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Hannover Ehepaar klagt wegen Bauschäden nach Bombensuche
Nachrichten Hannover Ehepaar klagt wegen Bauschäden nach Bombensuche
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06:00 03.01.2019
Reinhard und Gabriele Bredow haben Bombensuche und -räumung schon viele schlaflose Nächte beschert - und viel Geld gekostet. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Eigentlich wollten sich Reinhard und Gabriele Bredow nur erkundigen, ob sie sich zu ihrem Haus in der Eupener Straße (Seelhorst) eine Gasleitung legen können. Dass sie dazu eine Kampfmittel-Freigabebescheinigung brauchten, wussten sie nicht – und die darauf fußenden Nachfragen brachten eine Lawine ins Rollen. Weil auf dem 9800 Quadratmeter großen Gelände ihrer ehemaligen Gemüsegärtnerei tatsächlich ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, wurden Anfang 2017 rund 7800 Anlieger aus Seelhorst, Döhren, Waldheim und Waldhausen evakuiert. Die Bredows mussten 6300 Euro für die Bombensuche und -räumung aus eigener Tasche bezahlen, doch das war erst der Anfang. Seit anderthalb Jahren kämpfen die Senioren – er ist 78, sie 70 Jahre alt – um eine Entschädigung für die Schäden, die die Bohrarbeiten an ihrem Haus verursacht haben. Es geht um knapp 29.000 Euro, und jüngst gab es einen ersten Gerichtstermin.

Die Eheleute bereuen nicht, dass sie die Räumungsaktion angestoßen haben. „Die 250-Kilo-Bombe lag 36 Zentimeter unter der Grasnarbe, da ist mein Mann x-mal mit Trecker und Rasenmäher rübergefahren“, erzählt die 70-Jährige mit einem leichten Schaudern. Ab 1965 betrieb Bredow hier eine Gärtnerei, baute schwerpunktmäßig Gemüse an; seit 1997 liegt das Areal jedoch brach. „In den siebziger Jahren ist am Ende der Eupener Straße in einer anderen Gärtnerei völlig überraschend eine Bombe hochgegangen“, erinnert sich der 78-Jährige. Wie durch ein Wunder sei damals niemand verletzt worden.

Eine von den Hauseigentümern privat beauftragte Kampfmittelbeseitigungsfirma registrierte auf dem großen Grundstück drei Verdachtspunkte, noch in der darauf folgenden Nacht – vom 6. auf den 7. März 2017 – wurde eine englische Fliegerbombe ausgegraben und entschärft. Sie lag 30 Meter vom Südschnellweg und 100 Meter vom Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Bredows entfernt im Boden. Die Feuerwehr war mit 570 Helfern im Einsatz, in einer Bemeroder Turnhalle wurde eine Notunterkunft für Evakuierte eingerichtet, und der Südschnellweg und eine Bahnstrecke mussten kurzfristig gesperrt werden.

Bombensuche kostet 6300 Euro

Mit der Tatsache, dass sie die Bombensuche auf ihrem Grundstück 6300 Euro kostete, haben sich die Senioren inzwischen abgefunden. „Am Anfang war es für uns aber unbegreiflich, dass wir für diese Folgen des Zweiten Weltkriegs geradestehen sollten“, sagt der 78-Jährige. Und er ergänzt: „Wir dachten immer, dass es Aufgabe des Staates ist, seine Bürger zu schützen.“ Doch er habe lernen müssen, dass für bestimmte Gefährdungen allein der Eigentümer eines Grundstücks verantwortlich sei. Ihrer Kenntnis nach passiere es allerdings sehr selten, ergänzt Gabriele Bredow, dass Privatleute für Bombenräumungen aufkommen müssen: „Meist trifft es Wohnungsbaugesellschaften oder Firmen.“

Nicht abfinden will sich das Ehepaar allerdings mit den Schäden, die ihnen die Sondierungsarbeiten an ihrem Haus beschert haben. An einer der Verdachtsstellen, unmittelbar neben einer Außenwand, bohrten die privaten Kampfmittelbeseitiger am 2. und 3. März 21 Löcher. Fünf Meter tief frästen sich die Schneckenbohrer in den Sand- und Schluffboden, der von einer gut 30 Zentimeter hohen Mutterbodenschicht bedeckt ist. „Das Grundwasser bei uns steht aber nur 1,50 Meter hoch“, sagt Reinhard Bredow. Noch am gleichen Tag wurden die ersten Risse im Mauerwerk sichtbar, die immer größer wurden – offenbar war unterirdisch so viel Sediment weggeschwemmt worden, dass sich die Fundamentplatte zu bewegen begann. Ein Blindgänger wurde übrigens nicht neben dem Haus gefunden – es handelte sich nur um Bombensplitter.

Baugrund verstärkt

Im September 2017 rückte eine Spezialfirma an, die Kunstharz in den Boden presste und das Fundament stabilisierte. „Bisher haben wir für Baugrundverstärkung und Mängelbeseitigung 14.500 Euro gezahlt“, berichtet Gabriele Bredow. Für das Verfüllen der Risse seien rund 11.000 Euro veranschlagt, zwei Gutachten hätten sie bereits 3500 Euro gekostet, und Anwalts- und Gerichtskosten stehen auch noch im Raum. „Meine ganze Altersversorgung geht den Bach runter“, klagt ihr Ehemann.

Das Problem ist: Die private Kampfmittelbeseitigungsfirma und ihre Haftpflichtversicherung wollen nicht zahlen. Das Gebäude habe Vorschäden aufgewiesen, sagen sie, auch seien die Bodenverhältnisse problematisch. Doch der entscheidende juristische Punkt ist, dass das Unternehmen offenbar nicht schriftlich auf mögliche Risiken bei den Sondierungsarbeiten hingewiesen hat. „Dann hätte man die Löcher sofort mit Betonit verfüllen können“, meint Baurechtsanwalt Stefan Obst, der die Bredows vor der 4. Zivilkammer am Landgericht Hannover vertritt.

Richterin Carina Hykel gab in der Verhandlung schon einen ersten Hinweis, dass die Chancen der Kläger auf Schadensersatz nicht schlecht stehen: „Die Firma hätte auf mögliche Schäden am Haus und auf die Möglichkeit eines schnellen Verfüllens der Bohrlöcher hinweisen müssen.“ Hykel unterbreitete den Parteien einen Vergleichsvorschlag, nach dem der Versicherer der Kampfmittelbeseitigungsfirma 15.000 bis 20.000 Euro an die Bredows zahlen soll. Damit wären dann eine Befragung von Zeugen und das Erstellen von zwei neuen Gutachten überflüssig. Am 24. Januar ist der nächste Gerichtstermin – dann wird sich entscheiden, ob die Parteien vergleichsbereit sind oder ob ein langwieriger Prozess ins Haus steht.

Von Michael Zgoll

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