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Hannover Künstler malt Graffiti für Menschenrechte
Nachrichten Hannover Künstler malt Graffiti für Menschenrechte
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18:11 23.10.2017
Plakativer Protest gegen den Krieg: Jwan Khalaf und Ali Omar gestalten das Wandbild im Faust-Innenhof. Quelle: Franson
Hannover

Bunt und plakativ sind die Bilder des syrischen Künstlers Jwan Khalaf. Im Hof des Kulturzentrums Faust entsteht sein neuestes Werk. Eine Farbexplosion auf grauem Mauerwerk, die aber eine traurige Geschichte erzählt. Eine Geschichte vom Krieg.

„In Syrien habe ich nur schwarz-weiß gemalt. Erst hier konnte ich die Farben sehen“, sagt er. In seiner Heimat hat Khalaf Kunst studiert und jahrelang als bildender Künstler gearbeitet. Dann kam der Krieg. „Ich habe mich in meiner Kunst viel mit dem Thema beschäftigt“, sagt Khalaf.

"Da gibt es keine Menschenrechte mehr"

Das Projekt auf dem Faust-Gelände ist für ihn etwas ganz Besonderes. Im Rahmen einer Workshopreihe zum Tag der Menschenrechte leitet Khalaf mit dem hannoverschen Graffitikünstler Jascha Müller das interkulturelle Street-Art-Projekt „2 Sides of a Wall“ („Zwei Seiten einer Mauer“). Die Reihe, zu der auch ein Plakatseminar und Street-Performances gehören, organisiert der bei Faust ansässige Integrationsverein Kargah.

Khalaf, Müller und fünf Teilnehmer haben sich intensiv mit der Frage beschäftigt: „Welche Rechte haben wir in Europa - und welche im mittleren Osten?“ Diese Frage haben sie mit Graffitimotiven beantwortet. „Mein Land ist vom Krieg zerstört, dort gibt es keine Menschenrechte mehr“, sagt Khalaf. In Europa sei das anders. „Wir wollten in Bildern diese Geschichte erzählen“, sagt der Syrer. Darum sei eine Wandhälfte fröhlich gestaltet und die andere eher finster.

Sohn konnte nicht mitreisen

„Bei dem Projekt ging es uns darum, unterschiedliche künstlerische Formen von Protest zu entwickeln und das Thema Menschenrechte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten“, sagt Kathrin Apelt von Kargah. Vor allem aber wollten die Organisatoren Menschen zusammenbringen.

Ali Omar, ein Teilnehmer des Workshops, malt, um zu vergessen. „Mein Sohn ist noch in der Türkei, das ist sehr schwer für mich“, sagt der Syrer. Das Projekt helfe ihm, mit der Situation umzugehen. Omar ist Musiker und mit seiner Frau und seinem jüngeren Sohn nach Deutschland gekommen. Sein ältester Sohn konnte vorerst jedoch nicht mitreisen.

Künstler begegnen sich auf anderer Ebene

Missverständnisse und ungewohnte Herausforderungen, die mit der Arbeit in einem internationalen Team einhergehen können, habe es nicht gegeben, betont Khalaf. „Wir Künstler begegnen uns auf einer anderen Ebene. Wir verstehen einander oft, ohne dieselbe Sprache zu sprechen“, erklärt er. Seit zwei Jahren lebt der 34-Jährige in Hannover. Hier arbeitet er in einer Radiologiepraxis und betreibt ein kleines Atelier.

Weitere Workshops: „Invisible Rights - Unsichtbare Rechte sichtbar machen“ ist der Titel der Workshop-Reihe von Kargah. In drei mehrsprachigen Werkstätten werden künstlerische Protestformen zum Thema Menschenrechte entwickelt. Eine Teilnahme in den beiden Gruppen mit den Schwerpunkten Menschenrechtsplakate und Street-Performances ist noch möglich. Weitere Informationen unter www.kargah.de.

Von Andrea Brack

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