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Hannover Klima-Wende? Heimliche Steuererhöhung? So diskutieren die HAZ-Leser über Klima-Paket und Demos
Nachrichten Hannover Klima-Wende? Heimliche Steuererhöhung? So diskutieren die HAZ-Leser über Klima-Paket und Demos
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17:03 23.09.2019
30.000 Teilnehmer marschierten am Freitag für eine neue Klimapolitik durch Hannooevr – hier zu sehen auf der Raschplatz-Hochschtraße. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Was kann das Klimapaket der Bunderegierung bewirken? Haben die am Freitag vorgestellten Regelungen – Bezin wird teurer, Bahn fahren billiger, die Pendlerpauschale geht rauf ... – tatsächlich das Potential, den Klimawandel aufzuhalten? Oder stellen sie wenigstens sicher, dass die Deutschland die selbst gesteckten Klimaziele immerhin 2030 erreicht – während sie 2020 mit größter Wahrscheinlichkeit verfehlt werden? Das Thema polarisiert wie kaum ein anderes zurzeit. Das spiegelt sich auch in den Briefen der HAZ-Leser an die Redaktion zum Artikel „CO2-Preis kommt, aber Millionen Demonstranten reicht das noch nicht“ vom 21. September wider. Hier eine Auswahl.

Crash wird hinausgezögert

Dass sich unser Klima seit einigen Jahrzehnten verändert hat, ist unumstritten. Fraglich bleibt allerdings, in wie weit es sich wieder „zum Guten“ hin entwickeln würde, wenn Deutschland – sagen wir: von der Landkarte verschwinden würde. Wird es aber nicht. Dafür macht die Regierung mal schnell eine Summe von mehr als 50 Milliarden locker – einen Betrag, den wir seit 2015 für eine andere Aufgabe jährlich „schaffen können müssen“.

Nun darf man durchaus vermuten, dass es für eine menschengemachte Korrektur des Weltklimas leider zu spät ist, und den Fokus daher auf einen anderen, vielleicht sogar den eigentlichen Beweggrund für diese Geldausschüttungen aus dem überschuldet leeren Füllhorn richten: dem unweigerlich kommenden Crash des Geldsystems noch etwas Zeit zu kaufen. Denn was für einen Sinn macht es, bestehende Autos, Häuser, Heizungen und Infrastruktur zu entsorgen, um sie durch Neues zu ersetzen? Wie sieht hierbei die gesamte Ökobilanz aus? Ist es hier nicht viel eher der panische Versuch, ein weiteres Konjunkturprogramm zu starten, um neue Schulden zu legitimieren? Neue, von der Gesellschaft „mitgetragene“ Verschuldungen, die den Crash hinaus zögern sollen?

Martin Hartmann, Babenhausen

Sind Rentner die Leidtragenden des Klimapakets? Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

Belastung für Rentner und Kleinverdiener

Tausende Menschen gingen für den Klimaschutz auf die Straße, und die Politiker zimmerten in einer Nachtsitzung noch schnell ihr Klimapaket ,als wenn davor keine Zeit gewesen wäre. Das Endresultat wird staatsmännisch präsentiert. Ich bin über das Ergebnis entsetzt, denn viele der gefassten Beschlüsse machen das Leben für Rentner und Kleinverdiener teurer. Nicht nur der Benzinpreis steigt, auch das Heizen wird teurer. Ganz zu schweigen vom Märchen mit der E-Auto-Technologie. Rentner und Geringverdiener bleiben auf der Strecke. Müssten wir als Betroffene nicht endlich einmal aufstehen und skandieren: „Auch wir sind das Volk“?

Ernst Fischer, Hannover

CSU-Chef Markus Söder (v. l.), Bundeskanzlerin Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) präsentieren in Berlin das Klimapaket. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Klimakabinett hat versagt

Da wird Vizekanzler Olaf Scholz als Mitglied des Klimakabinetts bei Bekanntgabe des Konzeptes mit den Worten zitiert: „Mit dem Klimaschutzpaket machen wir ernst.“ Wie verzweifelt und weltfremd müssen die Mitglieder des Klimakabinetts sein, wenn sie das tatsächlich glauben? Die Erkenntnisse Tausender Wissenschaftler zu dieser Thematik haben die Mitglieder des Klimakabinetts schlichtweg ignoriert. Es hat sie nicht interessiert, dass die Menschheit an einem Punkt steht, an dem sie noch nie stand, von dem es kein Zurück und kein Entkommen gibt – das ist neu.

Wir in Mitteleuropa haben durch unsere bisherige Lebensweise daran großen Anteil und besitzen trotzdem das ungerechte Privileg, dass uns die Klimakatastrophe so ziemlich als letzte betreffen wird. Damit ist nicht gemeint, dass die Sommer etwas heißer werden und die Weine etwas süßer, sondern dass Wetterextreme wie Stürme, Hochwasser und Dürren sich häufen und intensiver werden. Eine vergleichsweise harmlose Entwicklung, wenn man bedenkt, dass es in anderen Teilen der Erde schon bald ums nackte Überleben der Menschen geht.

Das Klimakabinett hat offensichtlich vergessen, dass uns bei der Bekämpfung des weltweiten Klimawandels aufgrund unserer bisherigen Lebensweise eine besondere Verantwortung obliegt. Kritiker weisen gerne darauf hin, dass der deutsche Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß nur zwei Prozent betrage, somit könne die Bundesrepublik wohl kaum die Erderwärmung abwenden, egal wie sich die Deutschen mühen. Dazu muss gesagt werden, dass Deutschland mit diesen zwei Prozent auf Platz sechs der weltgrößten Klimasünder liegt (Spitzenreiter sind China mit 28 und die USA mit 16 Prozent). Zudem sind China und die USA jeweils mehr als 25-mal größer als Deutschland. Pro Quadratmeter stößt Deutschland aber mehr CO2 aus als die beiden Wirtschaftsriesen. Und schließlich kommt noch die Vorbildrolle hinzu: Wenn die starken Wirtschaftsnationen nicht anfangen, auf eine klimaschonende Lebensweise umzustellen, warum sollten die Schwellenländer es dann tun?

Die Mitglieder des Klimakabinetts haben versagt, sie haben nicht den Mut aufgebracht schmerzhafte Maßnahmen, die unumgänglich wären, den Menschen anzukündigen und ihren Wählern zu sagen: Freiwilliger Verzicht reicht nicht, viele Menschen werden ihr Leben verändern müssen. Aber wie soll es weitergehen? Die Fridays-for-Future-Bewegung hat angekündigt, den Druck erhöhen zu wollen. Anders geht es wohl nicht.

Ewald Rothkegel, Lehrte 

Warum redet bei der Freitags-Demos niemand über Mikroplastik? Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Auch Mikroplastik verbieten

Greta Thunberg hat einen weltumspannende Welle in Gang gesetzt. Endlich wird uns allen bewusst, dass es eine Minute vor zwölf ist. Was ich jedoch bei allen Aktionen vermisse, ist der Hinweis auf Mikroplastik in Pflegeprodukten, die täglich benutzt werden. Wem ist bewusst, dass in der Handcreme Mikroplastik ist? In Duschpeeling, Shampoo, Seife, Putzmittel, Waschpulver ebenso! Tonnenweise wird heute Mikroplastik als günstiger Füllstoff in Produkte eingearbeitet – wozu? Die Industrie verdient Millionen, und wir alle zahlen den Preis. Auch hier muss schnell, sehr schnell gehandelt werden! Ein Verbot von Mikroplastik ist unumgänglich!

Christa Baum, Neustadt

Auf Kosten der Armen

Fridays for Poverty! Herzlichen Glückwunsch an alle Fridays-for-Poverty-Teilnehmer, die sich wie hypnotisierte Lämmer politisch instrumentalisieren lassen, ohne es zu merken. Ach ja, Poverty heißt Armut. Denn genau das ist es, für was die Lämmer auf die Straße gehen. Die Bundesregierung hat euch erhört, ihr könnt stolz darauf sein, dass die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden. Diesel und Benzin werden mit einer CO2-Steuer belegt und noch teurer. Eure Eltern und kleine Unternehmen wie der Bäcker oder Taxifahrer von nebenan werden es Euch danken.

Wohnraum sowie Heizöl werden ebenfalls mit einer CO2-Steuer belegt – und damit noch teurer. Viele Mieter werden es Euch danken, wenn der Vermieter die CO2-Steuer auf die Miete umlegt. Ab 2021 soll das Heizen mit Heizöl verboten werden. Das bedeutet, dass man die Heizungen auf Strom umstellen wird, was Strom zum Luxus werden lässt. Deutschland kauft jetzt schon Kohle- und Atomstrom aus dem Ausland ein, durch das Wegfallen von Heizöl wird noch mehr unsauberer Strom eingekauft. Künftig werden also Hartz-IV-Empfänger, Rentner und Geringverdiener noch weniger Geld zum Leben haben.

Glaubten die Fridays-for-Future-Anhänger wirklich, dass die Bundesregierung mit ihrem Umweltpaket das Klima verbessern will? Das Einzige, was die Regierung gemacht hat, ist eine Steuererhöhung auf Kosten der Armen.

René Everhartz, Pattensen

Niemand spricht von Einschränkungen

Wann wird es eine Politikerin oder ein Politiker je wagen, von Belastungen oder gar Einschränkungen unseres Lebensstils zu sprechen? Im Wesentlichen bleibt es bei dem bekannten Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

Prof. Dr. Dietmar Raufuß, Spring

Müssen es immer Avocado aus Südafrika sein? Oder ist es an der Zeit, über Einschränkungen nachzudenken. Quelle: Aileen Kapitza/dpa

 Ansprüche mäßigen

Ich war am vergangenen Freitag bei Fridays for Future in Finsterwalde dabei. Etwa 300 Menschen hatten sich dort versammelt – nicht nur Schüler und Studenten, sondern wie ich auch viele ältere Menschen. Wir sind im Klimawandel angekommen. Was nun? Die einstige Zielstellung, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist längst zur Illusion geworden. Die klimaschädigenden CO2-Emissionen steigen weiter. Gegenwärtig muss befürchtet werden, dass die Erde auf eine Erwärmung von mehr als drei Grad zusteuert. Schon in wenigen Jahrzehnten werden wir Hitzeperioden erleben, die die Dürrejahre 2018 und 2019 weit übersteigen werden.

Es muss hinterfragt werden, ob die gegenwärtigen menschlichen Gesellschaften in der Lage sind, auf die Herausforderungen des globalen, von uns Menschen verursachten Klimawandels umfassend zu reagieren. Die Art des Wirtschaftens, des ungezügelten Verbrauchs von Ressourcen, das Setzen auf ständiges Wachstum wird unsere Erde auf Dauer nicht aushalten!

Was ist die Alternative? Wir alle müssen uns in unseren Lebensansprüchen mäßigen! Und erkennen: Es gibt so viele Dinge auf der Erde, derer ich nicht bedarf. Eine Kette beginnt stets beim ersten Glied!

Dieter Lehmann, Falkenberg/El.

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse.

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