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Hannover Flüchtlingsunterkunft am Siloah wird abgerissen
Nachrichten Hannover Flüchtlingsunterkunft am Siloah wird abgerissen
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00:21 12.04.2019
Die DRK-Flüchtlingsunterkunft im früheren Container-Bettenhaus am Siloah wird aufgegeben. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Linden-Süd

Fast dreieinhalb Jahre nach der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Container-Bettenhaus auf dem Gelände des Siloah-Krankenhauses ziehen die dort untergebrachten Menschen nun an andere Standorte im Stadtgebiet um. Bis Ende Juni muss das Haus vollständig geräumt sein. Danach steht der Abriss an. Von Anfang an war klar, dass die Unterkunft an der Roesebeckstraße nur temporär zur Verfügung steht. Denn das Klinikum Region Hannover (KRH) plant dort eine andere Nutzung und hatte der Stadt den Bau lediglich befristet als Flüchtlingsquartier vermietet. Bis zum Frühjahr 2020 müssen die Abrissarbeiten beendet sein, die etwa acht Monate dauern werden.

Container-Krankenhaus am Siloah wird abgerissen

Die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betreute Unterkunft verfügte bisher über eine Kapazität von 240 Personen. Ein großer Teil der Bewohner – sowohl Familien als auch alleinreisende Frauen und Männer aus verschiedensten Herkunftsländern – ist bereits ausgezogen. Derzeit leben noch rund 160 Personen in dem Gebäude. Seit Jahresbeginn würden dort keine neuen Flüchtlinge mehr aufgenommen, erklärt Stadtsprecher Dennis Dix. Im Februar habe die Verwaltung die Bewohner informiert und die ersten Umzüge organisiert.

Die meisten Flüchtlinge aus der Siloah-Unterkunft werden nun in anderen Heimen untergebracht, die im gesamten Stadtgebiet zu finden sind. Teilweise seien den Bewohnern Angebote der städtischen Wohnungsvermittlung gemacht worden, erklärt Dix. In Absprache mit den Sozialarbeitern vor Ort versuche die Verwaltung, den Bedürfnissen und Anforderungen der Betroffenen bei der Zuweisung einer neuen Unterkunft gerecht zu werden. Hilfe biete zudem das städtische Integrationsmanagement an.

Auch die Ehrenamtlichen des Siloah-Unterstützerkreises stünden den Flüchtlingen beim Umzug mit Rat und Tat zur Seite, sagt Fabian Böttcher, der zu der Gruppe freiwilliger Helfer gehört. Um den Bewohnern den Abschied aus dem vertrauten Umfeld etwas zu erleichtern, hatten die Unterstützer am vergangenen Sonnabend ein Fest auf dem Gelände des benachbarten Ruderclubs organisiert. Im Laufe von drei Jahren seien viele Kontakte zwischen Helfern und Flüchtlingen entstanden, berichtet Böttcher. Vor allem ein Tandem-Projekt, bei dem jeweils ein Bewohner der Unterkunft von einem Ehrenamtlichen begleitet wurde, habe einen nachhaltigen Beitrag zur Integration geleistet.

Ehrenamtliche haben viele Hilfsangebote aufgebaut

Einen mobilen Spenden-Shop, in dem gebrauchte Kleidung für 50 Cent an die Flüchtlinge verkauft wurde, eine Fahrradwerkstatt, Sprachkurse und andere Hilfsangebote hätten die Freiwilligen ebenfalls aufgebaut, sagt Böttcher. Allerdings sei der Kreis der Helfer stetig kleiner geworden. Bis dato sei ein knappes Dutzend Personen noch regelmäßig im Einsatz. Als die Unterkunft im November 2015 neu bezogen wurde, hatten sich bei einer Auftaktveranstaltung rund 150 Interessierte auf die Helferlisten eingetragen.

Zum Abschied organisieren die Helfer ein Grillfest für die Flüchtlinge auf dem Gelände des benachbarten Ruderclubs. Quelle: Katrin Kutter

Böttcher hofft, dass ein Teil der Kontakte auch nach der Schließung der Siloah-Unterkunft aufrechterhalten werden kann. „Es sind sogar Freundschaften entstanden“, sagt er. So sei ein Bekannter von ihm jüngt in einer WG mit einem der Flüchtlinge zusammengezogen. Ziel sei es, einen interkulturellen Stammtisch, der sich alle zwei Wochen in einer Lindener Kneipe getroffen hat, weiterhin anzubieten.

Weitere Flüchtlingsunterkünfte: In den Modulbauten an der Steigertahlstraße in Linden-Nord sind derzeit 85 Personen untergebracht und damit alle Plätze belegt. Nach Auskunft der Stadt sind dort aktuell keine Änderungen geplant. Im Stadtbezirk gibt es an der Deisterstraße in Linden-Süd noch eine weitere Unterkunft, die mit 22 Bewohnern ebenfalls ausgebucht ist. Zur Hochzeit der Flüchtlingskrise Ende 2015 lebten rund 500 Asylsuchende in Linden, die meisten davon im Siloah-Gebäude; 140 Personen waren vorübergehend in drei Schulturnhallen untergebracht.

Kommentar: Erfolgreiche Hilfe

Es war ein Zuhause auf Zeit. Das gilt aus Sicht der Menschen, die dort leben, für jedes Flüchtlingsheim. Aber bei der Unterkunft auf dem Siloah-Gelände stand schon bei der Eröffnung fest, dass sie nur dreieinhalb Jahre genutzt werden kann. In dieser Zeit ist viel passiert. Ein engagierter Kreis ehrenamtlicher Unterstützer hat mit professionellen Betreuern des DRK dazu beigetragen, dass sich die Menschen, die aus vielen Teilen der Welt nach Hannover geflohen sind, hier einleben konnten. Helfer aus dem Stadtteil haben den Flüchtlingen auf unterschiedlichste Weise gezeigt, dass sie willkommen und nicht allein sind. Die Arbeit war erfolgreich, auch wenn immer weniger Ehrenamtliche dabei waren. Das liegt in der Natur der Sache. Ein solches Engagement kostet Zeit, die nicht jeder monate- oder sogar jahrelang aufbringen kann. Zudem soll die Unterstützung auch Hilfe zur Selbsthilfe sein. Dennoch wäre es schade, wenn die Kontakte zwischen Helfern und Flüchtlingen abreißen, nur weil diese in andere Stadtteile umsiedeln müssen. Da klingt es gut, dass teilweise schon Freundschaften entstanden sind, wie es heißt. Darauf lässt sich gewiss aufbauen.

Von Juliane Kaune

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