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Hannover Närrische Freude beim Kostümieren
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00:18 21.01.2015
Von Michael Zgoll
Karnevalsfan Ralf Ebeling nutzt sein Mobiltelefon als Spiegel - ob ihm die wilde Lockenpracht auch steht? Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Narren haben Narrenfreiheit. Natürlich auch beim Kostümverkauf der Lindener Narren in Ricklingen. Sie dürfen sich Kuhglocken umhängen. Cowboyhüte schwenken. Oder mit einem Hai auf dem Kopf posieren. An diesem Sonntagnachmittag ist die Narrhalla in der Konrad-Hänisch-Straße das El Dorado der Kostümjäger. Zu Hunderten sind sie wieder einmal gekommen, um sich ihre ganz speziellen Modewünsche zu erfüllen. Und, kaum zu glauben, sogar aus Köln sind Frohnaturen ins karnevalistische Hinterland vorgestoßen, um sich auszustaffieren.

„Hier sind die Sachen viel günstiger als in Köln“, weiß Sarah Dannenberg. Hauptberuflich arbeitet sie an der Uni, nebenberuflich will sie Spaß haben. Närrisch sein bis zum Abwinken. Schon lange hege sie den Plan, erzählt die 28-Jährige, bei einer Faschingsfeier als Funkenmariechen zu glänzen. In Köln brauche man für die Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch jeden tollen Tag ein anderes Kostüm. In Ricklingen, wie schön, bekommt man den Paillettentraum, der im Rheinland 40 Euro kostet, schon mal für einen Zehner.

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Auch Ralf Ebeling fährt gern nach Köln zum Karneval. Mit seiner Clique, bis zu sieben Mann stark. Jetzt probiert der Versicherungsagent mit dem gepflegten Dreitagebart Perücken auf. Sein Handy dient ihm als Spiegel: holder Knabe mit lockigem Haar. Und weil diese Frisur einfach jeden verjüngt, hat der Mann schon hier und heute Spaß. Seit zwei Jahrzehnten ist der 49-Jährige in Sachen Karneval unterwegs. „Wir haben uns mit unserer Truppe auch schon mal als Indianer verkleidet und einen selbstgebauten, zwei Meter hohen Marterpfahl aus Styropor mit nach Köln genommen“, erzählt Ebeling. Seither kennt man die heiteren Hannoveraner in der Karnevalshochburg am Rhein.

Schon im elften Jahr verkaufen die Lindener Narren Puschen, Pompons, und Plastikhelme, die ihre ersten Bühnenerfahrungen bereits hinter sich haben. Es gilt, die Kasse des kleinen Wirtschaftsunternehmens zu füttern, eines Unternehmens, in dem eine aufwendig verzierte Mariechenuniform schon mal an die tausend Euro kosten kann. „Wir finanzieren uns aus Mitgliederbeiträgen, Tickets für unsere Veranstaltungen, Sponsorengeldern und eben auch aus dem Kostümverkauf“, erzählt Pressesprecherin Dinah Wicke.

Der Erlös am Ende dieses Sonntagnachmittags liegt bei 770 Euro. Alle zwei Jahre werden rund 80 neue Schautanzkostüme geschneidert, jedes Jahr konzipieren die Lindener Narren ein frisches Showprogramm, und monatelang trainieren und proben Tänzerinnen und Redner. „Wir haben eigentlich das ganze Jahr zu tun, das ist ein Mörderjob, den ganz viele Ehrenamtliche leisten“, meint Wicke. Und wo bleibt da der Spaß? Die Fulltime-Karnevalistin lacht: „Wir freuen uns ‘ne Kante ans Kinn, wenn wir andere Leute zum Lachen bringen und unsere Show gut ankommt.“

Man muss nicht zierlich sein, um im Übungsraum der Lindener Narren das passende Stück zu finden. Nein, Mann darf durchaus zwei Meter groß und schrankbreit sein. So wie Christian Städter, der im Fundus fündig wird und sich binnen Minuten in einen Beduinen verwandelt. „Das passt wie ‘ne Eins“, wundert sich der 36-Jährige selbst.

Das krasse Gegenteil, rein figürlich, ist Abby-Lucienne Taurnier. Die Sechsjährige möchte in der Grundschule Leuschnerstraße als Funkenmariechen aufscheinen; an diesem Tag in der Narrhalla zählt das wesentlich mehr als Mathe. Doch auch Pädagogen, die sonst auf der anderen Seite des Tisches sitzen, suchen ihr Verkleidungsglück in Ricklingen. Erzieherin Martina Hamann etwa träumt den brasilianischen Traum. Und greift zur Federboa. In Rosé. „Die kann ich bei der Rosenmontagsparty in der Kinderkrippe brauchen, aber auch bei anderen Faschingsfeiern“, weiß die 55-Jährige.

Irgendwelche Sorgen, sich mit Strass und Strapsen zum Narren zu machen, hegt an diesem Nachmittag niemand. „Früher habe ich auch gesagt: Fasching, um Gottes Willen“, erinnert sich Karin Müller aus Davenstedt. Inzwischen aber hat sie gemeinsam mit einer zehnköpfigen Frauengruppe Spaß an der organisierten Freud’ gefunden. Ist Stammgast bei Prunksitzungen, im Capitol wie in den luftschlangenbewehrten Freizeitheimen in Linden oder Ricklingen. Kopfzerbrechen bereitet der 61-Jährigen nur eins - wie in jedem Jahr die gleichen Kostüme und Perücken für die muntere Schar zu finden. Zumal die Farbe dieser Saison Grün ist. Ein grelles Grün.

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