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Hannover Baby in Koffer mit Skelett eingesperrt - Mutter haftet für Spätschäden
Nachrichten Hannover Baby in Koffer mit Skelett eingesperrt - Mutter haftet für Spätschäden
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00:16 27.01.2019
Laura S. – hier beim Prozess 2017 – ist vom Landgericht erneut verurteilt worden: Sie muss für alle Schäden haften, die dem Baby aus der Tat erwachsen sind. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

Dieser Strafprozess vor knapp zwei Jahren schlug hohe Wellen: Eine Mutter musste sich vor dem Schwurgericht Hannover verantworten, weil sie ihre neugeborene Tochter vier Tage lang in einem Koffer aufbewahrt hatte – neben dem Skelett eines anderen Kindes, das zwei Jahre zuvor gestorben war. Im März 2017 wurde Laura S., damals 22 Jahre alt, wegen versuchten Totschlags zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt; der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im November 2017. Jetzt wurde das Landgericht in dieser Sache erneut aktiv, allerdings stand diesen Donnerstag ein zivilrechtlicher Aspekt im Mittelpunkt. Laut Versäumnisurteil der 20. Zivilkammer ist die Mutter verpflichtet, für alle Schäden finanziell geradezustehen, die ihrem Kind später noch aus der Tat erwachsen könnten – seelisch und körperlich.

In diesem Koffer lag das wimmernde Neugeborene. Quelle: Michael Wallmüller

Das Jugendamt hatte namens der Tochter, heute zwei Jahre und vier Monate alt, eine sogenannte Feststellungsklage eingereicht, damit mögliche spätere Schadensersatzansprüche nicht verjähren. Wenn das Kind – beispielsweise – im Erwachsenenalter Depressionen bekäme und sich per Gutachten und Gerichtsurteil ergäbe, dass die Tage in dem nur spaltbreit geöffneten, dunklen und feuchten Koffer Schuld an dieser Erkrankung sind, hätte die Tochter der Mutter gegenüber einen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Allerdings dürfte es nicht leicht sein, Erkrankungen gleich welcher Art auf die Horrortage im September 2016 zurückzuführen.

Nach Auskunft von Rechtsanwältin Maren Kirschenbauer, die das Kind vor Gericht vertrat, geht es dem Mädchen gut; es ist inzwischen bei einer Pflegefamilie untergebracht. Die derzeit in der Justizvollzugsanstalt Vechta einsitzende Laura S. war zu dem Zivilprozess unter Vorsitz von Richterin Stefanie Piellusch nicht geladen, auch wurde die Straftäterin nicht durch einen Anwalt vertreten, da die Kanzlei ihrer früheren Verteidiger das Mandat niedergelegt hat.

Lebensbedrohliche Lage

Das Baby war am 29. September 2016 vom damals 19 Jahre alten Freund der Mutter zufällig in dem blumengemusterten Koffer entdeckt worden, der in einer Wohnung in Vahrenwald stand. Es roch erheblich, da es tagelang neben seiner verwesenden Plazenta gelegen hatte und mit Fäkalien verschmiert war. Die Situation für das 2620 Gramm schwere und 49 Zentimeter große Mädchen war lebensbedrohlich: Seine Körperkerntemperatur lag nur noch bei 35,5 Grad, es hatte sich über Risse in der Haut eine Infektion zugezogen (die später mit drei Sorten von Antibiotika behandelt werden musste), und eine Kopfüber-Lage barg das Risiko des Erstickens. So hatte das Schwurgericht der Mutter in seinem damaligen Urteil denn auch vorgeworfen, sie habe den Tod ihres Babys wissentlich herbeiführen wollen.

Die 22-jährige Auszubildende hatte sich mit dem Argument verteidigt, sie habe gefürchtet, dass ihr Freund – der Vater des Kindes – sie verlassen würde, wenn er von dem Baby erfahre. Ob Laura S. auch ihr erstes Kind, dessen Skelett in dem Koffer lag, wissentlich hat sterben lassen, war nicht Gegenstand der damaligen Anklage. Ihre Aussage, dass dieser Säugling eine Totgeburt gewesen sei, konnte nie widerlegt werden.

Von Michael Zgoll

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