Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover So geht es auf der Mammut-Baustelle für den Campus Maschinenbau in Garbsen voran
Nachrichten Hannover So geht es auf der Mammut-Baustelle für den Campus Maschinenbau in Garbsen voran
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:28 11.05.2019
In Garbsen wächst der Campus Maschinenbau der Leibniz-Uni empor. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Die Gebäude für den neuen Campus der Leibniz-Universität in Garbsen stehen zwar bereits. Doch ruhig zurücklehnen kann sich Joachim Runkel noch lange nicht. Der Projektleiter aus der Maschinenbau-Fakultät ist jeden Tag unermüdlich auf Niedersachsens größter Hochschul-Baustelle unterwegs. Denn der äußere Eindruck täuscht: In Hallen und Gängen härtet noch der Estrich aus, Kabelenden ragen aus Wänden.

Die Uni will in Garbsen ihren Maschinenbau mit rund 5300 Studenten und Beschäftigten konzentrieren. Und die Zeit läuft: Das Wintersemester 2019 startet am 14. Oktober, vorher müssen Professoren und Mitarbeiter von der Nordstadt auf den neuen Campus ziehen. „Wir werden später hier sehr gute Bedingungen haben“, glaubt Runkel. „Wir bauen wirklich so, dass die Anforderungen der Institute erfüllt sind.“ Damit das klappt, ist der Oberingenieur aus dem Institut für Turbomaschinen und Fluiddynamik als Vermittler im Einsatz. 

Der 64-Jährige hat die Wünsche seiner Kollegen im Kopf und wacht darüber, dass die Bauarbeiter nicht unversehens einen falschen Handgriff machen, weil ihnen der Ansprechpartner fehlt. Hundert bis 200 Handwerker und Arbeiter wuseln täglich über die Baustelle, acht Gebäude entstehen auf der sinnbildlich gesprochen grünen Wiese. Manche Bauten beherbergen neben Büros und Seminarräumen große Hallen, in denen später Versuche mit teils monströsen Maschinen laufen. Bei den Planungen mussten die Planer peinlich genau darauf achten, wie sie die Forscher nebeneinander platzieren. „Es gibt welche, die machen Krach und stinken“, erklärt Runkel. Andere Wissenschaftler brauchen für ihre Schalluntersuchungen im Akustikraum eine stille und staubfreie Umgebung. Noch ist an solche Feinheiten nicht zu denken.

„Wir sind im Zeitplan“, betont Universitätspräsident Volker Epping, „aber nicht im Kostenplan. Die allgemeine Baukostensteigerung trifft uns natürlich auch.“ Aktuell rechnet die Bauabteilung der Leibniz-Uni mit rund 165 Millionen Euro Gesamtkosten. Im Herbst soll im Landtag ein Nachtrag eingereicht werden. Unerwartete Probleme gab es mit einer von mehreren Firmen, die Estrich verlegen. „Die erforderliche Qualität wurde nicht annähernd erreicht“, berichtet Uni-Baudezernent Horst Bauer. Der Estrich musste wieder raus, ein Rechtsstreit steht ins Haus.

Forschung für die Energiewende

Die Neubauten gruppieren sich um eine zentrale Campuswiese. „Jeder Mensch kann sie später betreten“, erzählt Joachim Runkel. Die grüne Rasenfläche existiert bisher allerdings nur in der Fantasie der Planer. Noch prägen Sand und Schotter die Baustelle, warten Drainagerohre auf ihre Verlegung. In fast allen Gebäuden sind die Fahrstühle eigentlich Lastenaufzüge, auch wenn sie nicht unbedingt so aussehen. Maschinenbauer brauchen das: Wer weiß schon, was für ein schwer gewichtiges Gerät in einigen Jahren für ein neues Forschungsprojekt notwendig wird. In den Büros: rohe Betonwände. In den Fluren: offene Decken, die Kabel und Rohre sichtbar lassen. Das soll so. Die Botschaft: Hier wird gearbeitet.

Das machen bis jetzt noch vornehmlich die Bauarbeiter. Auf einem Flachdach kraxeln Handwerker herum und bringen eine thermische Spezialisolierung an einer Ablufthaube an. „Die austretende Luft kann dort später bis zu 250 Grad warm werden“, berichtet Runkel. In dem von Bund und Ländern finanzierten Forschungsbau „Dynamik der Energiewandlung“ (DEW) wird eine Kompressorstation mit Druckluft Turbinen antreiben, die Forscher in mehreren Kammern parallel testen können. Sollte in einem Prüfstand eine der sehr schnell rotierenden Maschinen bersten, können dank dicker Stahl-Betonwände Versuche in den Nebenräumen ungestört weiterlaufen. Der Forschungsbau liegt Runkel besonders am Herzen, weil er die Energiewende voranbringen kann. „Da Sonne und Wind mal viel, mal wenig Strom liefern, brauchen wir Kraftwerke, die schnell auf diese Schwankungen reagieren.“

Studenten essen in fünf Schichten

In der Mensa werden 265 Studenten gleichzeitig essen können, in einem hohen lichtdurchfluteten Raum mit gläsernen Außenwänden zu drei Seiten. „Wir rechnen mit fünf Durchgängen beim Essen“, berichtet Baudezernent Bauer. Und danach lässt sich die Essensausgabe komplett schließen. Der Speisesaal verwandelt sich nachmittags in einen luxuriösen Arbeitsraum für die Studenten, der sich auch für Seminare und Veranstaltungen eignet. Neben der Mensa steht ein eigenes Haus für die Studenten mit Arbeitsplätzen und Seminarräumen. Es ist teils aus den inzwischen abgeschafften Studiengebühren finanziert, die offiziell zur Verbesserung der Studiensituation dienen sollten. „Die Studenten hatten damals beschlossen, eine Million Euro zum Bau beizutragen, und das haben wir auch einkassiert“, erzählt Bauer.

Doch trotz der zukünftigen attraktiven Arbeitsbedingungen: In den ersten Semestern werden die Maschinenbau-Studenten weiter vor allem in Hannover lernen. Die Vorlesungen für Anfänger laufen in großen Hörsälen, teils gemeinsam mit anderen Ingenieurstudenten. Dass sie später im Studium noch nach Garbsen ziehen, glaubt Uni-Baudezernent Bauer nicht. „Die meisten sind dann längst in der Nordstadt und Linden verankert.“

Der neue Campus in Zahlen

Auf dem neun Hektar großen Campus für Maschinenbau in Garbsen entstehen mit etwa 20.750 Quadratmeter Nutzfläche drei Institutsgebäude für zwölf Institute, der Forschungsbau Dynamik der Energiewandlung, ein Hörsaalgebäude, eine Mensa, ein Haus für Studierende mit Seminarräumen und Arbeitssälen sowie ein Technikgebäude. Sieben Maschinenbau-Institute sind bereits seit 2004 als Produktionstechnisches Zentrum (PZH) in Garbsen angesiedelt – direkt gegenüber der jetzt entstehenden Bauten.

Damit Studenten auf der einst grünen Wiese lernen und Forscher experimentieren können, haben zuvor Arbeiter für den Campus viel bewegt: 25.000 Kubikmeter Boden beiseitegeschafft, 6.650 Rüttelstopfsäulen zur Stabilisierung des Baugrunds gesetzt, 4.500 Tonnen Stahl, 23.600 Kubikmeter Beton, 2.100 Betonfertigteile, 80.000 Quadratmeter Gipskartonplatten, 3.000 Quadratmeter Zementbauplatten verbaut, 1000 Kilometer Kabel in Kabeltrassen verlegt sowie 1.800 Fenster und 550 Türen eingesetzt.

Weitere Berichte, Interviews und Reportagen zum Thema lesen Sie hier:

"Die Studierenden müssen in die Stadtteile gehen": Interview mit Innovationsforscherin Iris Klaßen

Gastronomen in Garbsen denken über Rabatte für die Studenten nach

Wie kommen Garbsener und Universität zusammen? Eine Podiumsdiskussion zeigt, dass es viel Redebedarf gibt

200 Arbeiter, 50 Gewerke: So funktioniert die Arbeit auf der Baustelle

Warum sich nach dem tödlichen Unfall im Januar die Sicherheit der Arbeiter Priorität hat

11 Kilometer überwinden, aber wie? Studenten machen Vorschläge

München als Vorbild für Garbsen? Auch hier ist der Campus an den Stadtrand gezogen

Wie viele Studenten kommen denn jetzt nach Garbsen? Laut neusten Rechnungen sind es höchstens 2000

Hier entsteht das Studentenwohnheim – Grundsteinlegung am 14. November 2018

Die Geschichte des Campus Garbsen beginnt vor 50 Jahren – eine Chronik

Joachim Runkel kennt die Campus-Baustelle wie kein anderer – ein Rundgang

„Ich erwarte, dass man klotzt statt kleckert“: Interview mit Student Phil Demter

Was braucht der neue Campus? Die Innovation Cell schmiedet Pläne.

Diese 20 Institute gehören zur Fakultät für Maschinenbau – ein Überblick

Eckhard Stasch hält Erinnerungen an die Nordstadt in Fotos und einer technischen Sammlung fest

Von Bärbel Hilbig

Die Leibniz-Universität bekommt 200.000 Euro für das historische Gebäude. Sie baut den ehemaligen königlichen Pferdestall zum Veranstaltungszentrum um.

11.05.2019

Kulturvereine, Beratungsstellen und Migranteninitiativen werden von der Stadt Hannover künftig stärker gefördert. Die Zuschüsse zu den Personalkosten sollen sich ab kommendem Jahr an den Tarifabschlüssen im öffentlichen Dienst orientieren. Für 2020 hat die Stadt 350.000 Euro zusätzlich für diese freiwilligen Leistungen eingeplant.

08.05.2019

Aus der Städtebauförderung bekommen die Stadtteile Hainholz und Stöcken auch im Jahr 2019 Geld. Mit der Förderung sollen Attraktivität und Wohnqualität verbessert werden.

08.05.2019