Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Diese Leibniz-Ring-Verleihung rockte
Nachrichten Hannover Diese Leibniz-Ring-Verleihung rockte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 22.12.2017
Die Verleihung des Leibniz-Rings an Hans Georg Näder (Mitte): Links seine Tochter Georgia, Peter Maffay, rechts Näders Verlobte Nathalie Scheil sowie Jürgen Köster. Quelle: Rainer_Droese
Anzeige
Hannover

Dieses Mal hat alles geklappt. Niemand hat den Ring gestohlen, mit dem Ottobock-Chef Hans Georg Näder am Dienstagabend im Congress-Centrum für sein unternehmerisches und menschliches Engagement ausgezeichnet wurde. Im Vorjahr, ausgerechnet bei der Preisverleihung an Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler, waren der Preisträgerring und alle 16 anderen, von Goldschmieden kunstvoll gefertigten Ringe vor der Feierstunde gestohlen worden. Sie sind trotz intensiver Ermittlungen, Verhören und einer Haudurchsuchung nicht wieder aufgetaucht. 

Der Leibniz-Ring, verliehen vom hannoverschen Presse-Club und dotiert mit 15.000 Euro, ist eine der höchsten Auszeichnungen, die in Hannover vergeben werden. Viel überregionale Prominenz im Kuratorium und eine gute Auswahl der zu Würdigenden sorgen regelmäßig für das nötige Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit. In diesem Jahr aber ist nicht nur der Preisträger eine Überraschung. Der amtierende Außenminister Sigmar Gabriel hielt die Laudatio, Rockstar Peter Maffay sang eine Lobeshymne auf Näder und die Freundschaft. Solch eine Ballung großer Namen gibt es nicht alle Tage in der Leinestadt. 

Die Erklärung liegt in der Person Näders begründet. Der 56-Jährige, der den Familienbetrieb seit fast 30 Jahren führt, gilt als Ausnahmeunternehmer. Weltoffen und den Menschen zugewandt, voller Ideen und Initiative, unermesslich reich und trotzdem nicht unnahbar. Näder hält als Gastprofessor Vorlesungen in Peking und Göttingen, ist mit dem Niedersächsischen Staatspreis ausgezeichnet worden, bleibt aber trotzdem seiner Heimatstadt Duderstadt treu. Auch wenn sich sein Leben mittlerweile stark nach Berlin orientiert. 

Mit seinem Unternehmen Ottobock macht Näder Lahme mobil und gibt Gehandicapten ihre Bewegung zurück: Ottobock ist ein Medizinkonzern, der sich auf Prothesen spezialisiert hat und mit Roboter-Hightech arbeitet. Dass das Unternehmen trotz seiner weltweiten Ausdehnung in Niedersachsen beheimatet ist, freut naturgemäß besonders den Schirmherrn des Leibniz-Rings, Ministerpräsident Stephan Weil. Der sprach am Dienstagabend vor 530 Gästen von unternehmerischer Verantwortung, aber auch davon, wie wichtig es ist, dass Unternehmer zum Wohle der Gesellschaft abgeben. In diesem Sinne sei Näder der Prototyp des „vorbildlichen Unternehmers“. 

Und Näder handelte auch an diesem Abend wieder vorbildlich. Das Preisgeld von 15.000 Euro gab er Außenminister Gabriel mit, damit dieser es einem Projekt für Kinder und Mütter zuführe. Und selbst kündigte er an, im neuen Jahr eine Stiftung gegen Kinderarmut zu gründen und mit einer Million Euro auszustatten. „Es ist komisch, dass in diesem armen Land Kinder unter der Armutsgrenze leben“, sagte Näder, „und dieses Komische sollten wir abschaffen.“ Das gab großen Applaus.

Ottobock ist nach dem Ersten Weltkrieg damit groß geworden, Prothesen für Kriegsversehrte zu bauen. Auch heute noch ein Aufgabengebiet – so hilft die Stiftung des Unternehmens im türkisch-syrischen Grenzgebiet Kindern und Jugendlichen, die im Bürgerkrieg Beine und Arme verloren haben. Doch es geht eben auch um Hochleistungssport. Heinrich Popow, mehrfacher Paralympics-Sieger und Welt- sowie Europameister mit insgesamt 29 Medaillen und aktueller Weltrekordler im 100-Meter-Sprint und Weitsprung, zeigte im HCC zum Auftakt der Veranstaltung, welche technischen Wunder die Ottobock-Medizintechnik zu vollbringen vermag. 

Würdevoll ging es zu, als der amtierende Außenminister Gabriel seine Laudatio auf den Preisträger hielt. Duderstadt gehört zum Wahlkreis Gabriels, der Spitzenpolitiker und der Unternehmer duzen sich – Näder hatte sich Gabriel als Laudator gewünscht. Gabriel lobte das weltumspannende Engagement des Unternehmers, sein wirtschaftliches Geschick, aber auch seine Nähe zu den Mitarbeitern und das soziale Engagement. 

Danach aber wurde es rockig. Peter Maffay, langjähriger Freund Näders, hatte als musikalische Unterstützung den Gitarristen und Musikproduzenten Carl Carlton (ehemals Manfred Mann´s Earthband) mitgebracht sowie den überregional bekannten Keyboarder Peter Kravetz und den Gitarristen Peter Keller aus der Maffay-Band. Es gab erst die Carlton-Komposition „Es lebe die Freundschaft“ und dann natürlich „Über sieben Brücken“. Dazu sangen Popsternchen Linda Teodosiu und Musikerin Charlotte Scheibel im Chor – da wippten auch Preiskuratatoren wie Liz Mohn (Bertelsmann), die Fernsehleute Peter Hahne (ZDF), Jan Hofer (Tagesschau) und Markus Schächter (ehem. ZDF-Intendant) sowie NDR-Intendant Lutz Marmor und Jürgen Köster (Vorsitzender Presse-Club) mit den Füßen. Auch Oberbürgermeister Stefan Schostok gehört zum Kuratorium des Preises, bei ihm im Rathaus hatte sich Näder am Nachmittag ins Goldene Buch eingetragen. 

Näder bedankte sich bescheiden für die Ehrung: Der Preis sei eine „echtes Highlight im Lebenslauf, Wertschätzung 4.0“. Niedersachsen sei „ein guter Boden für die Zukunft“, sagte er und erbat von der Politik mehr Flexibilität, damit es vorangehe im land. 

Für Näder hatte die Jury unter 16 Ringen den des Isernhagener Goldschmieds Marco Kurapkat ein Modell ausgewählt, bei dem sich ein präzise gearbeiteter Mini-Rollstuhl aus der Ringform klappen lässt. „Ein Unikat“, sagte Näder, das Kunstwerk zeuge von „Inspiration, Kreativität und handwerklicher Klasse“. Allerdings schätze er auch alle anderen Entwürfe. Näder hat deshalb angekündigt, alle 16 Ringe zu kaufen. Die Geste hatte auch schon Neurologie-Professor Madjid Samii gezeigt, der Leibniz-Ring-Preisträger von 2013.

Chef von 7800 Mitarbeitern

Gut gelaunt ist der 56-jährige, frisch gebackene Leibniz-Ring-Preisträger Hans Georg Näder nach Hannover gekommen: Er gilt als gesellig und zugleich führungsstark, eine Unternehmerpersönlichkeit mit besten Kontakten in die High-Society und trotzdem viel Bodenhaftung. Im HCC erschien er zur Preisverleihung mit seiner gut 30 Jahre jüngeren Verlobten Nathalie Scheil (25) und seinen zwei Töchtern. Pfingsten will er seine Lebensgefährtin heiraten, „bei einer lässigen Strandhochzeit“, wie er kürzlich verriet. Große Altersunterschiede habe er bei Paaren früher immer seltsam gefunden – inzwischen wisse er, dass das bei den einen funktioniere, bei den anderen nicht. „Erfahrung und Jugendlichkeit“ könnten „sich in irgendeiner Weise anziehen“, sagt Näder.

Der Manager führt das Unternehmen Ottobock in Duderstadt bei Göttingen seit 1990 in dritter Generation. Sein Großvater Otto Bock hat es 1919 in Berlin-Kreuzberg gegründet, bei seinem Einstieg als Chef war Näder 28 Jahre alt. Inzwischen arbeiten in mehr als 50 Ländern 7800 Leute für die von ihm geführte Ottobock Gruppe, 2015 erwirtschaftete sie einen Umsatz von gut einer Milliarden Euro.

Die Firma, die sich unter Näder zum Hightechbetrieb entwickelt hat, konzipiert Prothesen und medizinische Hilfsmittel, vor allem für Menschen mit Behinderung. In 140 Ländern erlangen Menschen mit Beeinträchtigung dank der Ottobock-Medizintechnik ihre Mobilität zurück. Näder ist seit 1988 aktiv bei allen Paralympics (Sommers wie Winters) vertreten. Er habe in seiner Familie Werte wie „Humanismus, Respekt und Begegnungen auf Augenhöhe“ vermittelt bekommen, diese wolle er weitergeben, hat er jüngst in einem Interview gesagt. Als Multimillionär will Näder andere teilhaben lassen – deshalb unterstützt er Projekte wie die des Deutschrockers Peter Maffay: Drei Tabaluga-Häuser wurden mit Näders Unterstützung gebaut: in Maffays Heimat Siebenbürgem, in Rio de Janeiro und natürlich in Duderstadt, der Ottobock-Heimat.

Von Conrad von Meding

Die Üstra hat einen neuen Vorstand. In der Kommunalpolitik fragen sich manche, was Üstra-Chef Volkhardt Klöppner für den Job qualifiziert. Klöppner hat keine Erfahrung mit Nahverkehrsunternehmen.

22.12.2017
Hannover Kleintiere verbreiten sich - Invasion der Papierfischchen in Hannover

Sie sind etwas größer als Silberfischchen und verbreiten vor allem in Archiven Angst und Schrecken, weil sie Papier fressen: Papierfischchen werden jetzt immer öfter auch in Hannover nachgewiesen. Derzeit ist eine Wohnung in Bemerode befallen.

19.12.2017

Erst streiten sich die kleinen und die großen Fraktionen in der Region, dann wird es doch noch weitgehend weihnachtlich-friedlich. Am Schluss stimmt die Regionsversammlung dem Haushalt für 2018 zu. 

22.12.2017