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Hannover Lüttje Lage: Die Birne der Abruzzen
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Lüttje Lage: Die Birne der Abruzzen

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20:00 14.07.2020
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Weil man im Frühjahr viel Zeit hatte, habe ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Tomaten gepflanzt – nicht Allerweltsware, sondern ausgesuchte Sorten, von denen mich schon die Namen faszinierten. „Pera d’Abrruzo“ ist dabei, was übersetzt aus dem Italienischen „Birne der Abruzzen“ bedeutet. Eine Wildtomate heißt „Humboldtii“, auch eine Bauerntomate namens „Tegucigalpa“ gehört zum Ensemble.

Es waren Handaufzuchten aus Samenkörnern, zunächst in kleinen Töpfen auf der sonnigsten Fensterbank von ganz Twenge. Im Mai habe ich die Pflänzchen dann teils ins Beet, teils in Kübeln in den Garten gesetzt, in gute Erde, mit Dünger und Urgesteinsmehl als Beigabe. Seitdem sehe ich ihnen beim Gedeihen zu und warte mit Vorfreude auf die Ernte.

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Ich warte schon ziemlich lange. Als ich kürzlich einen Freund besuchte, der ebenfalls Tomaten zieht, waren an den Pflanzen schon recht pralle Früchte zu sehen, einige sogar schon mit Spuren von tomatenroter Farbe. Bei meinen Sträuchern dagegen entwickelt sich so gut wie nichts dergleichen, abgesehen von ein paar Blüten. Bei genauem Hinsehen kann man lediglich an der „Humboldtii“ etwas entdecken, was werdenden Tomaten ähnlich sieht – kleine grüne Kugeln von der Größe einer Zuchtperle.

An der Birne der Abruzzen hingegen tut sich gar nichts. Laut Beschreibung handelt es sich um eine sehr ertragreiche Ochsenherztomate, ideal auch für Pastasaucen. Ich hatte meiner Frau deshalb gesagt, sie solle diese nicht mehr kaufen. Wir würden bald unsere eigenen herstellen.

Langsam regen sich bei mir Zweifel, ob es überhaupt noch zu einer nennenswerten Ernte kommt. Ich habe schon mehrfach im Handbuch für den kleinen Tomatenfreund nachgeschaut, fand aber nichts, was ich falsch gemacht hätte. „Wir müssen was tun“, sagte ich zu meiner Frau. Sie schlug vor, Pastasaucen zu kaufen.

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Von Bernd Haase