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Hannover Kulturhauptstadt: Stadt stellt Bewerbung unter ein Leitthema
Nachrichten Hannover Kulturhauptstadt: Stadt stellt Bewerbung unter ein Leitthema
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19:16 15.02.2019
Beim Auftakt der Kulturkiosk-Tour in Ricklingen präsentierten Schüler ihre Assoziationen mit Hannover. Quelle: Heidrich
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Hannover

Was ist eigentlich aus Hannovers Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2025 geworden? Nachdem der Start von der ersten Phase der Rathausaffäre überschattet wurde, machte das prestigeträchtige Projekt zuletzt kaum noch öffentlich auf sich aufmerksam. Doch hinter den Kulissen tut sich langsam was. In mehreren Treffen haben sich Vertreter der Stadtverwaltung mit Kulturschaffenden ausgetauscht sowie Kontakte zur Wirtschaft geknüpft. „Namhafte Unternehmen und Verbände haben uns Unterstützung zugesichert, aber auch Erwartungen formuliert“, sagte Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf am Freitag im Kulturausschuss. Am 6. März will die Stadt vor rund 200 geladenen Gästen aus Ratspolitik, Kultur und Wirtschaft das Leitthema für die Bewerbung vorstellen. Es soll eine Art Titel für die Bewerbung sein, abgeleitet aus dem vom Rat vorgegebenen Motto „Nachbarschaft“.

Bewerbungsmappe muss im September abgegeben werden

Die Stadt Hannover muss ihre Bewerbung, das sogenannte Bid Book, Ende September einer Jury vorlegen. Das bedeutet, dass die Bewerbungsmappe bis Sommer erstellt sein muss. Im Bid Book legt die Stadtverwaltung dar, warum sie sich um den Titel bewirbt, wie sie das Kulturhauptstadtjahr organisatorisch bewältigen will und was Hannover präsentieren soll. Ist die Jury überzeugt, kommt Hannover in die nächste Bewerbungsrunde.

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Offenbar ist es der Stadt gelungen, Unternehmen aus Hannover und dem Umland vom Sinn der Bewerbung zu überzeugen. „Der Funke ist übergesprungen“, sagt Beckedorf über ein Treffen am Mittwoch im Sprengel Museum. 25 Vertreter von namhaften Firmen und Verbänden hätten sich eingefunden, berichtet Oeds Westerhof, strategischer Berater der Stadt in Sachen Kulturhauptstadt. Nicht nur finanziell wolle die Wirtschaft helfen, sondern auch mit Marketing-Kampagnen. „Der Enthusiasmus ist groß“, sagt Westerhof.

Budget kann bis zu 70 Millionen Euro betragen

Wie hoch das Budget für die Kulturhauptstadt am Ende ausfällt, darüber streiten sich die Geister. Im Gespräch sind Zahlen von 40 bis zu 70 Millionen Euro. Ein Großteil der Summe dürfte über Sponsoren und Fördermittel aus Landes- und Bundestöpfen aufgebracht werden. Aber auch die Stadt Hannover wird ihren Teil beitragen müssen.

Sichtbarer für die Bevölkerung ist die Tour des Kulturhauptstadt-Kiosks. Der Zirkuswagen soll Stadtteilbewohner ermuntern, sich mit dem Thema zu beschäftigen und eigene Ideen einzubringen. Beim Auftakt im Bezirk Ricklingen sind die Besucherzahlen überschaubar gewesen. Künftig baut die Stadt ihren Kiosk am Rande größerer Veranstaltungen auf, etwa am Sonntag, 2. März, bei der Freiwilligenbörse im Pavillon und am Freitag, 22. März, auf dem Wochenmarkt am Fiedelerplatz in Döhren.

Kulturentwicklungsplan bleibt wolkig

Parallel arbeitet die Verwaltung an einem Kulturentwicklungsplan. Der soll Ziele und Maßnahmen bis 2030 beschreiben. Was konkret in Angriff genommen werden soll, bleibt bisher wolkig. Von „Handlungsfeldern“ ist die Rede, von „Möglichkeitsräumen“ und „Synergieentwicklung“. Solche Begriffe hat die Stadt aus einer Befragung von rund 400 Kultureinrichtungen herausgefiltert, darunter die Kestnergesellschaft, der Jazz Club und das Literaturhaus. Gefragt wurde nach „Stärken, Schwächen, Entwicklungspotenzialen, Zielen und Maßnahmen“.

Die Reaktionen aus der Ratspolitik sind geteilt. Die SPD jubiliert. „Fantastisch, was sich da anbahnt“, meint SPD-Ratsherr Andreas Markurth. Skeptischer ist Gerhard Wruck von den „Hannoveranern“. „Die Stadt sollte konkrete Visionen entwickeln. Die Menschen brauchen etwas, auf das sie gespannt sein dürfen“, sagt er. Die Stadt entgegnet, dass man intern bereits über konkretere Ziele spreche. „Aber wir wollen den Beteiligungsprozess offen halten“, sagt Fachbereichsleiterin Carola Schelle-Wolff.

Von Andreas Schinkel