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Hannover Lindener Kult-Eisdiele: Bei Familie Zanolli schmeckt es wie früher
Nachrichten Hannover Lindener Kult-Eisdiele: Bei Familie Zanolli schmeckt es wie früher
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13:43 12.07.2019
Dietrich Heitz, Lucia Zanolli, Christine Heitz. Quelle: Irving Villegas
Linden-Mitte

Es müssen wieder Schokolade, Himbeer und Zitrone sein. Mit Sahne. Wie früher. Diese drei Eissorten hat Dieter Heitz immer am liebsten gegessen. Dafür kehrt der Vinnhorster auch heute noch regelmäßig an den Ort seiner Kindheit zurück – ins Eiscafé Rialto. Das ist schon seit 70 Jahren an der Falkenstraße zu finden, und ebenso lange serviert dort die Familie Zanolli die kühlen Kugeln. „Seit ich denken kann, komme ich hierher“, sagt Heitz, inzwischen 72 Jahre alt. „Es gab hier schon immer das allerbeste Eis, und das ist so geblieben.“

Das hört Lucia Zanolli gern. Die 41-Jährige betreibt das Traditionscafé in dritter Generation. Ihr Opa Antonio hatte es 1949 eröffnet – zunächst an der Falkenstraße 5, ein paar Jahre später ging es im Haus Nummer 11 weiter. Seitdem hat sich die Adresse nicht mehr verändert.

Andere Dinge schon: „Ich weiß noch, dass der Tresen mit den Eiskugeln damals an der rechten Seite stand“, erinnert sich Christine Heitz. Wie ihr Mann kennt sie das Rialto schon aus ihrer Schulzeit. Beide sind gebürtige Lindener und besuchten die Pestalozzischule, eine Art Vorläufer der IGS Linden, die dort zu finden war, wo heute die Grundschule am Lindener Markt ist.

Kugel für 10 Pfennige

„Die Kugel kostete 10 Pfennige“, erzählt die 71-Jährige. Heute liegt der Preis bei 1,20 Euro. Ihre Lieblingssorten aber haben Bestand. Eigentlich ist es nur eine Sorte: Fast immer, wenn sie im Rialto einkehrt, wählt Christine Heitz ihre Spezialität – „ein gemischtes Eis nur mit Schokolade“. An diesem Tag sind es drei dunkelbraune Kugeln. Ohne Sahne.

Lucia Zanolli kennt die Vorlieben ihrer Stammgäste. Sie lächelt, als sie die beiden Eisbecher serviert. Dass sie das Ehepaar Heitz nicht mit Sorten wie Lavendel, After Eight oder Cheesecake locken kann, weiß sie. Gleichwohl ist sie sichtlich stolz darauf, 27 verschiedene Geschmacksrichtungen anbieten zu können. Seit zwölf Jahren ist sie die Chefin des Betriebs, den sie von ihrem Vater Achilles und ihrer Mutter Maria übernommen hat und in dem sie aufgewachsen ist. Es ist ein Fulltime-Job, den sie liebt. Praktischerweise wohnt sie direkt über dem Eiscafé.

Unverkennbare gestreifte Markise

„Man muss immer wieder etwas verändern und mit der Zeit gehen“, sagt die 41-Jährige. Dabei geht es um den Spagat, die Tradition zu bewahren und für neue Entwicklungen offen zu sein. So hat sie den typisch altmodischen Schriftzug „Eis Rialto“ an der Gebäudefront ebenso unverändert gelassen wie die seit vielen Jahren etablierte grün-weiß gestreifte Markise. Im Innenbereich mischen sich geschwungene Bistrostühle mit goldfarbenen Lehnen und moderne Sitzhocker aus hellem Holz. Die Eispreise wiederum sind auf trendigen Kreidetafeln zu lesen, und die Karte wurde von einem Grafikdesigner überarbeitet.

Nach wie vor aber finden sich darauf Fürst Pückler und Cassata – die Klassiker, die schon Großvater Zanolli für seine Gäste herstellte. „Wir kommen schließlich aus der Heimat der Eismacher“, erklärt Lucia. Die Familie Zanolli stammt aus Zoldo, einem Tal in den Dolomiten, in dem einst die Kunst erfunden wurde, die kühlen Köstlichkeiten zuzubereiten. Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten die Eisexperten in alle Welt aus. Die Zanollis landeten in Hannover.

Erinnerungen an die Großmutter

„Ich kann mich noch genau an Ihre Großmutter erinnern“, sagt Christine Heitz zu Lucia Zanolli. „Die hatte immer so einen strengen Knoten, da hatte ich als kleines Mädchen richtig Ehrfurcht.“ Dieter Heitz berichtet, wie er im Alter von etwa zehn Jahren auf dem Schulweg von der Charlottenstaße in die Davenstedter Straße täglich am Rialto vorbeikam – und nicht widerstehen konnte. „Mein ganzes Taschengeld habe ich für Eis ausgegeben“, sagt er. „So ein italienisches Eislokal war in den Fünfzigerjahren ja noch etwas Exotisches.“

Kennengelernt haben sich die beiden 1959, ein paar Jahre später wurden sie ein Paar, 1969 heirateten sie. Bereits zwei Jahre danach verließen die Heitzes Linden. Seit mittlerweile vier Jahrzehnten leben sie in Vinnhorst. Dem Rialto aber sind sie treu geblieben. „Als wir unser Haus gebaut haben und im Sommer auf der Baustelle plötzlich Lust auf ein Eis bekamen, bin ich sogar im Blaumann zum Rialto gefahren und habe das Eis in einer Kühlbox transportiert“, berichtet Christine Heitz. Überzeugende Alternativen zu ihrem Lieblingslokal haben sie und ihr Mann bis heute nicht gefunden.

Feier im September

Lucia Zanolli ist froh darüber. „Wir haben viele Stammgäste“, sagt sie. Aber eine so lange Verbundenheit wie bei den beiden sei schon etwas Besonderes. Das 70-jährige Bestehen soll denn auch mit allen langjährigen Eisessern gefeiert werden. Im September. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Aber Dieter und Christine Heitz halten sich den Monat schon einmal frei.

Von Juliane Kaune

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