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Hannover Tödliche Messerstiche an der Oper – noch schweigen die Angeklagten
Nachrichten Hannover Tödliche Messerstiche an der Oper – noch schweigen die Angeklagten
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17:02 15.08.2019
Die drei Angeklagten verbergen ihre Gesichter hinter Aktendeckeln. Sie werden von den Anwälten Thomas Mügge (l.), Marco Burkhardt (mit Brille) und Benjamin Pethö (r.) verteidigt, in der vorderen Reihe sitzt außerdem ein Dolmetscher. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Mit mehrstündiger Verspätung hat am Donnerstag vor dem Landgericht Hannover der Prozess gegen zwei Brüder begonnen, die am 22. Februar 2019 am Opernplatz einen 18-Jährigen erstochen und drei weitere junge Männer schwer verletzt haben sollen. Angeklagt wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung sind der 17 Jahre alte Rashid A. und sein Bruder Rauuf A. Am ersten Verhandlungstag nannte dieser zwei verschiedene Geburtsdaten, in der Anklageschrift steht ein drittes Datum, sodass Rauuf A. 20, 21 oder 22 Jahre alt sein könnte.

Vergleichsweise geringfügig ist der Tatvorwurf, der dem dritten Angeklagten Ferhad G. gemacht wird: Der 17-Jährige, der an jenem Freitagabend gegen 22 Uhr nicht am Opernplatz gewesen sein soll, muss sich wegen Strafvereitelung verantworten. G. soll eine Tatwaffe aus einem Mülleimer in der U-Bahn-Station Kröpcke – wo sie zunächst deponiert war – gefischt haben und sie hinter dem Hauptbahnhof weggeworfen haben. Gefunden wurde dieses Messer aber nie.

Laienrichter fehlten

Der Prozessauftakt verzögerte sich zunächst um zwei Stunden, weil zwei zur 2. Großen Jugendkammer zählende Laienrichter nicht erschienen waren. Dann folgten Anträge vonseiten der Verteidiger Benjamin Pethö und Thomas Mügge auf Ausschluss der Öffentlichkeit während des gesamten Prozesses, die die Kammer jedoch abschlägig beschied. Die Vorsitzende Richterin Monika Thiele machte allerdings deutlich, dass ein zeitweiliger Ausschluss der Öffentlichkeit während des auf neun Verhandlungstage terminierten Prozesses trotzdem möglich ist. Gut dreieinhalb Stunden nach dem ursprünglich geplanten Verhandlungsbeginn konnte Staatsanwältin Friederike Riemer schließlich die Anklage verlesen.

Sicher ist, dass wenige Stunden nach der Messerattacke ein 18-Jähriger starb, der aus Afghanistan stammen soll. Der Angriff begann auf der Südostseite der Oper, nahe der Sophienstraße, dann verlagerte sich die Auseinandersetzung auf die Rückseite des Gebäudes zur Straße An der Börse. Der 18-Jährige starb gut zwei Stunden nach der Tat in einem Krankenhaus an zwei Lungendurchstichen. Die anderen Opfer – zwei von ihnen ebenfalls 18 Jahre und einer 23 Jahre alt – wurden von Messerstichen in Rücken und Hals, in Rücken und Hinterkopf sowie in den Oberkörper getroffen. Einer dieser beiden 18-Jährigen überlebte die Attacke nur um Haaresbreite, er sitzt im Prozess als Nebenkläger im Gerichtssaal. Die Gruppe, die mit den Brüdern in Streit geriet, soll laut Anklage sieben oder acht Personen umfasst haben.

Videofilm zeigt das Opfer

Am Nachmittag wurde im Gerichtssaal ein Zusammenschnitt von Videoaufnahmen gezeigt. Zu sehen ist darauf, wie eine Reihe junger Männer neben und hinter dem Opernhaus gestenreich diskutieren, hin- und herrennen und der später Verstorbene schließlich zu Boden sackt. Rashid und Rauuf A. sind zudem auf Bildern zu sehen, die sie beim Durchqueren des Hauptbahnhof zeigen; zu erkennen ist auf anderen Sequenzen, wie die beiden Brüder Ferhad G. zu einem Mülleimer in einer Stadtbahnstation lotsen, wo dieser einen Gegenstand – mutmaßlich eine der Tatwaffen – herausholt, die Rashid A. dort zuvor hineingeworfen hatte. Eine Erläuterung dieser Bilder durch Polizeibeamte steht allerdings noch aus.

Eine Schwierigkeit dieses Prozesses ist offenbar, so hieß es am Rande des Verfahrens, dass Täter wie Opfer nicht sehr auskunftsfreudig sind. Das Brüderpaar, das in Iran geboren wurde und die afghanische Staatsangehörigkeit besitzt, soll der ethnischen Minderheit der Hazara angehören. Ob die tödlichen Stiche tatsächlich mit einer Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Jugendbanden zu tun haben, wie im Vorfeld zu hören war, wird im Prozess zu klären sein.

Freiwillig gestellt

Die Jugendkammer hat sich zunächst einen Zeitrahmen bis Anfang Oktober gesetzt, um das Verbrechen aufzuklären. Dabei helfen werden ihr ein Psychiater, eine Ärztin für Kinder- und Jugendpsychologie, ein Rechtsmediziner und zwei Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe. Rashid A., der vor seiner Festnahme zur Schule ging und in Linden-Süd wohnte, wurde eine Woche nach der Bluttat verhaftet und sitzt derzeit in der Jugendanstalt Hameln ein. Sein älterer Bruder Rauuf, der in einem Dorf nahe Bad Fallingbostel lebte und sich Anfang März freiwillig stellte, ist in der Justizvollzugsanstalt Vechta untergebracht.

Auf freiem Fuß befindet sich Ferhad G. Der Schüler, der recht gut Deutsch spricht, lebt derzeit in der Wohngruppe einer sozialen Einrichtung in Hannover. Zu den Tatvorwürfen äußern wollte sich am ersten Verhandlungstag keiner der Angeklagten; für Freitag allerdings kündigte Marco Burkhardt, der Anwalt von Rauuf A., eine Einlassung seines Mandanten an.

Von Michael Zgoll

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