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Hannover Erst Deutsch, dann Einschulung? HAZ-Leser diskutieren mit
Nachrichten Hannover Erst Deutsch, dann Einschulung? HAZ-Leser diskutieren mit
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14:16 10.08.2019
Wie sollen Kinder in Deutschland die Sprache lernen – vor oder in der Schule? Quelle: Jens Büttner/dpa
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Hannover

Wie erlernen Kinder die deutsche Sprache, ohne ausgegrenzt zu werden? Über diese Frage gehen die Meinungen auseinander. Die Forderung von CDU-Politiker Carsten Linnemann, Kinder sollten die Grundschule erst besuchen, wenn sie über ausreichend Deutschkenntnisse verfügen, beschäftigt die HAZ-Leser. Viele haben sich mit Leserbriefen an der Diskussion beteiligt. Eine Auswahl:

Späte Förderung wäre deutlich teurer

Viele Äußerungen zu diesem Thema zeigen Empörung über den Vorschlag des Herrn Linnemann, und viele glauben, dass die Schule schon in der ersten Klasse das Allheilmittel ist, um die deutsche Sprache zu lernen. Mit Verlaub: Das ist Unfug. Meines Erachtens liegt sehr viel Verantwortung bei den Eltern, dass Kinder schon früh beginnen die Sprache zu erlernen, zu Hause nämlich. Aber wenn es die Eltern nicht können und es auch nicht zulassen, dass andere ihren Kindern beim Erlernen der Sprache helfen möchten, nützen alle „Vorschriften“ nichts. Dann muss man zusehen, dass solche Kinder nicht abgehängt werden, weil sie dem Schulunterricht nicht folgen können, vielleicht auch nicht wollen.

Abgehängte Schüler können einen Schulbetrieb deutlich negativ beeinflussen. Das wäre aber „normalen und guten“ Schülern auf Dauer nicht zuzumuten. Eine Ausrichtung des Unterrichtes nach dem schwächsten Glied, wie es gewisse Leute gern sähen, hätte aber für das Schulniveau und die Ergebnisse höchst bedenkliche Folgen.

Als Konsequenz wäre eine Vorschule vor dem eigentlichen Schulbeginn sehr angebracht. Der Aufwand dafür müsste erbracht werden, denn alles andere wäre später sehr viel teurer. Klaus-Hinrich Heeren, Hannover

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Weg vom „für alle das Gleiche“

Erschüttert sind wir über den Exklusionsgedanken von Herrn Linnemann, Kinder aufgrund von noch nicht vorhandenen deutschen Sprachfähigkeiten von ihrer Altersgruppe zu exkludieren und erst wenn sie die Sprache gelernt haben, zur Grundschule zuzulassen. Welche Auswirkungen hat es wohl für ein Kind, wenn es als Achtjähriges mit den sechsjährigen Lernanfänger*innen startet? Nicht das Kind mit anderen Sprachkenntnissen ist falsch in der Gesellschaft – sondern unser Grundschulsystem.

Grundschulen sind die einzige Schulform in Deutschland, auf die der Name „eine Schule für alle“ zutrifft. Sie sind Startpunkt der schulischen Bildungskarriere eines Kindes. In ihnen wird versucht, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten, und dass funktioniert in sehr vielen Schulen auch sehr erfolgreich!

Die Ausstattung der Grundschulen müsste allerdings noch mehr den Bedarfen der Kinder angepasst werden, etwa mit mehrsprachigen Menschen und Fachkräften in Schulen als Gestalter*innen von Übergängen von der Kita zur Schule, von der einen in die andere Sprache und Kultur, einer bedarfsgerechten Ressourcenaufstockung der Grundschulen – weg von „für alle das Gleiche“ sowie einer Erweiterung der Grundschulzeit auf zehn Jahre. Und letztendlich müssen wir weg von einem Unterricht, der nur auf Sprache ausgerichtet ist. Wer von uns hat denn das Gehen gelernt, weil man es ihm oder ihr erklärt hat? Petra Schaa, Kinderladen – Initiative Hannover e.V.

Tonne weit von der Realität entfernt

Die Reaktion von Kultusminister Grant Hendrik Tonne auf den Vorschlag des CDU-Politikers Linnemann, Kindern noch vor deren Einschulung die deutsche Sprache beizubringen, zeigt erneut, wie weit sich Herr Tonne von der Realität entfernt hat. Kinder werden ausgegrenzt, wenn sie in einen Klassenverband nicht integrierbar sind, eben weil sie nichts verstehen. Diese Kinder die deutsche Sprache vor der Einschulung lernen zu lassen, ist der einzige Weg, Integration rechtzeitig und mit Chancen auf Erfolg zu starten. Wolf Eckelmann, Hannover

Eltern in eine Elternschule schicken

Die hohe Anzahl von Erstklässlern mit sprachlichen Defiziten mit und ohne Migrationshintergrund wundert mich nicht. Wenn ich einen Großteil der Eltern (insbesondere die Mütter, die ja die meiste Zeit mit den Kindern verbringen) im öffentlichen Raum beobachte, sprechen sie überhaupt nicht mit ihren Kindern über das, was um sie geschieht, da ihre Aufmerksamkeit nur auf das Display ihres Smartphones gerichtet ist. Die bedauernswerten Kinder sitzen gelangweilt im Kinderwagen und sind sich selbst überlassen. Kommunikation findet nicht statt, das soll dann die Politik mit unterschiedlichen Schulformen ausbügeln!? Schickt diese Eltern erst noch einmal in eine Elternschule!Brigitte Brauer, Burgdorf

Kommentar sollte Pflichtlektüre sein

Zum Kommentar „So geht’s nicht“ vom 7. August:

Den Kommentar von Herrn Brandt zum Thema Einschulung hätte die HAZ auf die ganze erste Seite setzen und zu Pflichtlektüre erklären sollen. Martin Vogt, Hannover, zum Kommentar „So geht’s nicht“ vom 7. August.

(Hinweis: Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Geben auch Sie einen Leserbrief ab!)

Von red

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