Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Debatte über die Zukunft der IGS Linden
Nachrichten Hannover Debatte über die Zukunft der IGS Linden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 26.10.2018
Diskutieren über die Perspektiven für die IGS Linden: Ex-Kultusminister Rolf Wernstedt (von links), der frühere Schulleiter Christoph Walter, der aktuelle Schulleiter Peter Schütz, Ernst Barkhoff und Manfred Wassmann vom Lebensraum Linden. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Linden-Mitte

Es ist eine Schule mit Geschichte. Aber wie soll ihre Zukunft aussehen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer dreiteiligen Reihe über die Perspektiven der IGS Linden. Gleich beim Auftakt zeigte sich, wie groß das Interesse ist: Die Stühle im Vortragsraum des Lindener Rathauses reichten nicht aus. Einige der mehr als 40 Interessierten folgten der zweistündigen Veranstaltung darum sogar im Stehen.

Sicher hatte auch der Name eines prominenten Gastes gelockt: Der frühere niedersächsische Kultusminister Rolf Wernstedt (SPD) referierte über die 50-jährige Historie der Integrierten Gesamtschulen in Niedersachsen. „Die IGS Linden war 1971 eine der ersten Schulen dieser Schulform, die in unserem Bundesland gegründet wurden“, erklärte er – und ergänzte in Anspielung auf die aktuelle Platznot: „Die personelle und räumliche Ausstattung war schon in den Anfangsjahren nicht optimal.“ Wernstedt erinnerte daran, dass sich die Schulform gegenüber der des Gymnasiums ihre Berechtigung in einem langwierigen Prozess immer wieder neu habe erkämpfen müssen.

Anzeige

Vor allem für die inklusive Arbeit gibt es an der IGS Linden zu wenig Räume – die Situation wird sich verschärfen, wenn die Außenstelle an der Ihme-Schule aufgegeben werden muss. „Dass wir die Ihme-Schule verlassen müssen, ist ein Schlag ins Gesicht für unsere engagierten Kollegen“, betonte IGS-Schulleiter Peter Schütz bei der Veranstaltung. In den Jahrgängen fünf bis zehn hätten 135 von 930 Schülern sonderpädagogischen Förderbedarf. Ihnen müsse man weiterhin gerecht werden können. Schütz sparte nicht mit Kritik an den Plänen der Stadt, ersatzweise Container aufzustellen: „Das ist ein Kompromiss, mit der heißen Nadel gestrickt.“ Auch körperlich behinderte Kinder hätten seit Langem das Nachsehen. „Es gibt uns fast ein halbes Jahrhundert, aber noch immer existiert in den Gebäuden kein einziger Fahrstuhl.“

Die Stadt hat ein knapp 14 Millionen Euro teures Sanierungs- und Umbauprogramm für die IGS vorgelegt. Diese Pläne unterstützen bisher auch die Politiker der Ampelkoalition im Rat der Stadt. Damit sind zwischenzeitlich diskutierte, deutlich teurere Neubaupläne vom Tisch. Den Vorschlag des früheren Lindener SPD-Ratsherr Ernst Barkhoff, den Westschnellweg für einen IGS-Neubau zu überbauen und gegebenenfalls das Freizeitheim Linden zu integrieren, hatte die Verwaltung ohnedies abgelehnt, weil sie ein solches Projekt nicht für realisierbar hält.

Barkhoff wiederum will mit der IGS-Reihe, die er mit der Initiative Lebensraum Linden und der Buchhandlung Decius gestartet hat, die Diskussion über eine weitreichendere Lösung offen halten. Die IGS habe sich in ihrer pädagogischen, inklusiven und kulturellen Arbeit immer weiterentwickelt – „aber räumlich wurde das bis heute nie vernünftig umgesetzt“, betonte der frühere Schulleiter Christoph Walter bei dem Vortragsabend.

Dass auch die Zuhörer, darunter Lehrer, Eltern und ehemalige Schüler, sich nachhaltigere Veränderungen wünschen, wurde deutlich. „Aus der IGS Linden muss ein Palast werden“, rief ein Lehrer. Und eine Zuhörerin stellte klar: „Wir müssen die Kampfwege beschreiten und öffentlich Druck für die IGS machen.“

Der nächste Vortrag zu baulichen Fragen einer IGS-Erweiterung beginnt am Mittwoch, 14. November, um 19 Uhr im Saal der Martinsgemeinde, Niemeyerstraße 16. Am Donnerstag 13. Dezember, diskutieren Vertreter aus Kultur, Sport, Schule und Politik sowie andere Institutionen Barkhoffs Vorschlag – ab 19 Uhr im Forum der IGS, Am Lindener Berge 11.

Von Juliane Kaune