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Hannover In Apotheken werden immer mehr Medikamente knapp
Nachrichten Hannover In Apotheken werden immer mehr Medikamente knapp
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00:15 30.03.2019
Weniger Medikamente auf Bestellung: Präparate werden nicht geliefert. Quelle: Ole Spata/dpa (Archiv)
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Hannover

In Hannovers Apotheken müssen Kunden immer häufiger unverrichteter Dinge wieder gehen – weil ihr Medikament derzeit nicht lieferbar ist. Von den Engpässen betroffen sind neben Schmerzmitteln wie Ibuprofen auch Notfallarzneien, Blutverdünner zur Infusion oder Tollwutimpfstoffe sowie diverse Antibiotika, einzelne Diabetesmittel, Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Valsartan und der Impfstoff gegen Hepatitis A.

Problem Monopolisierung

Die Gründe für Lieferengpässe seien vor allem der hohe Preis- und Rabattdruck, betont Frank Dombeck, pharmazeutischer Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen. „Die meisten Wirkstoffe werden von wenigen Pharmaherstellern in China, Indien und den USA produziert. Schon eine fehlerhafte Charge kann ein weltweites Problem auslösen.“ Hersteller produzierten außerdem nicht auf Vorrat. „Entspricht eine Charge nicht den hohen Qualitätsstandards für den europäischen Markt, wird sie für den Import gesperrt. Dann kommt es schnell zu einem Engpass“, so Dombeck.

„Für etliche Arzneien gibt es nur noch eine Handvoll Hersteller. Fällt davon einer aus, wird es schon eng“, sagt Mathias Grau, stellvertretender Vorsitzender des Apothekerverbands Niedersachsen. „Wir müssen mehr Hersteller-Alternativen auch in Deutschland haben und vor allem ein Warnsystem, mit dem Engpässe frühzeitig erkannt werden können.“

Patienten werden nach Hause geschickt

Gennadij Rauh kennt das Problem. Mehrmals täglich muss der Apotheker Patienten mit ihren Rezepten zurück in die Praxis schicken. „Vieles, was aufgeschrieben wird, habe ich nicht vorrätig und kann es auch nicht in Aussicht stellen.“ Das betrifft in seiner Pharmazie vor allem Blutdruckmittel, aber auch Schmerzpräparate wie Ibuprofen sowie Impfstoffe gegen Hepatitis A und B oder Tollwut. Derzeit sind es rund 20 Produkte, die er bis auf Weiteres nicht an die Patienten ausgeben kann. Diese müssen dann versuchen, auf ein Ausweichpräparat zurückzugreifen.

Bereits im Herbst haben Apotheker wegen der zunehmenden Lieferengpässe Alarm geschlagen. Die Grippeimpfsaison ist zwar gelaufen, entschärft hat sich das Grundproblem indes nicht.

Bis zu 100 Produkte fehlen

Auch Apotheker Grau bestätigt, dass es zunehmend Lieferschwierigkeiten bei Blutdruckmitteln, Schilddrüsentropfen und Schmerzmitteln gibt. „Auch einige Antibiotika sind betroffen.“ In seiner Apotheke fehlen rund 100 Produkte im Lager, allerdings könne ein Großteil durch Medikamente anderer Hersteller recht kurzfristig ersetzt werden. „Es kommt immer mal zu Engpässen, aber so intensiv wie in jüngster Vergangenheit haben wir das noch nicht erlebt“, betont Grau. Manche Produkte seien über Monate nicht erhältlich.

Von den Engpässen betroffen sind neben Schmerzmitteln wie Ibuprofen auch Notfallarzneien, Blutverdünner zur Infusion oder Tollwutimpfstoffe sowie diverse Antibiotika, einzelne Diabetesmittel, Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Valsartan und der Impfstoff gegen Hepatitis A. „Der Höhepunkt dieser Engpässe wurde dann in der Impfsaison 2018/19 erreicht, als bundesweit der Vierfach-Grippeimpfstoff knapp wurde“, sagt Grau.

Eine Kollegin aus der hannoverschen City wartet ebenfalls dringend auf Medikamenten-Nachschub. „Mir fehlen derzeit auf lange Sicht rund 80 Präparate. Bei manchen ist eine Lieferung überhaupt nicht in Sicht“, sagt sie. Das Nachschub-Problem sei stetig gewachsen und mittlerweile riesengroß. Und es betreffe Fiebersenker genauso wie Hustensaft und Antibiotika.

Rufe nach Rundem Tisch

Auf dem Arzneimittelmarkt tobe grundsätzlich eine gnadenlose Preisschlacht, sagt ein Pharmazeut aus der List. Die Krankenkassen handeln mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus, und um bei den Preisen mithalten zu können, produzieren immer mehr Hersteller günstig in Indien und China. Hinzu kommen Fehlkalkulationen der Unternehmen. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Krankenkassen, das Gesundheitsministerium sowie Apotheker und Ärzte an einen Tisch setzen“, fordert der Apotheker.

Von Susanna Bauch

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