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Hannover Nachbarn ärgern sich über geplanten Neubau
Nachrichten Hannover Nachbarn ärgern sich über geplanten Neubau
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00:22 26.10.2018
Entwurf für die geplante Leibniz School of Education. Quelle: KSG Architekten
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Nordstadt

Ein geplanter Neubau zur Lehrerausbildung am Rande des Uni-Campus stößt auf Vorbehalte. Zu massiv, zu hoch, zu klobig erscheint Anliegern das Gebäude. Deshalb hat die Leibniz-Universität rund 65 Anwohnern, Uni-Mitarbeitern sowie Politikern am Montag den Planungsstand erläutert. Die Uni will das viergeschossige, im hinteren Teil fünfgeschossige Gebäude für ihre Leibniz School of Education auf dem eigenen Grundstück Im Moore 11a errichten. Die Stimmumg ist aufgeheizt. Manche Nachbarn lehnen den Standort schlicht ab, einige schlagen andere Orte auf dem Unigelände als Standort vor. Oder mehrere zweigeschossige Häuser an verschiedenen Stellen.

Doch andere Bauplätze sind längst belegt, oft auch zu klein für das Vorhaben. Die Studentenzahl ist stetig gestiegen, gleichzeitig weitet die Uni erfolgreich ihre Forschungsaktivitäten aus. „Wir brauchen den Platz, unsere Flächen sind begrenzt“, betont Uni-Präsident Volker Epping. „Warum gehen Sie dann nicht nach Garbsen, wenn hier sowieso zu wenig Platz ist?“, fragt eine Frau. Da die zukünftigen Lehrer für Fächer wie Mathematik oder Deutsch Fachveranstaltungen an Fakultäten in der Nordstadt besuchen, kommt das nicht infrage. „Weil wir die Leibniz-Universität Hannover sind“, entgegnet Epping.

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20 Prozent der Uni-Studenten bereiten sich auf den Lehrerberuf vor. Einen Teil ihrer Ausbildung sollen sie nun an einer zentralen Stelle absolvieren. Diese 5000 Studenten werden sich nie gleichzeitig in dem Neubau aufhalten, der Platz für rund 600 Menschen bietet sowie für knapp 200 weitere bei Veranstaltungen. „Das ist keine überbordenden Baumasse, die die Nordstadt erschlägt“, betont Stadtplaner Andreas Zunft. Die Stadtverwaltung sei „heilfroh“, dass die mögliche Höhe auf dem Baugrundstück genutzt werde. Architekt Johannes Kister vom Büro KSG Architekten erläutert, dass er Klinkerfassade und die Traufhöhe der Nachbargebäude aufgreift.

Etliche Nachbarn fühlen sich jedoch vor vollendete Tatsachen gestellt, fordern eine (gesetzlich nicht vorgeschriebene) Bürgerbeteiligung und Mitentscheidungsrecht für das Haus in ihrer Nachbarschaft. Sie befürchten zukünftig mehr Verkehr und Parkplatznot. Auf Bedenken zur Belieferung der Baustelle hat die Uni reagiert. Zunächst sollte der komplette Verkehr durch die Straße Am Puttenser Feld abfließen. Nun soll die Baustelle durch die Nelkenstraße und Im Moore beliefert werden, die Lastwagen verlassen das Areal über das Unigelände. Für eine zweite Lagerfläche schlagen die Fahrzeuge zur Abfahrt die Route Am Puttenser Feld ein. Den Bauantrag will die Uni in Kürze stellen. Die Bauzeit soll ab Winter 2019/2020 rund zwei Jahre betragen.

Kommentar: Wenn der Nachbar baut

Selbstverständlich reißt sich wohl niemand darum, mindestens zwei Jahre mit einer Baustelle vor der Haustür zu leben. Einen Neubau, der dem eigenen Haus sehr nahe rückt, wünscht sich ebenfalls kaum ein Eigentümer. Dennoch verwundert der Ton, den manche Nachbarn der Leibniz-Universität anschlagen. Ein viergeschossiger Bau sei nicht angemessen in einem Wohnviertel, behaupten einige Anlieger. Dabei entspricht die Höhe den Nachbarhäusern. Nachbarn mahnen die gesellschaftliche Verantwortung und Sensibilität der Hochschule an – und meinen dabei ihre eigenen Belange. Eine Bürgerbeteiligung wird gefordert, wie die Stadt sie am Steintor leistet. Doch sollte, was für einen zentralen Platz in der Innenstadt sinnvoll erscheint, wirklich vor jedem öffentlichen Bauvorhaben laufen, egal welcher Größe? Die Uni will zukünftig regelmäßig einen Bürgerdialog veranstalten. Das ist ratsam, damit sie auf Probleme früher reagieren kann. Jeder Wunsch lässt sich damit aber nicht erfüllen.

Von Bärbel Hilbig