

Spiegelung in den Panoramafenstern der Markthalle. Quelle: Michael Thomas

Im vergangenen Jahr gab es ja ziemlich viel Ärger um den Silvestertag. Die Stadt sah die Sicherheitsauflagen nicht erfüllt, deshalb durften nur 900 Menschen gleichzeitig rein – die Schlangen vor den Türen waren lang. Wird das dieses Jahr besser?

Schacht: Wir haben alles getan, was möglich war.

Was heißt das?

Wedler: Wir haben am Silvestertag, wo immer viel Andrang ist, schon immer auf die Sicherheit geachtet und hatten Security vor Ort. Dann kam 2018 plötzlich die starke Beschränkung der Personenzahl. Das konnte man nicht in vier Wochen beheben. Das war Mist.

Aber jetzt ist ja die Jahresmitte bereits durch – gibt es für Silvester 2019 eine Lösung?

Schacht: Wir haben schon mit der Stadt zusammengesessen, aber es gibt noch nichts, was fixiert ist. Der Antrag muss zwei Monate vor Silvester da sein.

Wedler: Aber wir geben ihn schon vier Wochen vorher ab, damit Zeit für Nachbesserungen ist.

Eine letzte Frage: Wenn Sie sich für die Mischung in der Markthalle etwas wünschen könnten – was würden Sie wählen?

Wedler: Einen guter Konditor. Wir haben bundesweit gesucht – und keinen gefunden. Aber insgesamt stimmt die Mischung in der Markthalle. Sie ist keine Schickimicki-Halle, weil Hannover keine Schickeria-Stadt ist. Bei uns ist alles bürgerlich bis gutbürgerlich. Und das ist gut so.

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