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Hannover „Lüttje Lage“: Die große Ernte
Nachrichten Hannover „Lüttje Lage“: Die große Ernte
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16:12 13.09.2019
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Ich hatte einen freien Tag und wollte ein wenig länger schlafen als üblich. Im Grauen des Morgens wurde ich dann aber geweckt. Es rumpelte, grollte und dröhnte draußen; mal schwoll die Geräuschkulisse an, mal ebbte sie wieder ab. Ab und an erzitterte unser Haus leicht. Ich dachte zunächst, dass Twenge Schauplatz einer Übung von Panzereinheiten der Bundeswehr geworden war. Dann aber erinnerte ich mich an Zeitungsberichte, wonach Übungen der Streitkräfte wegen des Materialzustandes nur noch dort möglich sind, wo sich Werkstätten in unmittelbarer Nähe befinden.

Missvergnügt stieg ich aus dem Bett und ging in die Küche, wo meine Frau schon Kaffee gekocht hatte. „Was ist da draußen los?“, fragte ich. „Misere“, antwortete sie. „Was für eine Misere denn?“, fragte ich nach. „Maisernte“, brüllte sie, „und kauf Dir endlich ein Hörgerät.“

Ich sah mir die Sache von unserem kleinen Balkon aus näher an. Seit einigen Jahren stellen die Landwirte unsere Gegend mit riesigen Maisfeldern zu, die Futter für die Biogasanlage liefern. Geerntet wird dann generalstabsmäßig. Also rollten jetzt im Minutenabstand Trecker über unsere Ortsdurchfahrt, die in Größe und Geschwindigkeit nichts mehr mit denen zu tun haben, die ich seit der Kindheit kannte. Sie zogen riesige Hänger voll mit Mais, die gerade so zwischen den Straßenbäumen hindurch passten, ohne sie zu fällen. Während sie vorbeirauschten, zogen sie eine Fahne von kleinen Häckseln hinter sich her, die der Fahrtwind vom Hänger wehte.

Weil meine Frau inzwischen zur Arbeit gefahren war und ich in Ruhe frühstücken wollte, fuhr ich kurzentschlossen mit dem Fahrrad in die Markthalle und erledigte später noch einige Einkäufe. Auf dem Rückweg bemerkte ich, dass sich etwas verändert hatte. Ich sah wieder Dörfer, Kirchtürme, Wäldchen und Ähnliches. Der Horizont mit weißen Wölkchen am Himmel hatte sich geweitet, wie sich das für eine Landschaft in der norddeutschen Tiefebene gehört. Das, aber nur das, ist das Gute an der Maisernte.

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Von Bernd Haase

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