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Hannover Laborleiter verschweigt Behörden gefährliche Keime in Bratwürstchen
Nachrichten Hannover Laborleiter verschweigt Behörden gefährliche Keime in Bratwürstchen
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11:20 28.07.2019
Der Verzehr der Bratwürstchen hätte zu Fieber, Durchfall und Erbrechen führen können. Quelle: picture alliance / Martin Schutt
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Hannover

Hätte ein Käufer die „Mini-Rostbratwürstchen mit Emmentaler Heumilchkäse“ gegessen, ohne sie gründlich durchzubraten, wäre er womöglich mit Fieber, Durchfall und Erbrechen gestraft worden oder hätte sich gar Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung mit tödlichem Ausgang zuziehen können. Denn die Würstchen aus bayerischer Produktion, die ein privates Lebensmittelhygienelabor aus der Region Hannover im Spätsommer 2015 unter die Lupe nahm, waren in starkem Maße mit Listerien verseucht. Als Grenzwert für eine gerade noch zulässige Zahl dieser Keime gelten 100 koloniebildende Einheiten pro Gramm (KbE/g) – doch in den zwei untersuchten Packungen mit jeweils 47 Miniwürstchen fanden die Kontrolleure 30.000 kbE/g der gefährlichen Bakterien.

Jetzt wurde ein Urteil des hannoverschen Amtsgerichts gegen den Laborleiter rechtskräftig. Weil der 58-Jährige die Behörden 2015 nicht informiert hatte, wurde er im Zuge eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens zu einer Geldbuße von 3000 Euro verurteilt.

Oberlandesgericht Celle verwirft Beschwerde: Bescheid ist rechtskräftig

Der Betroffene ist gelernter Tierarzt, führt ein Hygieneinstitut mit gut 30 Mitarbeitern in der Region Hannover sowie ein Labor mit doppelt so hoher Mitarbeiterzahl in Polen. Zunächst hatte der Geschäftsführer im August 2018 einen Bußgeldbescheid über 8000 Euro kassiert. Der Vorwurf: Weil er den Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Region nicht über den Befund der als gefährlich erachteten Rostbratwürstchen informierte, habe er einen fahrlässigen Verstoß gegen seine im Lebensmittel- und Futtermittelgesetz festgeschriebenen Mitteilungspflichten begangen. Der Unternehmer legte Einspruch ein, im März 2019 reduzierte Amtsrichter Melle Klinkenborg die Strafe auf 3000 Euro. Er berücksichtigte ein Teilgeständnis des nicht vorbestraften Laborleiters ebenso wie die lange Verfahrensdauer. Da das Oberlandesgericht Celle die Rechtsbeschwerde des 58-Jährigen jetzt verwarf, ist der Bußgeldbescheid rechtskräftig.

Laborleiter argumentiert: Keiner isst Rostbratwürstchen roh

Der Laborleiter hatte argumentiert, er habe das für den Vertrieb der Ware zuständige Unternehmen informiert, zudem reiche ein zweiminütiges Erhitzen der Würstchen bei einer Kerntemperatur von 70 Grad aus, um allen Listerien den Garaus zu machen. Kein Mensch esse Rostbratwürstchen roh, ebenso wenig wie Döner-Kebab oder Hackfleisch.

Warnhinweis fehlte

Doch das sah Richter Klinkenborg anders. Unerfahrene oder aus anderen Gründen eingeschränkte Verbraucher – Kinder und Senioren beispielsweise – könnten meinen, dass sie die bereits durchgegarten Würstchen vor dem Verzehr nicht zwingend erhitzen müssen. Zudem habe auf den Packungen des „feingekutterten Brühwurstbräts“ ein entsprechender Warnhinweis gefehlt. Und schließlich sei denkbar, dass ein ungeduldiger Esser die möglicherweise zuvor eingefrorenen Miniwürste auf einen Grill legt und aufgrund einer kräftigen Bräunung der Haut meint, diese seien vollständig durchgegart – was sich als fataler Irrtum erweisen könnte.

Hersteller von „feingekuttertem Brühwurstbrät“ wurde schon einmal wegen gesundheitsschädlicher Lebensmittel verurteilt

Laut der Untersuchungsergebnisse des Labors wurde die folgenschwere Verkeimung beim Weiterverarbeitungs- und Verpackungsprozess in Gang gesetzt. Schon einmal waren die Verantwortlichen der bayerischen Herstellerfirma wegen des fahrlässigen Vertriebs gesundheitsschädlicher Lebensmittel verurteilt worden. Keinesfalls habe es sich, so Klinkenborg, bei den beanstandeten Proben um „Ausreißer“ gehandelt, sondern um grundlegende Fehler in der Produktion.

Behörden hätten Verkauf der Würstchen wahrscheinlich untersagt – wenn sie informiert worden wären

Und damit hätten die Behörden – wenn sie denn informiert worden wären – den weiteren Verkauf der Rostbratwürstchen mit Heumilchkäse sehr wahrscheinlich untersagt. „Offenbar ging es dem Betroffenen jedoch nur darum“, so konstatierte der Richter, „die Unterrichtung der zuständigen Stellen im falsch verstandenen Interesse seines Kunden und/oder der Lieferanten zu vermeiden.“

Von Michael Zgoll

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