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Hannover Grundschule Kastanienhof wird zur Baustelle
Nachrichten Hannover Grundschule Kastanienhof wird zur Baustelle
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12:15 13.06.2019
Basteln auf der Baustelle: Die Grundschüler haben Papphäuser auf dem Hof gebaut – im Hintergrund stehen die Container, in denen die Mensa während der Bauphase untergebracht ist. Im kleinen Bild haben Denisa (8 Jahre) und Birk (9) Modelle von Klassenzimmern entworfen. Quelle: Fotos (2): Samantha Franson
Limmer

Überall stehen Container, Handwerker laufen hin und her, Bagger und andere schwere Baufahrzeuge sind in Stellung gebracht. Auf dem Gelände der Grundschule Kastanienhof herrscht Ausnahmezustand. Und das wird noch ziemlich lange so sein: Für mindestens zweieinhalb Jahre ist die Schule eine Baustelle. Die Altbauten werden komplett saniert, umgebaut und in Teilen erweitert, auch die Außenanlagen werden neu gestaltet. Vieles verändert sich auf dem Grundstück an der Harenberger Straße, und nicht immer verläuft alles reibungslos. „Aber wir wollen nicht klagen“, sagt Schulleiterin Cornelia Aschmutat-Hesse. Im Gegenteil: „Das Kollegium nimmt das alles mit Humor – schließlich haben wir zusammen ein großes Ziel vor Augen.“

Auch die rund 200 Schülerinnen und Schüler helfen auf ihre Weise tatkräftig mit, auf dieses Ziel zuzusteuern: Während einer Projektwoche haben sie sich jetzt selbst als Baumeister versucht. Zwölf Gruppen aus allen Jahrgangsstufen haben gewerkelt und gebastelt. Teils unter fachkundiger Anleitung: Die für den Umbau zuständigen Architekten Tobias Hübotter, Gert Stürken und Yuliyana Dimitrova, die auch das Gymnasium Limmer geplant haben, boten den Grundschülern Führungen an und gaben ihnen Tipps.

Die neue Schule im Maßstab 1:50

Meike Alonso von der Architektenkammer half den Nachwuchskonstrukteuren dabei, ein Modell ihrer neuen Schule zu bauen – im Maßstab 1:50. Die achtjährige Denisa, der ein Jahr ältere Birk und ihre Klassenkameraden haben außerdem Traumzimmer gebastelt, fantasievoll gestaltete Miniaturräume in Schuhkartons, die zum Spielen und Entdecken einladen. „So sollen unsere Klassenzimmer mal aussehen“, meint Denisa. Die Profiarchitekten haben da noch etwas andere Vorstellungen.

Ein Schulhof aus Pappe

Deutlich schneller als die echten Arbeiter kommen die Grundschüler beim Bauen voran: Drei begehbare Häuschen aus Pappe haben sie auf dem Schulhof errichtet. „Das hat nur vier Stunden gedauert“, berichtet die neunjährige Khulan, die an der Villa Kunterbunt mitgearbeitet hat. Sogar einen Briefkasten und Gardinen haben die Unterkünfte, die aber leider nicht wetterfest sind. Naylani, Julia und Maya haben zusammen die Wände im Eingangsbereich des Altbaus verschönert – mit einem perfekten Gemälde, das einen stattlichen Bagger und ein großes Baufahrzeug zeigt.

Aber auch die erwachsenen Bauarbeiter waren schon fleißig. So ist bereits ein großer Teil des Außengeländes fertiggestellt. Eine Hügellandschaft mit naturbelassenen Ecken, Spielgeräten und viel Platz zum Toben ist entstanden. Der Bauzaun sei nur noch um das Gelände gezogen, damit der Rasen in Ruhe wachsen kann, sagt Schulleiterin Aschmutat-Hesse. Ein paar Wochen Geduld seien erforderlich, bevor das Grün betreten werden könne.

Kommentar: Bauarbeiten als Unterrichtsstoff

Lange haben Lehrer, Eltern und Schüler darauf gewartet – nun wird die Grundschule Kastanienhof endlich saniert. Das ist eine gute Nachricht, über die sich alle Beteiligten freuen. Dass sie nun mindestens zweieinhalb Jahre auf und mit einer Baustelle leben müssen, ist die Kehrseite der Medaille. Doch das lässt sich nicht vermeiden. Darum macht die Grundschule genau das Richtige aus der Situation. Es setzt kein großes Wehklagen darüber ein, wie Handwerker und Baufahrzeuge den Schulbetrieb behindern. Ganz im Gegenteil: Das Kollegium nutzt die Bauarbeiten sozusagen als Unterrichtseinheit.

Eine Projektwoche sollte den Schülern vermitteln, was gerade an ihrer Schule geschieht. Sie sollte zugleich die Fantasie anregen und die Mädchen und Jungen motivieren, selbst kreativ zu werden. Das ist perfekt gelungen. Mit großem Tatendrang und viel Spaß waren die Grundschüler bei der Sache. Sie haben gebastelt, gewerkelt und gemalt – und dabei auf spielerische Weise gelernt. So entstanden Werke mit Nachhaltigkeit: Die Wandgemälde der jungen Künstler im Hauptgebäude zum Beispiel werden noch länger zu besichtigen sein.

Es wird im Laufe der umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten gewiss auch noch die eine oder andere Problemlage geben. Doch am Ende werden Lehrer, Eltern und Schüler dafür entschädigt. Sie bekommen eine runderneuerte Schule mit moderner Ausstattung und deutlich mehr Platz, deren beeindruckendes Außengelände einen ganz besonderen Pluspunkt darstellen wird.

Toiletten im Container

Geduld werde auch während der Bauarbeiten immer wieder nötig sein, meint die Rektorin. So ist der Schuleingang derzeit nur über eine provisorische Bautreppe zu erreichen, die nicht gerade komfortabel zu nutzen ist. Zudem müssen die Kinder bei jedem Wetter auf den Hof, um die dort platzierten WC-Container zu nutzen. Denn der Verbindungstrakt zwischen den Altbauten, in dem die Toiletten bisher untergebracht waren, wird abgerissen. Gleiches gilt für die alte Mensa – bis zum Ende der Bauarbeiten werden die Schüler in Containern essen. Weil in der Umbauphase eine der beiden Sporthallen wegfällt, ist auch der Unterricht betroffen. „Mit einer guten Planung bekommen wir das aber hin“, sagt Aschmutat-Hesse. Allerdings könnten nun keine zusätzlichen Hallenzeiten für Kitas mehr angeboten werden.

Eine spannende Zeit

Trotz Baulärm und Behinderungen: Für die Schulleiterin und das Kollegium überwiegt die Vorfreude auf eine von Grund auf erneuerte Grundschule. Die Schülerinnen und Schüler finden die Bauarbeiten ohnehin spannend. Nicht nur bei der Projektwoche.

Umbau für 18 Millionen Euro

Rund 18 Millionen Euro investiert die Stadt in Sanierung und Umbau der Grundschule Kastanienhof an der Harenberger Straße. Neben den Altbauten aus den Jahren 1899 und 1908 gibt es zwei in den Sechziger- und Siebzigerjahren errichtete Bauten, die ebenfalls sichtlich in die Jahre gekommen sind. Gleiches gilt für die Schultoiletten. Voraussichtlich 2022 wird der Schulbetrieb nach der Sanierung starten können.

Zudem braucht die Kastanienhofschule, die im Einzugsbereich des Neubaugebiets Wasserstadt liegt, mehr Platz. Die Schülerzahlen an der bisher zweizügigen Grundschule steigen stetig. Aktuell besuchen 207 Mädchen und Jungen die Schule.

Weil in den kommenden Jahren immer mehr Familien nach Limmer ziehen werden, will die Stadt die Schule schrittweise erweitern. Im Schuljahr 2021/22 werden laut Entwicklungsplan 250 Schüler die Kastanienhofschule besuchen. Die Stadt geht davon aus, dass diese Zahl bis zum Schuljahr 2023/24 auf 322 Schüler in 15 Klassen steigen wird.

Unterm Strich gewinnt die Schule eine Nettofläche von 1770 Quadratmetern hinzu; die zusätzlichen Räume sind auch für die Ganztagsbetreuung nötig. Die Planungen sehen auch eine neue Sporthalle und eine Mensa vor. Die Mensa wird in der bisherigen Sporthalle eingerichtet, die zu klein geworden ist. Eine neue Halle mit vorschriftsmäßigen Abmessungen wird im südöstlichen Teil des Schulgeländes gebaut. Zwischen den Altbauten ist ein neuer Verbindungstrakt geplant, von dem aus das Gebäude erschlossen wird. Dort befinden sich das Foyer, die Aula – auch nutzbar als Musikraum und Pausenhalle – sowie Verwaltungsräume im Obergeschoss. Der gesamte Gebäudekomplex wird barrierefrei.

Von Juliane Kaune

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