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Hannover Großer Drogenimporteur – oder nur kleiner Strohmann?
Nachrichten Hannover Großer Drogenimporteur – oder nur kleiner Strohmann?
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13:28 12.07.2019
Drogenimporteur oder nur ein kleiner Strohmann? Diar M., angeklagt wegen Anstiftung zur Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, mit seinem Verteidiger Fritz Willig. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Hat er kiloweise Drogen per Post nach Hannover importiert – oder ist er nur ein kleiner Fisch, der für 300 Euro seine Wohnung in Vahrenheide als Empfangsadresse für das Marihuana aus Spanien zur Verfügung gestellt hat?

Vor dem Landgericht Hannover muss sich seit Donnerstag ein 26 Jahre alter Iraker wegen Anstiftung zum Import von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Drogen im Paket aus Spanien

Diar Mho M. soll, so sieht es die Staatsanwaltschaft, von Oktober 2018 bis Januar 2019 regelmäßig Marihuana per Paketdienst in seine Wohnung bestellt haben – insgesamt fünf Pakete mit jeweils zwischen zehn und 20 Kilogramm der Droge. Absender sei ein gewisser Manuel Jimenez aus Barcelona gewesen sein – vermutlich ein Tarnname. Durch den Handel mit den Drogen, so die Anklage, soll M. mindestens 150.000 Euro verdient haben.

Der Fall Diar Mho M. könnte eines der Drogenverfahren sein, wie sie vor hannoverschen Strafgerichten zuhauf verhandelt werden. M.s Verteidiger Dimitrios Kotios glaubt aber, dass es von seinem Mandanten eine Verbindung zu einer der größten Razzien geben könnte, die Hannover zuletzt gesehen hat – dass M. also nur ein ganz kleiner Fisch ist.

Im Mai fast 60 Wohnungen durchsucht

Fahnder durchsuchten im Mai in Hannover fast 60 Wohnungen, 45 davon allein in Vahrenheide – allesamt Adressen, von denen die Ermittler glauben, dass dorthin Pakete mit Drogen aus Spanien und den Niederlanden geschickt wurden. Auch M. wohnt in Vahrenheide. Der Hauptverdächtige, ein türkischstämmiger Mann aus Hannover, soll so binnen zwei Jahren mehr als zwei Tonnen Rauschgift per Post erhalten haben und in der Region verkauft haben. Die Drogen sollen einen Gesamtwert von mindestens 2,6 Millionen Euro gehabt haben.

Vahrenheide, Drogen per Post, Absender in Spanien: „Mein Mandant ist benutzt worden“, sagte am Donnerstag Verteidiger Fritz Willig. Drahtzieher sollen ganz andere Kaliber sein, möglicherweise die aus der Razzia im Mai, legte Kotios nahe: M. habe sich höchstens der Beihilfe strafbar gemacht, da er sich bereit erklärt habe „für Dritte“ Pakete in Empfang zu nehmen. M. kenne niemanden in Spanien und wisse auch nicht, was in den Paketen war.

Im Mai durchsuchten Fahnder 45 Wohnungen in Vahrenheide. Quelle: Christian Elsner

Kotios bot ein Geständnis an – es werde am Ende dazu führen, dass M. als reiner Empfänger der Pakete höchstens wegen Beihilfe verurteilt werden könne. Das Problem: M. werde keine Namen von Hintermännern nennen: „Er hat Angst.“ Der Staatsanwältin reichte das nicht: „Da muss Butter bei die Fische.“

„Er hat Angst“: Der Angeklagte Dia Mho M. mit seinem Verteidiger Dimitrios Kotios. Quelle: Moritz Frankenberg

Verteidiger Kotios sagte, die Staatsanwaltschaft könne bei vier der fünf Pakete gar nicht beweisen, dass M. sie überhaupt in Empfang genommen habe. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) haben die Paketboten befragt, keiner konnte sich an M. erinnern. Nur beim fünften Paket ist die Annahme erwiesen. Überreicht hat es ein als Paketbote getarnter LKA-Ermittler. Der Zoll in Heilbronn hatte das Paket zuvor abgefangen, der LKA-Beamte überbrachte es. Nach der Übergabe durchsuchten die Beamten die Wohnung von M. – und fanden wenig Belastendes.

Fortsetzung folg. Das Urteil wird für den 9. Juli erwartet.  

Von Karl Doeleke

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