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Hannover „Ohne Arznei sind Sie eine Gefahr“: Kirchen-Einbrecher bleibt in der Psychiatrie
Nachrichten Hannover „Ohne Arznei sind Sie eine Gefahr“: Kirchen-Einbrecher bleibt in der Psychiatrie
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20:43 08.08.2019
Der Angeklagte wurde von Anwalt Andreas Hüttl verteidigt – und nahm den Urteilsspruch an. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein psychisch kranker Mann, der im Februar in die Kreuzkirche einbrach und dort randalierte, in den Wintermonaten zudem Dutzende weiterer Male auffällig wurde und Straftaten beging, ist am Donnerstag vom Landgericht freigesprochen worden. Gleichzeitig aber ordnete die 12. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Britta Schlingmann seine fortdauernde Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an, in der er bereits untergebracht ist. Oberstaatsanwalt Klaus Kukla und Verteidiger Andreas Hüttl hatten dafür plädiert, die Einweisung von Sonay C. (35) unter strengen Auflagen zur Bewährung auszusetzen – doch diesen Anträgen folgte das Gericht nicht.

Polizei umstellte Kirche

Der Mann hatte in den frühen Morgenstunden des 26. Februar 2019 mit einem Fahrradständer ein Seitenfenster der Kreuzkirche eingeschlagen und war in das Gotteshaus eingedrungen. Auf der Suche nach Geld randalierte er in der Sakristei. Er schrie und zerschlug mit einem Kollektenträger zwei weitere Fenster sowie eine Glastür. Die Polizei umstellte die Kirche, doch noch beim Herauskommen zerstörte der Täter ein viertes Fenster. Bei seiner Festnahme sagte C., er habe eine Bibel stehlen wollen, da er zum Christentum konvertieren wolle. Der Sachschaden betrug letztendlich 6500 Euro.

Sie wurde im vergangenen Winter Schauplatz eines Einbruchsversuchs: Die Kreuzkirche in der Altstadt. Quelle: Nancy Heusel

Im Laufe der Ermittlungen kam heraus, dass der 35 Jahre alte Garbsener schon seit 2001 kriminell ist. In seinem Vorstrafenregister sind ein Dutzend Verurteilungen zu finden, darunter wegen Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und Drogenhandel. Es gab auch ruhige Phasen – doch nachdem C. im Spätherbst 2018 die Medikamente zur Behandlung seiner paranoiden Schizophrenie und seines Verfolgungswahns abgesetzt hatte, geriet er außer Kontrolle. Er begann in großem Maß Drogen zu konsumieren, belästigte vielfach Passanten in der Innenstadt und beging eine Reihe weiterer Straftaten.

Mit Schraubenzieher bedroht

Unter den diversen Zeugen, die die Kammer anhörte, war eine bei Burger King arbeitende Toilettenfrau, der C. im Januar 2019 die gesamten Tageseinnahmen entwendete. Mehrfach stahl er in Kaufhäusern, Einkaufsgalerien und Fachgeschäften hochwertige Parfüms, manchmal griff er zweimal an einem Tag im selben Geschäft zu. In einer türkischen Bäckerei entwendete er das Portemonnaie einer Verkäuferin, in einer Moschee stahl er die Jacke eines Studenten. Passanten, die ihm beim Anbetteln kein Geld geben wollten, bedrohte der Mann mit einem Schraubenzieher – ohne sie ernsthaft zu attackieren.

Laut Gutachter Ulrich Diekmann ist C. „hochgradig psychotisch“: „Darum hat er auch nie versucht, seine Straftaten zu verdecken.“ Wenn der Angeklagte seine Medikamente und Depotspritzen aber regelmäßig verabreicht bekomme und unter ständiger Aufsicht einer forensischen Ambulanz stehe, so der Psychiater, sei die Krankheit beherrschbar. Dann gehe von C. keine Gefahr aus. „Ohne Medikamente sind Sie eine unkontrollierbare Waffe“, sagte Oberstaatsanwalt Kukla zum Angeklagten. Doch war er mit Gutachter und Verteidiger einer Meinung, dass man C. bei engmaschiger Überwachung und Betreuung noch einmal eine Bewährungschance in Freiheit geben könne.

Jährliche Prüfung

„Wenn Sie Ihre Arzneimittel nicht einnehmen, sind Sie eine Gefahr für die Allgemeinheit“, sagte auch Richterin Schlingmann zu dem 35-Jährigen. Den Glauben, dass man C. bei intensiver Überwachung und Medikamentierung auf Bewährung freilassen könne, mochte die Kammer nicht teilen. Dafür sei es zu früh. Es sei abzuwarten, wie sich die Situation in der Psychiatrie in Wunstorf entwickele. Einmal im Jahr wird eine Kammer des Landgerichts unter Hinzuziehung von Fachleuten künftig prüfen, ob der Mann unter Auflagen entlassen werden kann – oder noch mindestens ein weiteres Jahr in der geschlossenen Abteilung ausharren muss. Die jetzige Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Von Michael Zgoll

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