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Hannover Kirchenfenster von Lüpertz: Erbe will Unterlassung
Nachrichten Hannover Kirchenfenster von Lüpertz: Erbe will Unterlassung
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00:22 08.04.2019
Der Entwurf für das Markus-Lüpertz-Fenster für die Marktkirche Hannover.  Quelle: Moritz Frankenberg/Simon Benne (Montage)
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Hannover

Der Konflikt um das von Altkanzler Gerhard Schröder angeregte „Reformationsfenster“ für Hannovers Marktkirche geht in die juristische Zielgerade. Der Kirchenvorstand hat ein Unterlassungsverlangen zugestellt bekommen vom Erben des Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen, der das Urheberrecht an der Gestaltung des Kirchenraums verwaltet und sich strikt gegen den Einbau des umstrittenen Fensters aus der Werkstatt von Künstler Markus Lüpertz wehrt.

Marktkirchenpastorin Kreisel-Liebermann: „Ich finde es fair“

Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann reagierte am Freitagnachmittag souverän auf die juristische Zuspitzung. „Ich finde es sehr fair, dass das Verlangen jetzt kommt“, sagte sie der HAZ. Es sei besser, die Fragen früh zu klären als nach einem Einbau des Fensters. „Es geht nicht um einen Streit, sondern eine fachliche und sachliche Prüfung, was die Gerichte höher bewerten: Das Urheberrecht von Dieter Oesterlen oder das Gestaltungsrecht der Kirchengemeinde.“ Der Kirchenvorstand will auf das Anwaltsschreiben nun seinerseits mit einem Anwaltsschreiben reagieren. Vor Gericht ist der Fall noch nicht.

Vor allem die Fliegen-Abbildungen im Lüpertz-Fenster sind umstritten

Der Entwurf von Lüpertz, einem Freund Schröders, setzt sich in zahlreichen Symbolen mit dem Leben und Werk des Reformators Martin Luther (1483-1546) auseinander. Luther erscheint als große weiße Gestalt. Für kontroverse Diskussionen sorgen vor allem fünf Fliegen als Symbol des Bösen und der Vergänglichkeit. Lüpertz hatte das Fenster persönlich in Hannover vorgestellt.

Klageandrohung des Oesterlen-Erben gegen Einbau des Lüpertz-Fensters in Hannovers Marktkirche

Der Kirchenvorstand hatte im März beschlossen, das Fenster trotz Klagedrohung des Architekten-Erben Georg Bissen einbauen zu lassen. Der hat jetzt den Kirchenvorstand über seinen Anwalt offiziell aufgefordert, von den Plänen Abstand zu nehmen. In einem „Unterlassungsverlangen“ habe er umfangreich begründet, warum der Kirchenvorstand nicht zu dem Einbau berechtigt sei, sagte der Anwalt Frank Meier am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bis Anfang Mai soll die Marktkirche nun ihren Verzicht erklären. Tut sie dies nicht, könnte die Auseinandersetzung vor Gericht landen.

Marktkirchengemeinde erhält Rückhalt von Hannovers Stadtkirchenverband

Der Kirchenvorstand der evangelischen Marktkirche hatte im März nach intensiver Debatte beschlossen, das Fenster nach einem Entwurf des Künstlers Markus Lüpertz (77) trotz Kritik und eines drohenden Prozesses anfertigen und einbauen zu lassen. Rückhalt fand die Gemeinde dabei beim Stadtkirchenverband. Dieser hatte zugesagt, sich an den Kosten eines Rechtsstreits zu beteiligen. Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann bezeichnete das „Reformationsfenster“ damals als „Jahrhundertprojekt“.

Altkanzler Schröder, der an diesem Sonntag seinen 75. Geburtstag feiert, hatte angekündigt, er wolle der Marktkirche als Ehrenbürger von Hannover das Fenster schenken. Allein die Kosten für Material, Herstellung und Einbau werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Zur Finanzierung will Schröder Vortragshonorare von Verbänden und Unternehmen in Deutschland weitergeben.

Der Erbe des Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994), Georg Bissen, meldete daraufhin Widerspruch gegen das 13 Meter hohe Buntglasfenster an. Er hält das Fenster für nicht vereinbar mit dem architektonischen Konzept seines Stiefvaters. Der in Tokio lebende Rechtsanwalt verwaltet die Urheberrechte an der Neugestaltung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg durch Oesterlen.

Lesen Sie auch diese Texte:

HAZ vom 21. März 2019: Rechtsstreit droht um Einbau des Lüpertz-Fensters

HAZ vom 23. März 2019: Marktkirche: Vorstand beschließt Einbau des umstrittenen Fensters

HAZ vom 21. Juni 2018: Lüpertz erklärt seinen Fensterentwurf

Von Conrad von Meding

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