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Hannover Windhorst verspricht: Ich mache das Ihme-Zentrum schön
Nachrichten Hannover Windhorst verspricht: Ich mache das Ihme-Zentrum schön
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00:21 24.03.2019
Erster Auftritt als Ihme-Zentrums-Haupteigentümer: Lars Windhorst, Vorstandschef und Mitbegründer der Civitas-Muttergesellschaft Sapinda, stellt im Neuen Rathaus sein Konzept für das Ihme-Zentrum vor. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Der neue Großeigentümer im Ihme-Zentrum macht keinen Hehl daraus, dass er ein Geschäftsmann ist. Statt blumiger Worte hat er bei seinem ersten Auftritt im Rathaus klar gesagt, sein Ziel sei, mit dem derzeit ruinösen Gewerbeareal in dem Gebäude möglichst bald Geld zu verdienen. Deshalb wolle er mehr und schneller investieren, als vertraglich vereinbart sei. Aber er verspricht auch „eine Win-Win-Situation, von der meine Gesellschaft, die Stadt Hannover und die eigenen Eigentümer profitieren werden“.

Windhorst hat überraschend alle Anteile des Ihme-Zenrums von der Berliner Investorengruppe Intown gekauft, die noch kurz zuvor ein langfristiges Interesse am Standort beteuert hatte. Wie während der Sondersitzung im Rathaus bekannt wurde, an der Kommunalpolitiker aus dem OB-Ausschuss, dem Wirtschaftsausschuss und dem Bezirksrat sowie gut 100 Zuhörer teilnahmen, ist der notarielle Vertrag bereits zum Jahreswechsel geschlossen worden. Windhorst sagte, ein zweistelligen Millionenbetrag sei als Teilbetrag bereits geflossen. Bis Ende Mai müssen weitere Vertragsbestandteile erfüllt und die Restsumme gezahlt werden. Windhorst gab sich zuversichtlich, diese Verpflichtungen schon „ein bis zwei Wochen vorher“ erfüllen zu können.

Was hat Windhorst gekauft?

Der Finanzunternehmer, Chef der milliardenschweren Sapinda-Holding, hat die Gebäudeanteile, rund 83 Prozent der Immobilie, nicht direkt gekauft, sondern die Intown-Tochterfirma, der die Anteile gehören. Für ihn hat das den Vorteil, dass er keine Grunderwerbssteuer zahlen muss. Für die Stadt ist der Vorteil, dass die Firma an alle Verträge gebunden ist, die sie mit ihr bisher geschlossen hat. Auf zahlreiche, überwiegend skeptische Nachfragen von Politikern sagte Windhorst, dass er zu diesen Verträgen stehe und sie erfüllen werde – und schnell mehr tun wolle. Oberbürgermeister Stefan Schostok lobte, Windhorst sei „der erste Investor, der diese Verträge als Minimalbedingungen bezeichnet“. Zudem habe man bei bisherigen Investoren immer „extremen Druck ausüben“ müssen. Windhorst rechne er sehr positiv an, dass er schon zwei Wochen nach Bekanntwerden der Transaktion persönlich Rede und Antwort stehe.

Wie trat Windhorst auf?

Sehr konzentriert. In den Fragerunden machte er sich nur wenige Stichworte, konnte die meisten Politiker mit Namen ansprechen. Er schien relativ gut vorbereitet, stellte aber auch klar, dass er nicht jedes Detail der Bauarbeiten kennt. Als Ratsherr Dirk Machentanz (Piraten/Linke) wissen wollte, warum am Vortag nur zwei Bauarbeiter an der Fassade Blumenauer Straße gearbeitet hätten, gab Windhorst spöttisch, aber unerwartet Einblicke in sein Geschäft. Sapinda wirtschafte aktuell mit etwa 3,5 Milliarden Euro. Das Ihme-Zentrum mache „nicht einmal 5 Prozent“ seiner Aktivitäten aus. Deshalb habe er sich eigentlich gar nicht selbst um das Projekt kümmern wollen: „Dafür haben wir Geschäftsführer.“ Nur weil er gemerkt habe, dass das Thema für Hannover so wichtig sei und der OB ihn drängend kontaktet habe, sei er persönlich gekommen. Er investiere „jetzt einen halben Tag und vielleicht nochmal ein paar halbe Tage“, aber den Rest müssten seine Mitarbeiter erledigen.

Wie geht es im Ihme-Zentrum weiter?

Die eigentlich vertraulichen Verträge mit der Stadt, über die erst Ratsherr Daniel Gardemin sehr offen und dann auch Windhorst sprach, sehen im Wesentlichen drei Punkte vor. Sapinda muss jetzt erstens die Fassade zur Blumenauer Straße modernisieren (8 Millionen Euro). Zweitens muss die Firma ab Mitte 2021, nach dem Auszug des Jugendamts aus dem Turm Ihmeplatz 5, die dortigen Büroetagen modernisieren (10 Millionen Euro) und bis Ende 2022 fertig haben, sodass andere Ämter dort einziehen können. Drittens müssen bis Ende 2021 Mietverträge über genau 30.000 Quadratmeter geschlossen sein. Weil die Stadt 20.000 Quadratmeter Bürofläche mietet, muss Sapinda also 10.000 Quadratmeter weitere Gewerbeflächen etwa an Geschäfte, Sport- und Fitnesseinrichtungen und ähnliches vermietet haben. Und da sagte Windhorst etwas Überraschendes.

Warum will Windhorst mehr tun?

Für „Unsinn“ hält Windhorst es, nur diese geforderten 10.000 Quadratmeter zu sanieren. Die Sockelgeschosse sähen „wie nach dem Zweiten Weltkrieg“ aus, sagte der Finanzinvestor: „Da sind ja teilweise nicht mal Fenster drin.“ Teilsanierungen seien bei 100.000 Quadratmeter Leerstandsfläche unwirtschaftlich – deshalb wolle er bis Ende 2021 auch die anderen 70.000 Quadratmeter fertig saniert haben. Auf skeptische Rückfragen sagte er, die Politik solle etwas Geduld haben: „In einem halben Jahr sprechen wir uns, wenn wir weiter sind.“

Wie finanziert Windhorst das Projekt?

Nach Windhorsts Aussage wird die Revitalisierungdes Ihme-Zentrums ohne Bankkredite bezahlt. „Aus Eigenkapital“ werde seine Gesellschaft das stemmen, sagte der Finanzinvestor. Und: „Wir bezahlen die Arbeiten in Euro.“ Auf mehrere Fragen, unter anderem von FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke, ob Windhorst langfristiges Interesse habe, sagte er: „Das ist irrelevant, ob ich nach der Revitalisierung noch 5, 10 oder 15 Jahre Eigentümer bin.“ Wichtig sei für Hannover, dass jetzt investiert werde.

Wo weicht Windhorst von Plänen ab?

Die bunten Bilder der jüngsten Investoren sahen vor, in der ehemaligen Ladenpassage auf dem Sockelgeschoss kleine, begrünte Appartements einzurichten. Von „blühenden Landschaften“, die versprochen worden seien, sprach Regine Kramarek (Grüne). Auch gab es Ideen, auf der Seite zum Capitol eventuell eine Einrichtung zum Betreuten Wohnen zu schaffen. Diesen Ideen, die nicht vertraglich bindend waren, erteilte Windhorst eine Absage: Es werde keine zusätzlichen Wohnungen in seinen Gewerbearealen geben. Auf Nachfrage des Grünen-Ratsherrn Daniel Gardemin aber sagte er, die Planung für eine Shopping-Mall mit Eingang zum Küchengartenplatz werde zeitgerecht umgesetzt. OB Schostok sagte: „An den Zeitplänen wird nicht gerüttelt.“

Und die Durchwegung zur Ida-Arenhold-Brücke?

Der Bund hat das Schaffen eines Fuß- und Radwegs zwischen Gartenallee und Ida-Arenhold-Brücke als Projekt mit besonderer städtebaulicher Bedeutung eingestuft und gibt 2 Millionen Euro, die die Stadt um eine weitere Million aufstockt – aber das Fördergeld droht zu verfallen. OB Schostok sagt, es gebe bei Sapinda die Bereitschaft, schon nächste Woche konkrete Schritte für das Projekt vorzubereiten, auch wenn Windhorst noch nicht final Eigentümer ist. In Kürze solle es dazu eine Bürgerversammlung gebe,

Was sagt die Kommunalpolitik?

Fraktionsübergreifend machten fast alle Redner aus ihrer Skepsis gegenüber den Ankündigungen keinen Hehl. „Was Sie sagen, haben vor Ihnen schon alle anderen Investoren versprochen“, sagte FDP-Mann Engelke. „Keiner glaubt, dass der Drops in zwei bis drei Jahren gelutscht ist“, sagte SPD-Fraktionschefin Christine Kastning. „Wir haben das Vertrauen verloren“, sagte Regine Kramarek (Grüne). „Wir sollten den Druck nicht vermindern“, sagte David Müller (Linke) aus Linden. „Wir werden Sie an Ihren Taten messen“, sagte Gabriele Steingrube (CDU) aus Linden. Einzig Anne-Maria Gahbler (SPD) sagte: „So lange ich keine anderen Erkenntnisse habe, kann ich Ihre Vorstellungen positiv sehen.“ Erstaunlicherweise war das auch das Schlusswort.

Von Conrad von Meding

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