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Hannover Raser wegen Mordes zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt
Nachrichten Hannover Raser wegen Mordes zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt
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00:17 10.01.2019
Das 82-jährige Opfer starb noch vor Ort in der Bahnhofstraße. Quelle: Christan Elsner
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Hannover

Der 18-jährige Raser, der im Juni 2018 in der Bahnhofstraße einen 82 Jahre alten Obdachlosen totgefahren hat, ist am Montag vom Landgericht wegen Mordes, Autodiebstahls und Fahrens ohne Führerschein zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Gleichzeitig ordnete die 1. Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Lücke für den Täter eine Entziehungskur im Maßregelvollzug an – bei einem solch jungen Mann durchaus ungewöhnlich.

Mercedes war gestohlen

Die Kammer urteilte, dass Jan M. einen Mord aus Verdeckungsabsicht begangen habe. Er war an jenem frühen Sonntagmorgen auf der Flucht vor der Polizei in einem gestohlenen Mercedes SLK 200 unterwegs, hatte Alkohol konsumiert und raste mit mindestens 59 Kilometern pro Stunde durch die Fußgängerzone zwischen dem Platz der Weltausstellung und dem hannoverschen Hauptbahnhof. Auf dem Beifahrersitz saß eine 17-jährige Bekannte des Mannes. Die Fahrt des Paars endete an einem Ampelmast an der Ecke Berliner Allee/Marienstraße. Die Beifahrerin wurde nach kurzer Zeit von einem Passanten gestellt, der flüchtige M. suchte am Abend ein Polizeirevier in Burgdorf auf und gestand die Tat.

Die Flucht des Paars endete an einem Ampelmasten an der Ecke von Marienstraße und Berliner Allee. Quelle: Christian Elsner

Das Gericht konnte nicht eindeutig klären, wie stark alkoholisiert der 18-Jährige bei der Todesfahrt tatsächlich war. M. hatte am Vorabend in der Sportsbar Nordkurve mit Freunden gefeiert und getrunken. Gegen Morgen war er mit seiner Bekannten in den Mercedes eines Schaustellers gestiegen, der den Zündschlüssel steckengelassen hatte, und zu einer Spritztour durch Hannover gestartet. Als ihn die Polizei in der Schmiedestraße kontrollieren wollte, gab er Gas und raste durch die Karmarschstraße Richtung Bahnhof davon. Kurz vor dem Apple-Store in der Bahnhofstraße erfasste der Sportwagen den Obdachlosen, der durch den Aufprall meterhoch in die Luft geschleudert wurde und noch am Unfallort starb.

M. hatte in der Verhandlung erklärt, nur bruchstückhafte Erinnerungen an jenen Morgen zu haben. Jedoch ging die Jugendkammer nicht davon aus, dass der 18-Jährige aufgrund seiner Alkoholisierung überhaupt nicht mehr wusste, was er tat. M. habe den Wagen vorsätzlich gestohlen und sich mit seiner Flucht einer Strafverfolgung entziehen wollen, urteilte das Gericht. Er sei mühelos mit dem Mercedes zurechtgekommen, habe vor der Begegnung mit der Polizeistreife noch tanken wollen und auf das Anhaltezeichen des Streifenwagens zunächst adäquat reagiert: mit Blinken und einem kurzfristigen Stopp. Erst in der Fußgängerzone habe M. stark beschleunigt.

Verteidiger spricht von „Populismus“

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Raser eine Verurteilung zu acht Jahren Jugendstrafe gefordert, Verteidiger Dirk Schoenian wegen fahrlässiger Tötung einen Dauerarrest, der durch die Untersuchungshaft abgegolten sein sollte. Der Anwalt kündigte an, Rechtsmittel einzulegen, und rechnet sich gute Chancen aus, dass der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil aufhebt: „Der BGH hat in jüngerer Vergangenheit alle Raser-Urteile, bei denen die Richter von Mord ausgingen, kassiert.“ Man könne M. nicht unterstellen, so Schoenian, bei seiner Flucht den Tod des Obdachlosen billigend in Kauf genommen zu haben, deshalb sei die Verurteilung wegen Mordes „reiner Populismus“.

Der Verteidiger sieht aber auch an anderer Stelle ein „Systemversagen“. Sein Mandant, der seit dem 11. Lebensjahr Alkohol konsumiert, sei vom Jugendamt mit 18 Jahren übergangslos aus einem Heim auf die Straße gesetzt worden; ein psychiatrischer Sachverständiger hatte M. neben seiner Sucht auch eine Persönlichkeitsstörung attestiert. In der U-Haft wurde der Heranwachsende als selbstmordgefährdet eingestuft und fügte sich selbst Verletzungen zu. „Er kommt überhaupt nicht damit klar, dass er einen Menschen totgefahren hat“, so Schoenian.

Vor dem Beginn der Entziehungskur ordnete die Kammer für M. einen „Vorwegvollzug“ eines Teils der Jugendstrafe von anderthalb Jahren an. Auch darf dem Raser mindestens vier Jahre lang keine Fahrerlaubnis erteilt werden – angesichts der Gesamtstrafe ein Aspekt, der für den Täter keine Rolle spielen dürfte.

Von Michael Zgoll

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