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Hannover Le Fly feiert mit dem Publikum Party in der Faust 
Nachrichten Hannover Le Fly feiert mit dem Publikum Party in der Faust 
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00:15 20.12.2017
Tanzmusiker mit viel Energie: Le Fly. Quelle: Le FLY
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Hannover

 Es dauert nicht lange, da versinken die ersten paar Reihen in der 60er Jahre Halle in der Faust im Moshpit. Sukzessive arbeitet sich die Musik von Le Fly von da aus durch die Reihen: Hinter diesem Kreis der wilden Tänzer beginnt das Publikum zu hopsen, hinter den Hopsern sind sind die Klatscher, und selbst der Teil des Publikums, der mit einem Bier in der Hand an die hintere Wand der Halle gelehnt steht, beginnt, wenigstens mit einem Fuß rhythmisch auf den Boden zu tappen. 

St. Pauli Tanzmusik“ nennt die Band ihre Musik, konkret heißt das: Eine verschwitzte Mischung aus Sunshine-Reggae, Ska, Punk, Rap, ein wenig Metal, viel „Hey! Hey!“ und „Jump! Jump!“, mit denen das Publikum in Bewegung gebracht werden soll. 

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Die beiden Frontmänner – vor allem der Rapper Schmiddlfinga mit Bommelmütze – halten die Energie beim Publikum hoch und lassen ihm zwischen verschiedensten Anweisungen (mitsingen, hochspringen, klatschen, im Kreis aufstellen, aufeinander zulaufen) keine Zeit zur Ruhe zu kommen. Den Hauptteil der Arbeit erledigen dabei der Bass und die Drums, zusätzlich erzeugt die achtköpfige Truppe noch Druck durch einen Bläsersatz. 

Und obwohl die Energie immer hoch bleibt, erschöpft sich die Partymusik doch recht schnell, beginnt der eklektische Stilmix in jedem Song schnell gleich zu klingen. Da ist es ein Glücksfall, dass in der Mitte der Konzertes die Bühnentechnik teilweise ausfällt und die Band gezwungen ist, das mit ein wenig Improvisation zu überbrücken. 

Schmiddlfinga hält das Publikum zuerst dazu an, „Oh du fröhliche“ zu singen, dann entspinnt sich zwischen ihm und seinem Sängerkollegen der Dialog: „Was machen wir jetzt?“ „Keine Ahnung“ „Aber wir stehen auf der Bühne“, woraufhin die beiden versuchen, einen Freestyle der rappen, der in dem Reim „Hannova, ja, der Strom ist wieder da“ gipfelt. 

Le Fly nimmt sich nie ernst – mitten in einem Lied kann es durchaus mal sein, dass David Hasselhoffs „I‘ve been looking for freedom“ angestimmt wird, oder „Coco Jambo“. So kommt bei Le Fly in der Faust durchaus eine bewegungsintensive Party heraus. Trotzdem ist Le Fly keine Partykapelle, die nur gute Laune kann. Dafür ist die Musik zu wild zusammengeschraubt, dafür sind aber vor allem die Texte (bis auf das Lied „We love St. Pauli“) zu weit entfernt von Schalala-Mitgrölrefrains, die Songs zu textlastig, Zeilen wie „Hamburg hat mehr Brücken als Venedig / Ich chill mich an die Elbe um zu sehen wie der nächste Kahn in See sticht“ zu klug. 

Das macht le Fly zu einer Band, die auch live auf mehreren Ebenen Spaß macht – nicht nur da, wo Bass und Drums in die Beine gehen, sondern auch da, wo sich hinter dem unbedingten Willen zur Party eine große Menge an Selbstironie, Anspruch und sympathischem Understatement steckt. 

Von Jan Fischer